Sächsischer Landeskontrollverband e.V.: Service

 

Fütterung und Tierwohl - Milchkühe (2)
Zur Mineralstoff- und Vitaminversorgung

Prof. Dr. Manfred Hoffmann
Fütterungsberater beim Sächsischen Landeskontrollverband e. V.

Der wichtigste und ausschlaggebende Beitrag der Fütterung zum Wohlbefinden der Tiere ist die kontinuierliche bedarfsgerechte Versorgung mit Nährstoffen. Wir verfügen heute über alle notwendigen Kenntnisse, welche Nährstoffe lebensnotwendig sind und wissen, in welcher Menge sie jeden Tag dem Tier verabreicht werden müssen. Abweichungen von diesen Normen, sei es aus Unkenntnis oder einfach aus „Schlamperei“, beeinträchtigen das Wohlbefinden der Tiere unmittelbar und führen schließlich zu gesundheitlichen Störungen, die dem Tier nicht nur Schmerzen, sondern langfristig körperliche Schäden zufügen.

Im Beitrag „Fütterung und Tierwohl (1)“ wurden bereits wichtige Grundsätze genannt und die Anforderungen an die Versorgung der Milchkühe mit strukturwirksamen Stoffen für den Pansen und für die verschiedenen Leistungen die Kennzahlen für die Versorgung mit Energie und mit Rohprotein dargestellt.

Neben diesen Stoffgruppen gehören zur Grundversorgung der Milchkühe auch die Mineralstoffe und Vitamine.

 

In der Tabelle 1 sind die Mengen angegeben, die täglich verabreicht werden müssen, um Leistungsbereitschaft, Fruchtbarkeit und Gesundheit der Milchkuhherden zu erhalten. Hier sind die Mengenelemente, Spurenelemente und Vitamine genannt, die nach dem derzeitigen Wissen lebensnotwendig sind und bei der Rationsgestaltung beachtet werden müssen.

 

Bei den Mineralstoffen werden in Kenntnis der Gehaltswerte in den Futter-komponenten (Tabellenwerte und Ergebnisse aus der Futtermittelanalyse, was besonders für Grünfutter und Silagen wichtig ist) die Rationen durch zugekaufte Mineralfutter ergänzt.

 

Die genannten Vitaminmengen werden in der Regel unabhängig von den Gehaltswerten in den Futtermitteln ergänzt.

 

Tabelle 1

 

Die Tabelle 2 gibt die notwendigen Mengen je kg Trockensubstanz an, mit denen die Mischrationen kontrolliert werden können.

 

Tabelle 2

 

Bei der Mineralstoffversorgung ergibt sich eine Besonderheit für den geburtsnahen Zeitraum, die hier noch einmal genannt werden soll, weil sie das immer noch zu häufig auftretende Festliegen nach der Geburt des Kalbes betrifft. Die Ursache für diese Gebärparese, auch Milchfieber genannt, ist eine Störung des Kalziumstoffwechsels nach der Geburt. Ein bewährtes Prophylaxemodell ist in der Tabelle 3 zusammengestellt.

 

Tabelle 3

 

Für Problemtiere (nach Schwergeburten, ältere Kühe u.ä.) hat sich eine ergänzende Injektion bzw. Infusion am 1.Tag mit Ca-Glukonikum (Flasche mit 500 ml, 24 %ig) als wirksam erwiesen.

Ergibt sich die Notwendigkeit, z.B. bei sehr hohem Kaliumgehalt bzw. bei zu hohem Ca-Gehalt der Grundration  im Verhältnis zur DCAB, eine Anionen-Ration zu füttern, haben sich als DCAB-Regulatoren Kalziumchlorid (CaCl2 x H2O), mikroverkapselt, mit –13.700 meq/kg oder Biochlor, einem salzsäurebehandeltes Proteinhydrolysat mit –3.379 meq/kg als zweckmäßig erwiesen. Die Anwendung saurer Salze, wie z.B. Magnesiumsulfat u.a. ist auf Grund verschiedener negativer Nebenwirkungen stark zurück gegangen.

 

Fazit

Der wichtigste Beitrag der Fütterung zum Tierwohl ist die arten- und bedarfsgerechte tägliche Versorgung der Tiere mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen. Neben der Energie- und Rohproteinversorgung gehören dazu auch die genannten Mengen- und Spurenelemente sowie die Vitamine.

 

 

(modifiziert nach einem Beitrag in der dlz-agrarheute, rind 2020)                   

 

Stand: Oktober 2020

 

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