Sächsischer Landeskontrollverband e.V.: Service

 

Zum Harnsaufen der Milchkühe

Prof. Dr. Manfred Hoffmann
Fütterungsberater beim Sächsischen Landeskontrollverband e. V.

Über das Harnsaufen von Milchkühen gibt es praktisch keine zuverlässigen wissen-schaftlichen Untersuchungen, es liegen aber eine ganze Reihe von „Fallbeispielen“, Erfahrungsberichten und Mutmaßungen vor. Harnsaufen kommt bei Milchkühen seltener vor als bei Kälbern. Es ist häufig verbunden, aber nicht regelmäßig, mit dem Belecken von Wänden. Es sollte zuerst festgestellt werden, ob es immer wieder die gleichen Einzeltiere betrifft, ob es massenweise in bestimmten Gruppen vorkommt oder ob es die ganze Herde erfasst.

 

Darauf sind die Maßnahmen einzustellen. Wird versucht, die Erkenntnisse und Erfahrungen zusammen zu fassen, ergibt sich ein vielfältiges Bild.

 

1. Haltungsfehler und Verhaltensstörungen

  • Auftreten als Untugend, eine angenommene Gewohnheit, gilt häufig für Einzeltiere die meist nicht zu „heilen“ sind.
  • haltungsbedingte Stresssituationen, die als oxidativer Stress messbar sind, am häufigsten Überbelegung, beengte Stallbedingungen, häufiges und „lautes“ Treiben, zu weites Tier : Fress- + Liegeplatz – Verhältnis
  • „Langeweile“ der Tiere

 

2. Ungenügende Wasserversorgung

  • nicht ausreichende Menge, besonders in Hitzeperioden nicht angepasste Erhöhung der Wassermenge
  • nicht ausreichende Tränkmöglichkeiten und falsche Tränkformen
  • qualitative Einschränkungen, die besonders den Geschmack betreffen (Eisen, Mangan)


3. Rationsbedingte Ursachen

  • „Mangel“ an Viehsalz (NaCl)
  • Ohne Beachtung des Na-Bedarfes, des K : Na – Verhältnisses und der DCAB war ein kurzzeitiges Angebot von bis zu 100 g NaCl / Tier  und Tag bzw. das Angebot von Salzlecksteinen wirksam (Achtung! Bei ad libitum Angebot ist die Aufnahme nicht sicher kontrollierbar).
  • Mangel an Spurenelementen. Wird sehr häufig als Ursache des Harnsaufens angegeben und vermutet, aber es liegen keine eindeutigen Beweise vor. Es werden Fälle geschildert, dass das Harnsaufen aufgehört hat, wenn Leckmassen angeboten wurden. Man sollte die Mineralfutterzusammensetzung und die täglich verabreichte Menge im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Versorgung kontrollieren.
  • In letzter Zeit gibt es im Zusammenhang mit dem oxidativen Stress Berichte über Harnsaufen bei Selenmangel. Da die Selenbestimmung im Blut (Serum oder Plasma, aber unterschiedliche Grenzwerte beachten!) ein guter Indikator für die Selenversorgung ist, sollte durch den Hoftierarzt eine Untersuchung veranlasst werden.
  • Alkalotische Belastung (Pansenalkalose). Neben den unter 1. genannten Fällen ist es die häufigste Ursache. Folgende Faktoren führen zu einer alkalotischen Belastung:
    • Hohe DCAB in der Mischration (> 350 meq/kg TS). Zur Feststellung der DCAB Kalium, Natrium, Chlor und Schwefel in der Mischration untersuchen lassen. Es ergibt sich dann ein Überschuss an Kalium und/oder Natrium bzw. ein Mangel an Schwefel und /oder Chlor.
    • Überschuss an Rohprotein in der Ration (> 15 % über Tagesbedarf)
    • Verfütterung von Silagen mit einem überhöhten Gehalt an Ammoniak
      (> 10 % NH3 des Gesamt-N)
    • Hoher Rohaschegehalt in der Ration. Einsatz von Grobfuttermitteln, vorwiegend Silagen, mit mehr als 100 g Rohasche je kg TS.
    • Verfütterung warm gewordener Grünfutter (Lagerung nach dem Schneiden) oder nacherwärmter Silagen. Verschiedene Berichte sagen aus, dass Harnsaufen bei Einsatz „verdorbener Silagen“ vorkommt, ohne diese im Einzelnen zu charakterisieren.

Die schnellste und einfachste Möglichkeit, um eine alkalotische Belastung festzustellen, ist die Entnahme von Harnproben und die Untersuchung auf die Netto-Säuren-Basen-Ausscheidung- Bei einer NSBA >200 mmol / l und einem pH-Wert > 8,5 ist mit einer alkalotischen Belastung zu rechnen.

 

Empfehlung zur Diagnose:

  • Festellung des Auftretens des Harnsaufens (Umfang, welche Gruppe) Kontrolle der Haltungs- und Verhaltensbedingungen<o:p></o:p>
  • Harnuntersuchungen durch den Tierarzt veranlassen
  • Mischration untersuchen lassen <o:p></o:p>
  • Aktuelle Grassilage untersuchen lassen<o:p></o:p>
  • Selenbestimmung im Blutserum durch den Tierarzt veranlassen          

 

Stand: Oktober 2020

 

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