Sächsischer Landeskontrollverband e.V.: Service

 

Labmagenblutungen

Prof. Dr. Manfred Hoffmann
Fütterungsberater beim LKV Sachsen

In einem Landwirtschaftsbetrieb sind Kuhverendungen durch Labmagenblutungen aufgetreten und es wird gefragt, wodurch Labmagenblutungen ausgelöst werden und wie man sie verhindern kann.

 

Antwort:

Alle Fälle von Labmagenblutungen, die beschrieben werden und die mir selbst begegnet sind, waren immer mit einer Labmagenentzündung verbunden.  

Daraus erklärt sich auch, dass es immer Einzeltiere sind, die von offenen Blutungen betroffen werden, meist entzieht es sich unserer Kenntnis, ob nicht auch mehr Tiere des Bestandes eine Labmagenentzündung haben, ohne dass es zu Blutungen und Übergang von Blut in den Darm kommt.

Eine geringere Futteraufnahme und ein Abfall der Milchleistung ist bei Tieren, die an einer Labmagenentzündung erkrankt sind, im Allgemeinen festzustellen.

In jedem Fall muss bei Auftreten von Blut im Kot vor jeder weiteren Maßnahme durch eine tierärztliche Beurteilung eine Infektion ausgeschlossen werden.

 

Die Ursachen können sehr vielfältig sein:

Ø  ein nicht funktionierender Pansen mit ungenügender Schwimmschicht (falsche Futtermittelstruktur) bei dem durch eine verminderte Filterfunktion „Pansenschlamm“ in den Labmagen gerät,

Ø  ein hoher Sandgehalt der Ration (Ziel: < 20 g/kg TS, verbunden mit < 100 g Rohasche/kg TS),

Ø  Aufnahme von gefrorenem Futter,

Ø  Aufnahme von Rationen mit verdorbenen Silagen (bes. Gehalt an biogenen Aminen),

Ø  geschädigte Labmagenschleimhaut durch extrem niedrige pH-Werte der verwendeten Silagen (pH-Wert < 3,6, kommt aber selten vor) bzw. Silagen mit sehr hohen Milchsäuregehalten (>10% in der TS),

Ø  Pansenazidose durch Überschuss an Zucker und Stärke (nur über einen längeren Zeitraum).

 

In der Weideperiode zusätzlich (nach niederländischen Erfahrungen)

Ø  kalte Niederschläge

Ø  zu hoher Viehbesatz

Ø  überhöhte Mineraldüngergaben.

 

Ein spezielles Feld für Labmagenentzündungen/Blutungen ist die Aufnahme von Samen und Früchten mit schädlichen Inhaltsstoffen sowie von giftig wirkenden Pflanzen.

 

Aufgrund der vielen Möglichkeiten bitte Spezialliteratur verwenden, hier nur einige spezielle Schwerpunkte, die neben einer Labmagenentzündung weitere spezifisch toxische Prozesse auslösen können:

Ø  Alkaloide (Mutterkorn),

Ø  Hahnenfussgewächse, Kuhschelle, Sumpfdotterblume, Bärenklau, Rainfarn,

Ø  Wolfsmilcharten, Kornrade, Knötericharten, schwarzer Nachtschatten, Bingelkraut,

 

Ø  Laub von Eiben.

 

Stand: Januar 2021

 

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