Sächsischer Landeskontrollverband e.V.: Service

 

Der Korn-Zerkleinerungsgrad bei Maissilagen (CSPS/KPS)

Dr. Wolfram Richardt

Neben der chemischen Analyse sollte bei Maissilagen grundsätzlich eine Beurteilung der Anteile an nicht angeschlagenen Körner und der Häckselqualität erfolgen. Nicht ausreichend angeschlagene Körner können durch Rinder nicht verdaut werden und tragen somit nicht zur Energieversorgung bei. Dies wird bei der chemischen Analyse nicht mit berücksichtigt und führt damit zu einer Überschätzung der Energiekonzentration. Beurteilt wird der Zerkleinerungsgrad, d. h., ob das Korn tatsächlich auch halbiert oder noch weiter zerkleinert wurde. Auf Grund der üblicherweise starken Abreife der Kolben und Körner reicht ein einfaches Anritzen des Kornes nicht aus. Hier treten auch die Missverständnisse auf, da viele Betriebe und auch Berater ein angebrochenes Korn als ausreichend angeschlagen betrachten. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass auch solche Körner unverdaut ausgeschieden werden.

Nicht ausreichend angeschlagene Körner führen bei einem hohen Anteil an Maissilage in der Ration zu einer Verschlechterung der Stärkeverdauung (Abfall Milcheiweiß um 0,1-0,2 %), Verschlechterung der Energieversorgung (Abfall Milchmenge 1-2 kg/Tier und Tag), Mangel an Energie im Pansen (Abfall Milchfettgehalt 0,2 – 0,4%) und Auftreten von Maisstärke im Kot (Korrelation 0,76). Durch die Vermehrung unerwünschter Keime im Dickdarm (coliforme Keime, Clostidien) ergeben sich Zusammenhänge zu Euterentzündungen. 

Neben der sensorischen Einschätzung des Anteils an nicht ausreichend angeschlagenen Körnern besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit den Zerkleinerungsgrad mittels einer Labormethode im Futtermittellabor des LKS mbh zu messen. Statt des Begriffs Kornzerkleinerungsgrad werden häufig die englischen Abkürzungen CSPS (corn silage processing score) oder KPS (kernel processing score) verwendet. Aus amerikanischen Untersuchungen zum Zerkleinerungsgrad und Stärkeverdaulichkeit wurden folgende Zielwerte abgeleitet: >70%  Optimum, 50-70 % Verbesserungswürdig und <50% Unzureichend.

Die Ergebnisse des CSPS/KPS Bestimmung zeigen, dass nur 56% (2017) bis 66% (2016, 2019) aller Proben im Optimum liegen (Ausnahme das Jahr 2018)! Etwa 30 bis 40% aller Proben liegen im Bereich „verbesserungswürdig“ und bei 2% – 5% aller Proben sind die Körner völlig unzureichend zerkleinert. Dies kann für einen einzelnen Betrieb eine ganze Jahresernte darstellen.

Anteil Proben in den Qualitätsklassen (NAK = nicht ausreichen angeschlagene Körner)

Jahr

Sensorische Einschätzung

CSPS/KPS

 

NAK 0%

NAK 5%

NAK >5%

<50%

50 -70 %

>70%

2007

78,6

19,7

1,7

 

 

 

2014

75,9

17,8

6,3

 

 

 

2015

96,0

3,8

0,2

 

 

 

2016

96,6

2,9

0,5

3

30

66

2017

96,0

3,6

0,4

5

39

56

2018

97,6

2,1

0,3

0,5

10

90

2019

83,7

14,6

1,7

2

32

66

     NAK 0%: alle Körner ausreichend angeschlagen
     NAK 5%: etwa 5% aller Körnern nicht ausreichend angeschlagen
   NAK >5%: über 5% aller Körnern nicht ausreichend angeschlagen
CSPS <50%: unzureichende Kornzerkleinerung
      50-70%: Kornzerkleinerung verbesserungswürdig
Kornzerkleinerung >70%: Optimum 

Auch wenn sich aus den Daten der sensorischen Einschätzung ablesen lässt, dass sich bei der Kornaufbereitung in den letzten 5 Jahren vieles verbessert hat (siehe Tabelle), sind hier noch deutliche Potentiale zur Verbesserung der Futterqualität und Ausnutzung der Nährstoffe sichtbar. Hierin liegt auch der Wert dieser erweiterten Futtermittelanalyse, über die Standardanalyse bei Maissilage hinaus. Nur durch die Kenntnis des CSPS kann der gesamte Ernteprozess sinnvoll bewertet werden.

Stand: August 2020

 

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