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Der Fütterungsberater

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Rind

Bedarfsnormen für Mineralstoffe der Milchkühe und Ergebnisse der TMR-Analysen in der LKS Lichtenwalde - Mengenelemente

Neben der Versorgung mit Energie und Rohprotein ist die Deckung des Bedarfs an Mineralstoffen und Vitaminen ein wichtiger Bestandteil der Rationsplanung.

Anhand der Konzentration im Tierkörper unterscheidet man zwischen Mengenelementen (g/kg TS) und Spurenelementen (mg/kg TS).

Der Bedarf ist für einige Elemente faktoriell abgeleitet (z. B. Ca, P, Na, Mg) und für andere mittels Dosis-Wirkungs-Beziehung. Im nachfolgenden sollen einige Begriffe erklärt werden, welche im Zusammenhang mit Bedarfsnormen verwendet werden.

Minimalbedarf

Der Minimalbedarf ist so definiert, dass das Auftreten von Mangelsymptomen mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann.

Optimalbedarf

Der Optimalbedarf ist so definiert, dass die Versorgung ein optimales Zusammenspiel aller Stoffwechselvorgänge und eine physiologische Speicherung in den Geweben ermöglicht.

Nettobedarf

Nettobedarf = physiologischer Bedarf des Tieres

Bruttobedarf

Der Bruttobedarf entspricht der notwendigen Menge an Mineralstoffen die dem Tier täglich über das Futter zugeführt werden müssen (g/Tier und Tag) oder dem notwendigen Gehalt des Mineralstoffes im Futtermittel (Gesamtration, Alleinfutter). Er schließt alle unvermeidlichen Verluste (Verwertbarkeit, Verdaulichkeit) und mögliche Ungenauigkeiten bei der Rationsgestaltung (Sicherheitszuschläge) mit ein.

Bruttobedarf = Nettobedarf / Verwertbarkeit

Bedarfsnormen

Die Bedarfsnormen entsprechen dem Bruttobedarf + Sicherheitszuschläge. Sie können in g/Tier und Tag oder als Konzentrationsnorm (g/kg Trockensubstanz) angegeben werden.

Bedarfsnormen = Bruttobedarf + Sicherheitszuschläge

Konzentrationsnorm = Tagesbedarf / Futteraufnahme

Da bei den Bedarfsnormen sowohl die Verwertungsverluste als auch Sicherheitszuschläge einfließen, sollten Rationen exakt bilanziert werden. Das bewusste Einrechnen von zusätzlichen „Sicherheits-Zuschlägen“ macht keinen Sinn und belastet die Umwelt, die Tiergesundheit und in der Regel auch die Rationskosten.

Für einige Mengenelemente wird in Abhängigkeit von der Lebensmasse, der Futteraufnahme oder der Milchleistung ein Tagesbedarf berechnet, welcher sich über die realisierte Futteraufnahme in eine Konzentrationsnorm umrechnen lässt (z. B. Ca, P, Na, Mg). Für die anderen Mengenelemente (K, Cl, S) und die Spurenelemente (Cu, Zn, Mn, Co, J, Se, Fe) erfolgt die Angabe der Bedarfsnorm als Konzentrationsnorm (g/kg TS, mg/kg TS). Die Bedarfsnormen für die Mengenelemente sind in Tab. 1 dargestellt. In Tab. 2 bis 5 sind die Mineralstoffgehalte in Mischrationen für Milchrinder (Hochleistung und Vorbereiter) für die eingesendeten Proben aus dem Jahr 2021 dargestellt. Es zeigt sich, dass wir im Allgemeinen eine gute Versorgungslage haben und eher zu einer Überversorgung als zu einem Mangel neigen.

Tabelle 1: Mengenelemente – Bedarf

ElementBedarf18 kg TM20 kg TM22 kg TM
 g/Tier und Tagg/kg TS
Ca1146,25,75,4
P713,83,63,4
Mg321,81,61,5
Na281,61,41,3
 g/kg TS   
K10   
Cl3,4   
S2,0 (1,2-2,2)   

Bedarfsangaben gem. GfE (2001) bzw. Hoffmann M., kalkuliert für 700 kg LM, 30 kg ECM

Tabelle 2: Mengenelemente [g/kg TS] in TMR für Hochleistung (2021)

Element CaPMg
Mittel   
Min   
Max   
Proben<5,0g<3,2g<1,5g
10%6%0,5%
Proben>7,0g>4,0g>3,0g
56%61%19%

Bedarf: GfE (2001), Ca 5,5-6,5 g, P 3,4-3,8 g, Mg 1,5-1,8

Wie in Tab. 2 zu sehen ist, weisen 61 % aller Mischrationen für laktierende Rinder einen zu hohen Phosphorgehalt aus. Dies hängt ursächlich mit dem hohen Anteil an Rapsextraktionsschrot und Getreide in den Rationen zusammen. Aber auch die Konzentration an Phosphor in Grassilage ist im Mittel mit über 3,2 g/kg TS hoch und trägt zu einer guten Phosphorversorgung bei. Viele Betriebe haben bereits bei der Auswahl des Mineralfutter darauf reagiert und füttern ein Phosphor armes/freies Mineralfutter.

Ähnlich sieht die Versorgungslage mit Natrium und Schwefel aus. Der hohe Anteil an Proben mit einem zu hohen Natriumgehalt liegt sicherlich an der sehr geringen Variabilität des Bedarfs und der Tatsache, dass die Ergänzung mit Natrium nur geringe Kosten verursacht.

Tabelle 3: Mengenelemente [g/kg TS] in TMR für Hochleistung (2021)

ElementKNaSCl
Mittel15,42,92,65,6
Min9,60,11,32,7
Max317,84,813
Proben<10g<1,5g<2,0g<3,0g
0,5%14%4%3%
Proben>20g>2,0g>3,0g>4,0g
6%55%15%79%

Bedarf: GfE (2001), K 10 g, Na 1,5 g, S 2,0 g, Cl 3,4 g

Anders ist Situation bei Schwefel zu beurteilen. Hier liegen immerhin 15 % aller Rationen bei über 3 g/kg Trockensubstanz. Ein zu hoher Schwefelgehalt hat Auswirkungen auf die Futteraufnahme und Tiergesundheit (siehe auch Artikel „Zur Schwefelversorgung der Milchkühe“, Prof. M. Hoffmann). Hohe Schwefelgehalte resultieren zum einen aus dem hohen Anteil an Rapsextraktionsschrot in den Rationen aber auch durch hohe Schwefelgehalte in Grassilagen. Etwa 20% der Grassilagen weisen mehr als 3 g Schwefel/kg TS auf und 2% der Silagen sogar einen Wert über 4 g/kg TS.

Tabelle 4: Mengenelemente [g/kg TS] in TMR für Vorbereiter (ab 3. Woche a.p.)

ElementCaPMg
Mittel6,84,13,5
Min3,02,51,7
Max166,58,2
Proben<4,0g<3,2g<2,0g
9%8%5%
Proben>12,0g>4,0g>4,0g
8%55%22%

Bedarf: GfE (2001), Ca 5,0-10,0 g, P 3,4-3,8 g, Mg 1,5-1,8

Ähnlich wie bei den Rationen für die laktierenden Kühe zeigen die Gehalte für Calcium, Phosphor und Magnesium in Rationen für Kühe in der Vorbereitungsphase (ab 3. Woche a.p.) eher eine Überversorgung als eine Unterversorgung an. Dies ist besonders bei Phosphor kritisch, da hohe Phosphorgehalte ein unabhängiger Risikofaktor für Gebärparese und Nachgeburtsverhalten sind.

Auch bei den Mengenelementen Kalium, Natrium, Schwefel und Chlor sehen wir eher zu hohe Gehalte in den Rationen für Kühe in der Vorbereitungsphase, als zu niedrige Gehalte. Kritisch ist dies vor allem bei dem Element Kalium zu sehen, da Kalium ein direkter Risikofaktor für die Gebärparese, Nachgeburtsverhalten und anderen Erkrankungen im geburtsnahen Zeitraum (z. B. Labmagenverlagerung) ist.

Tabelle 5: Mengenelemente [g/kg TS] in TMR für Vorbereiter (ab 3. Woche a.p.)

ElementKNaSCl
Mittel142,02,95,7
Min8,60,31,51,5
Max227,68,612
Proben<10,0g<1,5g<2,0g<3,0g
 5%43%7%8%
Proben>15,0g>2,0g>3,0g>6,5g
 30%25%27%37%

Bedarf: GfE (2001), K 10 g, Na 1,5 g, S 2,0 g, Cl 3,4 g

Auffallend ist auch der hohe Anteil an Rationen mit einem zu hohen Schwefelgehalt. Ursachen dafür sind wie schon erwähnt der hohe Anteil an Rapsextraktionsschrot wie auch der hoher Schwefelgehalt in Grassilagen. Aufgrund der negativen Wirkung bezüglich der Futteraufnahme und Tiergesundheitsstörungen müssen hier alle Maßnahmen zur Senkung der Schwefelkonzentration in Rationen vorgenommen werden. Ziel sind Konzentrationen unter 3 g/kg TS.

Tabelle 6: DCAB [meq/kg TS] in TMR für Hochleistung (links) und für Vorbereiter (rechts)

HochleistungVorbereiter
ElementDCAB [meq/kg TS]ElementDCAB [meq/kg TS]
Mittel196Mittel101
Min19Min-342
Max467Max309
Proben<150 meqProben<-100meq
13%5%
Proben>400meqProben>200meq
1%15%

Der Berechnung der DCAB kommt neben der Deckung des Bedarfs eines einzelnen Mineralstoffes eine wichtige Rolle in der Regulation des Mineralstoffhaushaltes zu. Bekannt ist dies seit langem im Bereich der Vorbereitungsfütterung zur Verhinderung von Stoffwechselstörungen (z. B. Milchfieber) im geburtsnahen Zeitraum (siehe Artikel "DCAB – eine hilfreiche Kennzahl in Rationen für Milchkühe"). Zunehmend ist dies aber auch für Rationen, welche an laktierende Rinder verfüttert wird von Bedeutung. Auch wenn die Festlegung eines sicheren Orientierungswertes noch nicht abgeschlossen ist, so kann mit dem Wert von mindestens 150 meq/kg TS in der praktischen Rationsgestaltung sinnvoll gearbeitet werden. Die Auswertung der Mischrationen zeigt, dass dieser Wert nur von 13 % aller Proben unterschritten wird. Bei den Rationen für die Vorbereiter stellt sich naturgemäß eine große Variation dar. Das Ziel sind hier niedrige Werte (< 200 meq/kg TS. Auffallend ist, dass 15 % aller Rationen eine DCAB von über 200 meq/kg TS aufweisen. Hier ist mit Problemen im geburtsnahen Zeitraum zu rechnen.

Stand: Mai 2022

 

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