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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Futtermittel & Laboranalytik

Der Grobfutter-Qualitäts-Index

Aktuell wird damit begonnen den ersten Schnitt der Grassilage der Ernte 2021 zu verfüttern. Neben dem Energie- und Nährstoffgehalt sind aber auch der Konserviererfolg und die hygienische Qualität wichtige Einflussfaktoren auf die Leistung und Tiergesundheit. Zur Steigerung des Bewusstseins und der Anerkennung der Bedeutung der Grobfutterqualität für eine rentable Milchproduktion hat das Futtermittellabor in Lichtenwalde einen Grobfutter-Qualitäts-Index entwickelt. Im Vordergrund sollen ein optimaler Nährstoffgehalt entsprechend des Einsatzzweckes und eine hohe Futtermittelhygiene stehen.

Lassen Sie Ihre Silagen der Ernte 2021 auf den Grobfutter-Qualitäts-Index untersuchen!

Die Eckpunkte der Bewertung, die Auswahl und Wichtung der Parameter verfolgen dabei folgende Ziele:

  • Umfassende Bewertung der Silage hinsichtlich ihrer Eignung, bezogen auf den Einsatzzweck
  • Vermeidung von teurem Zukauf relevanter Inhaltsstoffe zum Ausgleich in der Ration (z. B. Protein, Energie)
  • Vermeidung von Restriktionen beim Einsatz, um einen möglichst weiten Handlungsspielraum bei der Rationsgestaltung zu gewährleisten (z. B. durch Zucker)
  • Keine negative Beeinflussung der Tiergesundheit (z. B. Hefen und Schimmelpilze)
  • Vermeidung hoher Futterverluste bei der Herstellung und Lagerung der Silagen (z. B. Konserviererfolg, Hefen)
  • Nicht berücksichtigt wird die Herkunft (Ackergras, Dauergrünland) oder das Bewirtschaftungsverfahren (intensiv oder extensiv), sondern der Einsatzzweck
  • Durch die regelmäßige Auswertung aller Proben, kann ein Betrieb sich auch mit anderen Betrieben vergleichen und den Index als Benchmarking verwenden
  • Möglichkeit zur finanzielle Bewertung des Grobfutters auf Basis der Erzeugungskosten bzw. eines innerbetrieblichen Verkaufspreises (betriebsspezifisch) 

Die Bewertung wird seit der Ernte 2016 für sieben Klassen (Futterart und Einsatzzweck) durchgeführt:

1) Grassilage für laktierende Rinder (unabhängig vom Schnitt)

2) Grassilage für Jungrinder und Trockenstehern (unabhängig vom Schnitt)

3) Maissilage

4) Luzernesilagen

5) Getreideganzpflanzensilagen

6) Heu für laktierende Rinder (unabhängig vom Schnitt)

7) Heu für Jungrinder und Trockensteher (unabhängig vom Schnitt)

Bei dem Bewertungsschema stehen neben einem optimalen Nährstoffgehalt vor allem die hygienischen Parameter im Vordergrund, da diese einen entscheidenden Einfluss auf die Einsatzwürdigkeit haben. Aus diesem Grunde muss neben der Vollanalyse eine Untersuchung auf Hefen und Schimmelpilzen erfolgen.

Im Rahmen einer erweiterten Futtermittelbewertung bietet das Futtermittellabor der LKS-Landwirtschaftliche Kommunikations- und Servicegesellschaft mbH seit 2016 den Grobfutter-Qualitäts-Index an. Für die Grassilagen aus den Ernten 2016 bis 2020 lassen sich folgende Ergebnisse ableiten.

Abbildung 1: Einstufung Grassilage Ernte 2016-2020 nach Grobfutter-Qualitäts-Index

Es zeigt sich, dass 60 bis 80% der eingesandten Proben als gut, sehr gut oder exzellent eingestuft wurden. Dabei ist die Tendenz über die Jahre steigend. Es zeigt sich aber auch, dass 10 bis 31% aller Proben nur mit schlecht bis sehr schlecht eingestuft wurden. Die Ursache war in der Regel eine deutliche Abwertung der Proben durch einen zu hohen Gehalt an Hefen. Dies betraf immerhin 70% aller Proben. Die Ausnahmen bilden die Ernten 2018 bzw. 2020 mit „nur“ 23% bzw. 17% aller Proben (siehe Abbildung 2). Der Gehalt an Hefen lässt sich durch geeignete Maßnahmen wie z. B. optimalen Anwelkgrad (28 – 35 % TS), hohe Verdichtung, tägliches Abdecken des Silos währen der Befüllung und Einsatz von DLG geprüften Siliermitteln der Klasse 2 deutlich verringern. Geringe Abzüge ergaben sich aber auch durch nicht adäquate Energie- und Rohproteingehalte (bei 60-70% aller Proben). Diese liegen in der Regel zu niedrig. Die Reserven liegen hier in der Einhaltung des optimalen Schnittzeitpunktes, der guten fachlichen Praxis bei der Grünlandpflege, einer optimierten N- und Grunddüngung, der Verbesserung des Humusgehaltes und der Erhöhung des Leguminosenanteils.

Aus der Auswertung lässt sich ableiten, dass es durchaus möglich ist gute und sehr gute Silagen zu produzieren, dass aber auch noch erhebliche Reserven bestehen.

Abbildung 2: Anteil der Grassilagen Ernte 2020 mit Zuschlägen, Abzügen und ohne Abzüge für verschiedene Kennzahlen bei der Bewertung nach Grobfutter-Qualitäts-Index

 

Stand Juli 2021

 

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