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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Schwein

Der MMA-Komplex bei der Zuchtsau – Wichtige Fütterungsaspekte

MMA steht für Mastitis-Metritis-Agalaktie und steht für einen Symptomkomplex, der bei Sauen um den Geburtszeitraum herum beobachtet wird.

Mastitis: Gesäugeentzündung

Metritis: Gebärmutterentzündung

Agalaktie: ausbleibende Milchbildung

Die Tiere fallen durch Fieber (> 39,5°C), ein entzündetes (= gerötetes, geschwollenes) Gesäuge, einen daraus resultierenden Rückgang der Milchleistung und übelriechenden Lochialausfluss auf. Infolge der reduzierten Milchbildung oder dadurch, dass die Sau den Ferkeln den Zugang zum Gesäuge verwehrt, fallen die neugeborenen Ferkel zuerst durch Unruhe und verstärkte Lautäußerung, später durch Kümmern und erhöhte Sterblichkeit auf.

Die Erkrankung ist multifaktoriell - aus Fütterungssicht gibt es zahlreiche prädisponierende Faktoren:

• Kommt es während der Gravidität durch zu hohe Mengen an Protein oder Energie in der Gesamtration zu einer Überfütterung und daraus resultierenden Verfettung der tragenden Sau, stellen diese Fettpolster sowohl eine mechanische Einengung der Geburtswege dar und erhöhen gleichzeitig das Risiko für eine Wehenschwäche. Damit wird die Geburtsdauer erhöht und das Risiko einer Metritis gesteigert.

• Bewegungsmangel und eine zu geringe Rohfaserversorgung begünstigen Kotverhaltung und Obstipationen. Die damit einhergehende herabgesetzte Darmpassage fördert eine Absorption von Endotoxinen, die von Bakterien im Darminhalt gebildet werden.

• Eine Wehenschwäche, welche wiederum zur Geburtsverzögerung führt, kann durch einen Mangel an den Mengenelementen Calcium und Magnesium begünstigt werden.

• Auch chronische Harnwegsinfektionen können die Entstehung von Metritiden begünstigen. Einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Harnwegsinfektionen hat zum einen die Wasseraufnahme, welche die „Durchspülung“ der Harnblase beeinflusst. Ein limitiertes Wasserangebot sowie eine zu niedrige Wasserdurchflussrate können daher prädisponierend auf Harnblasenentzündungen wirken. Zum anderen bevorzugen die meisten pathogenen Bakterienstämme ein alkalisches Harn-Milieu. Dieses entsteht u.a., wenn die DCAB (= dietary cation anion balance) in der Ration zu hoch ist (z.B. durch hohe Ca- oder Mg-Gehalte).

Die Notwendigkeit Futtermittel zu analysieren und die DCAB im Futter für tragenden Sauen zu berechnen ergibt sich aus der nachfolgenden Abbildung (Analyse im LKS Futtermittellabor, n=256). Es zeigen sich starken Schwankungen, der DCAB-Werte in Sauenfuttermitteln.

Abb. 1: DCAB-Werte [mEq/ kg TS) in Schweinemischfuttermitteln, n=256

 

Die DCAB setzt die Analyse der Mineralstoffe Na, K, Cl und S voraus und wird nach folgender Formel berechnet:

DCAB (mEq/ kg TS) = Na (g/ kg TS) x 43,5 + K (g/ kg TS) x 25,6 – Cl (g/ kg TS) x 28,2 – S (g/ kg TS) x 62,4

Ausgehend von den DCAB-Werten kann die Veränderung des Harn-pH’s wie folgt angenommen werden:

DCAB (mEq/kg TS)Harn-pH-Wert
+2006,9
+1006,5
06,2
-1005,9
-2005,7

Geht man davon aus, dass ein Harn-pH von < 6,5, besser 6,0 angestrebt werden sollte, zeigt sich, dass die DCAB des Sauenfutter bei max. + 100 mEq/ kg TS, besser im leicht negativen Bereich liegen sollte. Handelsübliche Sauenmischfutter weisen bedingt durch das Mineralstoffprofil der Einzelkomponenten eine DCAB von > 200 mEq/ kg TS auf. Dies macht den Einsatz von anionischen Zusätzen, welche systemisch azidierend wirken, notwendig (siehe unten).

Ein weiterer positiver Nebeneffekt von Rationen mit niedrigen DCABs ist der, der sich bei der geburtsvorbereitenden Fütterung von Milchrindern zur Prophylaxe der Gebärparese post partum zu Nutze gemacht wird und auch bei der Sau um den Abferkelzeitpunkt herum ein ähnliches Ergebnis erzielt: Durch niedrige DCAB’s in der Ration kommt es zu einer leichten metabolischen Azidierung und Ca wird forciert aus den Knochen mobilisiert. Dies wirkt einer Hypocalcämie der Muttersau bei Einsetzen der Milchproduktion post partum entgegen.

Ausgehend von diesen eine MMA-Erkrankung begünstigenden Faktoren sollten folgende Hinweise zur Fütterung hochtragender Sauen beachten werden:

Um eine starke Füllung des Magen-Darm-Traktes um den Geburtszeitraum herum zu vermeiden und somit das Risiko für Passagestörungen und Endotoxinabsorption zu minimieren, sollte 1-2 Tage ante partum die Futtermenge auf 1-2 kg/ Tag reduziert werden.

Die Umstellung auf ein Alleinfuttermittel für laktierende Sauen sollte erst ca. 5-7 Tage post partum erfolgen. Jede Futterumstellung birgt ein gewisses Stresspotential und bringt eine Verschiebung des Darmmikrobioms mit sich, so dass dieser Stressfaktor um den Geburtszeitraum herum möglichst vermieden werden sollte.

Um eine übermäßige Darmfüllung zu vermeiden und eine beschleunigte Darmpassage zu forcieren, hat sich auch der Einsatz laxierend wirkender Futterkomponenten bewährt. Hier können z.B. Weizenkleie (0,5 kg/ Tag) oder Glaubersalz (3 EL/ Tag) zum Einsatz kommen. Es ist besonders in diesem Fall immer unerlässlich, den freien Zugang zu einem ad libitum Wasserangebot zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang sind auch ausreichende Durchflussraten der Tränketechnik zu beachten. So sollten diese für hochtragenden Sauen bei 1,5-2 l/ Min liegen und im Abferkelabteil auf 3,5 l/ Min gesteigert werden.

Um pathogene Bakerienstämme im Darm zurückzudrängen und das physiologische Darmmikrobiom zu stärken, ist auch die Zulage von organischen Säuren (z.B. Ameisensäure) und Probiotika (Bakterienstämme wie Enterokokken oder Laktobazillen) sinnvoll.

Um das Risiko für Harnblasenentzündungen zu minimieren, ist der Einsatz Saurer Salze, die den Harn-pH-Wert absenken, ratsam. Hier kann z.B. Calciumchloid (CaCl2) in einer Dosierung von 15-20g/ Tier/ Tag zum Einsatz kommen. Der Harn-pH-Wert sollte sich unter der Supplementierung auf < 6,5 einstellen. Neben CaCl2 können auch Ammoniumchlorid (NH4Cl) oder die schwefelhaltige Aminosäure Methionin zur Azidierung eingesetzt werden.

Stand: April 2021

 

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