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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Futtermittel & Laboranalytik

Der Nahrungsmittel Konkurrenzfaktor - humen edible feed conversion efficiency (heFCE) - Teil II

Fortsetzung des Blogartikels Der Nahrungsmittel Konkurrenzfaktor - humen edible feed conversion efficiency (heFCE) - Teil I...

Tab. 3: Berechnung der Effizienz der Konvertierung von potentiellen Lebensmitteln (heFCE) am Beispiel des Rohproteins

FuttermittelMengeRohproteinFaktorheRohprotein
Grassilage12 kg TM160 g/kg TM0,00 g
Getreide6 kg TM130 g/kg TM0,7546 g
Summe:   546 g
erzeugte Milchmenge26 kg3,4%0,94831 g
heFCE-Protein   1,52

TM: Trockenmasse, Faktor 0,7 = 70% des Rohproteins im Futtermittel haben Nahrungsmittelcharakter, Faktor 0,0 = Rohprotein hat keinen Wert als Nahrungsmittel, Faktor 0,94 = 94% der erzeugten Milch kommt als Nahrung an (6% Verluste im Landwirtschaftsbetrieb und in der Molkerei), heRohprotein: lebensmitteltaugliches Protein

Grassilage: 6,4 MJ NEL/kg TM, 160 g/kg TM Rohprotein, Getreide: 8,4 MJ NEL/kg TM, 130 g/kg TM Rohprotein, 700 kg Lebendmasse, 3,4% Milcheiweiß, 4,0% Milchfett

Der Faktor für die Effizienz der Konvertierung (heFCE) von 1,52 ergibt sich aus der folgenden Rechnung: = 831 g Milchprotein/ 546 g nahrungsmitteltaugliches Protein aus der verfütterten Ration. Der in der Tabelle 3 berechnete Werte von 1,52 für die Konvertierungseffizienz von Lebensmitteln bedeutet, dass 52 % mehr essbares Eiweiß erzeugt als verfüttert wurde! Trotz Einsatz von Getreide in der Ration kommt es zu einem Zuwachs an essbarem Protein.

In Tabelle 4 sind die Spannweiten der Konvertierungseffizienz für verschiedene Lebensmittel tierischer Herkunft aufgeführt. Je nach Haltung und Fütterung kann es natürlich zu erheblichen Abweichungen kommen.

Wie deutlich zu sehen, ist die Erzeugung von essbarem Protein über die Tierarten Geflügel und Schwein in der Regel mit einer niedrigen Konvertierungseffizienz verbunden. Da die Werte häufig kleiner als 1 sind, heißt das, dass mehr Lebensmittel eingesetzt werden müssen als erzeugt werden. Geflügel (speziell Hühner) und Schweine sind eben direkte Nahrungsmittelkonkurrenten des Menschen und die Haltung und der Verzehr ein Zeichen des Wohlstandes. Ursprünglich wurden diese Tierarten gehalten um die noch lebensmitteltauglichen Abfälle (z. B. Küchenabfälle) welche der Mensch aus verschiedenen hygienischen, ästhetischen, technologischen, arbeitswirtschaftlich und anderen Gründen nicht mehr verwenden wollte zu verwerten um hochwertiges Protein (Eier, Fleisch) für die menschliche Ernährung zu erzeugen.

Es muss jedoch auch noch einmal betont werden, dass das Protein aus Eiern und Fleisch deutlich hochwertiger ist als das vieler Lebensmittel. Insofern muss bei der Haltung und Fütterung von Schweinen und Geflügel nicht nur der Nahrungsmittel-Konkurrenzgedanke sondern auch der Veredelungsaspekt gesehen werden. Wendet man den DIAAS-Score (Digestible indispensible amino acid score) auf verschiedene Nahrungsmittelgruppen an, so kommt man zu folgenden Einstufungen (Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, Merkblatt 10/2021):

  • Fleisch, Eier, Milch und Kartoffeln: > 100
  • Sojabohnen: ungefähr 100
  • Erbsen, Lupine: 75 bis < 100
  • Mais, Reis, Weizen, Hafer: < 75

Tab. 4: Vergleich der Konvertierungseffizienz verschiedener Lebensmittel tierischer Herkunft (Literaturauswertung, eigene Berechnungen)

ProduktKonvertierungseffizienz heFCE-Protein
Milch1,0-4,7
Rindfleisch0,7-1,3
Schweinefleisch0,3-0,5
Hühnerfleisch0,7-1,2
Eier0,4-0,7

Der Wiederkäuer (Schaf, Ziege, Rind, Büffel) ist hingegen kein direkter Nahrungsmittelkonkurrent des Menschen, da er in der Lage ist sich ausschließlich von nicht essbarer Biomasse zu ernähren. Aus diesem Grunde ist in Regionen mit sehr wenig Ackerland zur direkten Gewinnung von menschlicher Nahrung der Wiederkäuer ein wichtiger Pfeiler der menschlichen Ernährung. Im weiteren Sinne gilt dies auch für andere ausschließlich pflanzenfressende Tierarten wie Pferd und Kamel, welche jedoch global gesehen nicht die Bedeutung des Wiederkäuers erlangt haben.

In der Tabelle 5 wird exemplarisch für sechs verschiedene Rationstypen die Auswirkung auf die Konvertierungseffizienz (heFCE) dargestellt.

Wie deutlich zu erkennen, hat der Einsatz von Grassilagen (Rationen 3-5) und der Einsatz von Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung wie Rapsextraktionsschrot und Pressschnitzeln einen sehr positiven Effekt auf die Konvertierungseffizienz (Ration 2, 4, 5). Durch die Reduzierung von Getreide kann die Effizienz deutlich erhöht werden. Aber auch bei Einsatz von Getreide (Ration 1) kann eine gute Effizienz bei Protein erreicht werden (2,1). Der Wert 2,1 heißt, dass mehr als doppelt so viel essbares Protein erzeugt wie verfüttert wurde.

Sollte das Protein jedoch aus dem Anbau (einheimischer) Leguminosen stammen, verschlechtert sich die Konvertierungseffizienz deutlich (siehe Ration 6). Hier zeigt sich ein Zielkonflikt, welcher in zukünftigen Diskussionen geklärt werden muss. Der Anbau von Leguminosen ist aus Gründen der Fruchtfolge sinnvoll und wünschenswert. Er verbessert die Bodenfruchtbarkeit und ist aus ökologischer Sicht wertvoll. Außerdem kann damit die „Eiweißlücke“ verringert und der Import von Soja reduziert werden. Andererseits können Ackerbohne, Erbse, Lupine und Sojabohne direkt in die menschliche Ernährung gehen und bekommen einen hohen Faktor für den Anteil an potenziell essbarer Biomasse (Protein, Energie). Damit erhöhen sie den Anteil an essbarer Biomasse in der Ration.

Weiterhin wird bei der bisherigen Betrachtung nicht berücksichtigt, ob eine Futtermittelcharge von der Lebensmittelindustrie überhaupt benötigt und nachgefragt wird. Dies könnte eintreten, wenn die Charge keine Lebensmittelqualität (z. B. Backeigenschaft, Braueigenschaft) hat, keine Nachfrage danach besteht oder aus sonstigen Gründen nicht handelbar ist. Trotzdem werden diese Futtermittel wie Lebensmittel betrachtet. An diesem Punkt muss das System weiterentwickelt werden.

Im Rahmen einer Praktikumsarbeit in Zusammenarbeit mit der HTW Dresden werden aktuell die Daten mehrerer Landwirtschaftsbetriebe aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ausgewertet. Diese werden zu gegebener Zeit vorgestellt.  

Das hier vorgestellte System hat das Potenzial die aktuellen Diskussionen um Klimaerwärmung, Ressourcenverbrauch, Nahrungsmittelsicherheit und Nachhaltigkeit mit konkreten Zahlen zu bereichern. Nachweisbare Fakten sind die Grundlage einer vernünftigen und zielführenden Diskussion und ein Gegenmittel zu Halbwahrheiten, Vermutungen und „fake news“.

Tab. 5: Einfluss des Rationstyps auf die Konvertierungseffizienz für Protein (heFCE-Protein) und Energie (heFCE-Energie)

 123456
Grassilage (früher Schnitt)15,015,040,040,040,010,0
Maissilage (kolbenreich)25,025,0   30,0
Körnermais  2,0  0,7
Getreide (ohne Hafer)4,01,85,04,73,0 
Pressschnitzel 10,0 10,017,08,0
Rapsextratkionsschrot4,04,01,01,01,02,0
Sojabohnen (getoastet)     1,5
Ackerbohnen     2,0
       
kg TM/Tier und Tag21,121,321,121,221,321,2
kg Milch aus Energie33,433,332,932,632,234,8
kg Milch aus Protein33,833,434,034,033,533,7
Rohprotein (g/kg TM)161158162161159160
Zucker+Stärke (g/kg TM)305245233169125281
       
heFCE - Protein2,13,22,02,84,3 !0,9
heFCE - Energie0,81,01,21,92,9 !0,7

700 kg Lebendmasse, 3,4% Eiweiß, 4,0 % Fett, TM: Trockenmasse

 

Stand: Januar 2023

 

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