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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Pferd

Erkrankungen der Atemwege bei Pferden

Vor allem Pferde, die große Teile des Tages in Boxen bzw. in Innenstallhaltung verbringen, zeigen mit zunehmender Häufigkeit Atemwegsprobleme wie Husten, Nasenausfluss bis hin zur Leistungseinschränkung. Zwar kann diese Symptomatik auch infektiös verursacht sein, jedoch steckt in den meisten Fällen eine individuelle Prädisposition verbunden mit einem erhöhten Anteil partikulärer Elemente in der Stallluft dahinter. Diese stammen aus der Einstreu oder dem Futter. Während größere Staubpartikel (> 5 µm) bereits in den oberen Atemwegen (v.a. im Nasenrachenraum, tlw. aber auch erst in den großen Bronchien) abgefangen werden, gelangen Partikel < 5 µm bis in die Lungenalveolen. In einer Studie wurde gezeigt, dass die Staubbelastung vor allem beim Entmisten, teils aber auch zu den Fütterungszeiten erhöht ist. Die gröberen Staubpartikel bestehen dabei zumeist aus feinem Blattmaterial (auch von Samen oder Blüten) oder Futtermilben (300 – 600 µm). Kleinere Partikel können Infektionserreger wie Schimmelpilze (bzw. deren Toxine) und Bakterien sein.

Ein weiteres atemwegsreizendes Agens ist Ammoniak in der Stallluft. Es sollte daher zum einen auf eine gutes Hygieneregime im Stall geachtet werden. Zudem sollte Protein nicht deutlich bedarfsüberschreitend angeboten werden, um die Bildung von Harnstoff und letztendlich Ammoniak über den Harn nicht zusätzlich zu stimulieren.

Wie bereits erwähnt, scheint bezüglich der Reaktion auf eine solche Staubbelastung eine individuelle Prädisposition zu bestehen, da i.d.R. auch bei gleichem Fütterungs- und Haltungsmanagement selten alle Tiere eines Stalls betroffen sind und sich auch in klinischen Studien eine Atemwegsproblematik nicht durch die Nachbildung begünstigender Faktoren rekonstruieren ließ. Vielmehr scheint es auf die Immunlage (lokale wie systemische Abwehrmechanismen) des Einzeltieres anzukommen.

Die reine Atemwegsbelastung über eine zu starke Staubbelastung ist von einer allergischen Reaktion zu unterscheiden. Bei letzterer reagieren betroffene Pferde bereits auf kleinste Mengen des auslösenden Agens (Futterstaubpartikel o.ä.) mit Husten und einer erhöhten Atemfrequenz, v.a. direkt während der Fütterung. Eine deutliche Besserung der klinischen Symptomatik wird hier bei 24-stündiger Weidehaltung erreicht. Ist die haltungstechnisch nicht möglich, sollten als Einstreu anstatt Stroh gereinigte Späne oder Torf zum Einsatz kommen und anstatt Heu ggf. Heulage oder Grassilage verfüttert werden - in diesem Zusammenhang ist aber der höhere Protein- und Energiegehalt dieses Raufutters zu beachten. Bei adipösen Tieren ist hier das Wässern von Heu zur Staubbindung die bessere Alternative (Was bringt das wässern von Heu beim Pferd?). Wird das Heu nur ca. 10 Minuten vollständig in ein ausreichend tiefes Wasserbad eingetaucht, werden hier die Schmutzpartikel gebunden, es kommt jedoch nicht zum Verlust von Mineralstoffen und wasserlöslichen Kohlenhydraten. Das Wasser ist unbedingt nach jedem „Heubad“ zu entsorgen. Alternativ kann auch ein kommerziell erhältlicher Heubedampfer (Haysteamer) eingesetzt werden, der gute Effekte in der Keimreduzierung erzielt.

In Zusammenhang mit der Raufutterfütterung muss auch unbedingt dessen mikrobiologische Qualität beachtet werden. So sollten schimmelpilzbelastete Chargen bei lungenkranken Pferden noch rigoroser von der Verfütterung ausgeschlossen werden wie bei gesunden Tieren. Bei Zweifeln am mikrobiologischen Status des Raufutters sei hier auf die Möglichkeit einer mikrobiologischen Untersuchung verwiesen. In der folgenden Grafik sind die Ergebnisse der Untersuchung auf Bakterien, Schimmelpilze und Hefen der letzten Jahre zusammengefasst:

Abb. 1: Mikrobiologische Belastung von Heuproben (analysiert im LKS Labor in den Jahren 2019-2022)

Heu der Qualitätsstufe 1 ist mikrobiologisch einwandfrei und gut zur Verfütterung geeignet. Die Qualitätsstufe 4 hingegen deutet auf einen Verderb hin, dieses Heu sollte nicht mehr verfüttert werden – es ist stark mit Bakterien und/oder Schimmelpilzen belastet und kann neben anderen klinischen Symptomen auch eine Atemwegsproblematik hervorrufen.

Als weitere diätetische Maßnahmen kommen die Folgenden infrage:

  • Kraftfutter sollte möglichst in pelletierter Form angeboten werden. Diese staubt wesentlich weniger als Konfektionen in Flockenform. Zur zusätzlichen Staubbindung kann Pflanzenöl eingesetzt werden (ca. 2% der Ration).
  • Die Zulage von Omega-3-Fettsäuren hat einen entzündungshemmenden und immunmodulatorischen Effekt und konnte die Zahl der Leukozyten in der bronchoalveolären Flüssigkeit bei chronisch lungenkranken Pferden reduzieren. Daher ist z.B. eine Zulage von Fischöl bei betroffenen Tieren als sinnvoll zu erachten.
  • Die Versorgung mit Vitamin A als wichtigem Vitamin zum Epithelschutz und somit auch dem Schutz der Atemschleimhäute sollte ausreichend sein. Allerdings ist zu bemerken, dass die Vorläuferstufe des Vit. A – ß-Carotin – zumeist in hohen Mengen in frischem Grünfutter und „grünem“ Heu enthalten ist. Nur bei einer Fütterung von stark ausgeblichenem (lange unter Sonneneinstrahlung getrocknetem) Heu und einer nicht adäquaten Ergänzung von Vit. A über Misch- oder vitaminisierte Mineralfutter kann es hier zu einer Unterversorgung kommen.
  • Ein antioxidativer Schutz kann über den Zusatz von Selen und den Vitaminen E und C erreicht werden. Sie haben einen positiven Effekt auf Funktionalität des Immunsystems. Gerade bei Selen sei aber darauf hingewiesen, dass auch eine Überversorgung zu vermeiden ist (chronische Se-Intoxikation bei Gehalten ab 2 mg/ kg Futter-TS), welche zu Schäden am Hufhorn und der Fellqualität führen kann.
  • Bei starker Sekretbildung ist es sinnvoll, das Futter bodennah anzubieten, da so der Sekretabfluss stimuliert wird.

 

Stand: Juni 2022

 

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