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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Pferd

Freies Kotwasser beim Pferd

Freies Kotwasser stellt ein häufiges Problem dar und wird meist vorwiegend als „kosmetisches“ Problem wahrgenommen. Die betroffenen Tiere setzen hierbei geformte Kotballen ab – auf diese folgt dann nicht kotgebundenes Wasser, welches die Anogenitalregion beschmutzt. Dies kann bei starker Ausprägung jedoch auch zu Dermatitiden und v.a. in den Sommermonaten zu einem Befall mit Ektoparasiten (Fliegenmaden u.ä.) führen. Direkte gesundheitliche Auswirkungen auf die betroffenen Pferde wurden bislang nicht nachgewiesen.

Wasser im Verdauungstrakt ist entweder intrazellulär gebunden, haftet der Oberfläche der Futterpartikel an oder liegt frei im Chymus vor. Das letztgenannte freie Wasser wird im Dickdarm absorbiert – die Rate liegt hierbei zwischen 75% bei stark rohfaserreichen, strukturhaltigen Futtermitteln (überständiges Heu, Stroh etc.) und rund 95% bei der Aufnahme von Mischfuttermitteln. Auffällig ist jedoch, dass eine individuelle Prädisposition vorzuliegen scheint, da bei gleichem Fütterungsregime immer nur Einzeltiere das Phänomen des freien Kotwassers zeigen. Häufig steigt unter Verfütterung von Silage oder Heulage das Risiko an, während die Umstellung auf Heu als Raufutterquelle meist eine Besserung der Symptome mit sich bringt. Beim Vergleich der Trockensubstanzgehalte im Kot zwischen Heu- und Silagefütterung fielen bei letzterer erniedrigte Trockensubstanzgehalte auf, welche auf erhöhte Mengen ungebundenen Wassers schließen lassen. Dies kann damit zu begründen sein, dass unter Silagefütterung deutlich gröbere Futterpartikel im Dickdarminhalt zu finden sind, welche das Wasser schlechter binden. Zudem wurde vermutet, dass bei betroffenen Tieren die Wasserresorptionsfähigkeit im Colon durch entzündliche Prozesse der Darmschleimhaut reduziert ist. Diese These konnte aber bislang nicht abschließend bewiesen werden.

Aber auch unter reiner Heufütterung wird das Phänomen des freien Kotwassers beobachtet. Hierbei treten die Probleme vor allem auf, wenn ein 2. oder späterer Schnitt verfüttert wird. Bei betroffenen Tieren konnten auch hier im Kot unzureichend zerkleinerte Partikel gefunden werden, die wiederum zu einer zu geringen Wasserbindung führen.

In Zusammenhang mit einer zu geringen Zerkleinerung der Futterpartikel sollte auch immer eine Kontrolle des Zahnstatus erfolgen. Hier sollten nicht nur die Backenzähne, sondern auch die Schneide- und Eckzähne auf Funktionsstörungen hin überprüft werden sowie evtl. entzündliche Veränderungen in der Maulhöhle ausgeschlossen werden.

Am seltensten zeigen Pferde bei reiner Weidehaltung und damit verbundener Aufnahme von Frischgras freies Kotwasser. Dies kann damit in Verbindung stehen, dass im Gras bereits hohe Mengen Wasser intrazellulär gebunden sind und somit keine größeren Mengen „freien“, also ungebundenen Wassers im Darmlumen vorliegen.

In letzter Zeit rückte auch eine mögliche Verschiebung des Darm-Mikrobioms in den Vordergrund. 

Auffällig ist auch, dass betroffene Pferde häufig erhöhte Sandgehalte im Kot aufweisen. Daher sollte darauf geachtet werden, dass diese Tiere kein verschmutztes Futter (evtl. Analyse auf HCl-unlösliche Rohasche hilfreich) fressen bzw. auf dem Sandpaddock keine Einstreu aufnehmen.

Ergänzend zu diesen fütterungsbedingten Ursachen sollten auch Stressfaktoren im aktuellen Haltungsmanagement hinterfragt werden. Diese können mannigfaltig sein und von Rangordnungsproblemen innerhalb der Herde (rangniedere Tiere sollen signifikant häufiger betroffen sein) über ungenügende Bewegungsmöglichkeiten bis hin zu psychischer Belastung (Überforderung im Training, stressige Haltungsbedingungen etc.) reichen.

Mögliche Risikofaktoren

  • Fütterung von Silage und Heulage
  • Stress (rangniedere Tiere)
  • unzureichende Futterzerkleinerung (Zahnprobleme)
  • Störung im Darmmikrobiom, evtl. mit mangelhafter hygienischer Qualität des Raufutters

Fütterungsmaßnahmen: 

Erhalten betroffene Pferde bisher Silage, sollte die Raufutterversorgung auf ein Heu eines 1. Schnittes umgestellt werden. Da der Absatz freien Kotwassers vor allem unter einer ad libitum Fütterung beobachtet wird, ist es hier sinnvoll, das Heuangebot zu rationieren, d.h. mehrere bedarfsangepasste Rationen über den Tag hinweg anzubieten. Aber auch längere, z.B. nächtliche Fütterungspausen scheinen ungünstig zu sein. Daher ist das Angebot kleiner Portionen über einen Futterautomaten als Optimum anzusehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt zur Prophylaxe besteht in der Stabilisierung des Mikrobioms. Hierbei können präbiotisch wirksame Futtermittel zum Einsatz kommen wie pektinreiche Rübentrockenschnitzel (200 g/ 100kg KM) oder Trockenbierhefe (50 g/ 100 kg KM)

.Zudem kann die Zugabe spezieller Ergänzungsfuttermittel, die die Eigenschaft haben, freies Wasser zu binden (mittels sog. Hydrokolloide) sinnvoll sein. Auch dazu zählen z.B. Pektine oder Flohsamenschalen. Bei der Verfütterung dieser ist jedoch unbedingt darauf zu achten, sie vor dem Einsatz ausreichend in Wasser quellen zu lassen, um keine Verstopfungskolik zu riskieren.

Maßnahmen

  • Ersatz von Heulage durch Heu, kein ad libitum-Angebot (rationiert mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt)
  • Mikrobiologische Qualität des Raufutters abklären lassen
  • Zugabe präbiotisch wirksamer Substanzen und von Hydrokolloiden
  • Zahnkontrolle (Schneide- und Backenzähne)
  • Stressreduzierung – v.a. für rangniedere Tiere ausreichend Platz und Tier-Fressplatzverhältnis von 1:1

In einer Studie der LMU München zeigte sich, dass rangniedere Tiere überdurchschnittlich häufig betroffen waren. Frau Prof. Kienzle fasste das Problem folgendermaßen zusammen: „Das Risiko, ein Kotwasserproblem zu entwickeln, ist bei Schlusslichtern in der Herde 17,9-fach höher als bei ranghohen Tieren.“ Dieser Faktor sollte unbedingt beim Haltungsmanagement berücksichtigt werden und die Tiergruppen sollten entsprechend zusammengestellt werden.

Trotz verschiedener Faktoren wie Optimierung der Fütterung, Stressreduzierung und Kontrolle des Zahnstatus setzen manche betroffenen Pferde weiterhin chronisch freies Kotwasser ab. Die Gründe dafür sind abschließend noch nicht vollständig geklärt.

Stand: April 2022

 

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