Kopfgrafik Blog Fütterungsberater

Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

Blogbeitrag
LKVBlogFütterungsberater
Geflügel

Gründe für eine Beeinträchtigung der Eiqualität

Beeinträchtigungen in der Qualität der gelegten Eier können sich in Größe und Gewicht, in der Stabilität und dem Verschmutzungsgrad der Eischale oder in der Sensorik des Eies selbst (Geruch, Geschmack, Farbe) darstellen. Der folgende Artikel soll die vielfältigen Ursachen für diese Abweichungen betrachten.

Das wohl stärkste Augenmerk liegt in diesem Zusammenhang auf einer adäquaten Eigröße bzw. einem adäquaten Eigewicht. Beeinträchtigungen in diesen Parametern können mit einem zu geringen Gewicht der Henne zu Legebeginn begründet sein. Befindet sich die Henne bereits in der Legeperiode und nehmen plötzlich Eigröße und -gewicht ab, kann dies durch einen Energiemangel (zu geringer Energiegehalt im Futter oder reduzierte Futteraufnahme), einen Mangel an den essentiellen Aminosäuren Met, Cys oder Lys oder zu hohen Umgebungstemperaturen (besonders gravierender Einfluss bei gleichzeitigem Wassermangel) hervorgerufen werden.

In Hinblick auf die Farbe des Eidotters differieren die Verbraucherwünsche regional stark. Während im mitteleuropäischen Raum dem sattgelben bis orangefarbenem Dotter der Vorzug gegeben wird, möchte der Brite sein Eigelb am liebsten hell zitronengelb. Diese Farbvariationen hängen vom Carotingehalt im Futter ab und lassen keine Rückschlüsse auf das Nährstoffprofil des Eies oder gar dessen Qualität zu. Über die Zulage pflanzlicher oder synthetischer Pigmentträger lässt sich die Dotterfarbe jedoch beeinflussen. Während Lutein oder Zeaxanthin (aus dem Mais) eine deutlich gelbe Färbung hervorrufen, sorgt die Supplementierung von Farbpigmenten aus Paprika oder Tagetesblüten für eine Verschiebung in orange-rote Richtung. Aber auch die antinutritiven Faktoren einiger Futterkomponenten können eine Farbveränderung des Dotters hervorrufen. So sorgt die Aufnahme großer Mengen Baumwollsaat mit dem darin enthaltenen Gossypol für eine Grünfärbung des Dotters; fleckige Farbumschläge werden bei der Fütterung großer Mengen Ackerbohnen und der darin enthaltenen Tannine beobachtet.

Die Schalenstabilität wird von Seite der Fütterung maßgeblich von einem bedarfsdeckenden Calciumgehalt in der Ration bestimmt. Pro Tag werden rund 2g Ca allein für eine ausreichend harte Eischale benötigt! In Alleinfuttermitteln für Legehennen sind daher Ca-Gehalte von ca. 3,5 % zu gewährleisten. Ideal ist hierbei ein langsam verfügbares Calcium – die Verweildauer im Muskelmagen und somit langsamere Freisetzung kann auch durch die Zulage von grobem Grit begünstigt werden. Dieser sollte vor allem in der Abendfütterung zugesetzt werden, da über 2/3 der Eischale während der nächtlichen Ruhephase gebildet werden.

Neben einer nicht bedarfsdeckenden Versorgung mit Calcium kann auch eine metabolische Azidose (z. B. bei > 2g Cl/kg Alleinfutter) zu einer forcieren Ca-Mobilisierung aus Knochen und Eischale führen. Ebenso Erkrankungen wie das Egg Drop Syndrome oder die infektiöse Bursitis. Zudem nimmt mit zunehmendem Alter die Schalenstabilität ab, da das Ca-Resorptions- und Verwertungsvermögen sinkt. Auch Hitzestress kann durch verstärktes Hecheln und die damit einhergehende verstärkte Abgabe von CO2 zu brüchigeren Schalen führen. Die CO2-Konzentration im Blut sinkt, was zu einem Anstieg des Blut-pH-Wertes führt. Dies schränkt die Verfügbarkeit von Ca wie auch Karbonat ein, die Eischale wird „weicher“, da weniger Kalk zur Einlagerung zur Verfügung steht. Die optimale Temperatur im Legehennenstall liegt daher zwischen 18 und 22 °C. Auch hier sei nochmals auf eine ausreichende Wasserversorgung zum Ausgleich evtl. zu hoher Temperaturen hingewiesen! Bei Freilandhaltung sollte auf ausreichende Schattenplätze geachtet werden.

Während die Farbe der Eischale genetisch determiniert ist (braune Eier haben meist aber eine höhere Bruchfestigkeit als weiße), kann die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf die Sauberkeit der Schalen nehmen. In diesem Zusammenhang sollten vor allem die fütterungsbedingten Einflüsse auf das wet litter Syndrom genannt werden. Diese wurden in einem vorangegangene Blogartikel bereits näher betrachtet: Das wet litter-Syndrom bei Nutzgeflügel

Auch der Geschmack des Eies unterliegt nicht unerheblichen exogenen Einflüssen. Oxidierte („ranzig gewordene“) Futterfette führen zu einem ebensolchen Geschmack der Eier. Wird in der Ration Fischmehl eingesetzt und liegt der Anteil über 1%, kann dies zu einem fischigen Geschmack der Eier führen. Ein ebensolcher Geschmack kann aber auch durch die Fütterung von Raps bei Tainter-Hennen hervorgerufen werden. Das im Raps enthaltene Sinapin (auch in 00-Raps enthalten!) hemmt den Abbau von Trimethylamin (TMA), welches einen fischigen Geruch und Geschmack der Eier hervorruft.

Auch in Hinblick auf das Nährstoffprofil des Lebensmittels Ei kann die Fütterung einiges tun. So hat die Fettsäurezusammensetzung des Futterfettes einen direkten Einfluss auf die Lipidzusammensetzung des Dotters. Diesen Effekt macht man sich in der Produktion sogenannter „Omega-3-Eier“ zunutze (Fütterung Alpha-Linolensäure-haltiger Futtermittel wie Leinsaaten oder -öle). Das Aminosäuremuster des Eies hingegen ist genetisch bedingt und lässt sich nicht durch die Rationszusammenstellung beeinflussen. Vitamine wie die der B-Gruppe, aber auch Vit. A, E und D sowie Spurenelemente wie Jod, Mangan, Selen und Zink gehen hingegen ins Ei über und deren Konzentrationen im Ei können über gesteigerte Futterzulagen erhöht werden.

 

Stand: Juni 2022

 

Download

 

Zurück

Inhalt Seiteneigenschaft amPageNavType: ""

Inhalt Seiteneigenschaft amPageFreeProperty: ""

Inhalt Seiteneigenschaft amPagesExample: ""