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Der Fütterungsberater

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Kleintier

Wie viel darfs denn sein, wieviel ist zu viel? – Zur Wasseraufnahme des Hundes

Den Wasserbedarf des Hundes und damit eine Empfehlung für die täglich notwendige Wasseraufnahme ist schwer zu standardisieren. Zu viele Faktoren beeinflussen den Momentbedarf an Wasser. Die absolut benötigte Tränkwassermenge ergibt sich aus der Differenz der Wasserverluste – über Harn und Kot, Atmung und geringen Schweißverlusten – und der über das Futter aufgenommenen Wassermenge. Schon in Hinblick auf die sehr unterschiedlichen Fütterungsregime – Trockenfutter, eingeweichtes Trockenfutter, Feuchtfutter, selbst zubereitete Rationen ggf. unter Zusatz von Kochwasser – ist es daher nicht möglich, eine klar definierte Menge der empfohlenen Wasseraufnahme festzulegen. Daher können die folgenden Spannweiten empfohlen werden:

Tab.1: Täglicher Tränkwasserbedarf in ml/ kg KM

 UmgebungstemperaturTrockenfutterFeuchtfutter
normale körperliche Aktivität< 20 °C45-505-10
> 20 °C50-10020-50
erhöhte körperliche Aktivität< 20 °Cbis 100bis 50
> 20 °Cbis 150bis 100

Bei erhöhter Umgebungstemperatur und erhöhter körperlicher Aktivität steigt der Wasserbedarf deutlich an. Einen deutlichen Einfluss hat zudem die Fütterungsart. Während Trockenfutter nur etwa 10% Restfeuchtigkeit aufweist, beinhaltet Feuchtfutter je nach Herstellungsart zwischen 60-85%, meist durchschnittlich um die 75%. Das folgende Rationsbeispiel soll hierbei die Unterschiede in der Wasseraufnahme bie diesen beiden unterschiedlichen Futterkonfektionierungen verdeutlichen:
Ein 20 kg schwerer Hund (adult, normal aktiv) benötigt etwa 4,3 MJ ME pro Tag. Durchschnittliche Feuchtfutter haben einen Energiegehalt von ~ 0,5 MJ ME/ 100g, durchschnittliche Trockenfutter von ~ 1,5 MJ ME/ 100g. Um seinen Energiebedarf zu decken, frisst dieser Beispielhund somit pro Tag entweder 800g Feuchtfutter oder 150g Trockenfutter.

Über 800g Feuchtfutter nimmt er somit ca. 600ml Wasser auf, über die 150g Trockenfutter nur etwa 15ml. Daher ist es als durchaus normal zu betrachten, dass Hunde, die nur Feuchtfutter erhalten, bei kalter Witterung und geringer körperlicher Aktivität manchmal kaum noch Tränkwasser aufnehmen, während Hunde, die Trockenfutter fressen, das Wasserdefizit durch de zusätzliche Aufnahme von Tränkwasser ausgleichen. Unbeachtet dieser Tatsache sollte beiden Gruppen aber immer frisches Wasser uneingeschränkt zur Verfügung stehen!

Fällt bei dem eigenen Hund ein deutlich verändertes Trinkverhalten auf, sollte dies als erster Warnhinweis genommen werden, um Krankheiten, die damit assoziiert sein können, auf den Grund zu gehen. Die bekannteste mit erhöhter Wasseraufnahme assoziierte Erkrankung ist bei Mensch und Tier gleichermaßen Diabetes mellitus. Durch die Regulationsstörung des Blutzuckerspiegels wird viel Glukose mit dem Harn ausgeschieden. Dieser hohe Zuckeranteil zieht osmotisch Wasser mit sich, so dass die Harnmenge deutlich erhöht ist, was mit vermehrtem Trinken auszugleichen versucht wird. Als weitere Diabetes-Form gibt es auch den Diabetes insipidus. Hierbei handelt es sich um eine hormonelle Störung, die das Hormon ADH betrifft, welches normalerweise die Wasserrückresorption in den Nieren reguliert. Bei einem Mangel werden daher hohe Mengen unverdünnten Harns ausgeschieden, was ebenfalls ein vermehrte Durstgefühl induziert. Obwohl beide Erkrankungen ähnlich heißen, ist ihre Ursache und somit auch die Therapie eine gänzlich andere.
 

Eine weitere Erkrankung, die mit überhöhter Wasseraufnahme einhergeht, ist Morbus Cushing. Hier kommt es durch einen meist gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse oder Nebenniere, zu einer deutlichen gesteigerten Cortisolproduktion. Dies führt zu einem deutlich vermehrten Harnabsatz, viele Tiere verlieren hier auch im Schlaf unkontrolliert Harn oder sind plötzlich nicht mehr stubenrein. Auch hier werden im Ausgleich dazu sehr hohe Mengen Wasser aufgenommen. Zusätzlich zeigen die Tiere eine dünne, pergamentartige Haut, „Stammfettsucht“ und verlieren Muskelmasse. Ein solches klinisches Bild kann sich aber auch bei Patienten zeigen, die zur Immunsuppression hohe Mengen Cortison einnehmen müssen.

Bei Besitzern intakter Hündinnen ist eine plötzlich erhöhte Wasseraufnahme (auch hier in Kombination mit hohem Harnabsatz) nach der letzten Läufigkeit ein gefürchtetes Symptom, kann es doch auf eine Gebärmutterentzündung (Pyometra) hindeuten. Im Zweifelsfall sollte man hier lieber einmal zu viel als einmal zu wenig einen Ultraschall durchführen lassen. Dies hilft, diese Erkrankung, die unbehandelt zum Notfall werden und zum Tod der Hündin führen kann, frühzeitig zu erkennen.

Als letztes sei noch auf den „Psychogenen Wassertrinker“ hingewiesen. Manche Hunde versuchen, mentalen Stress durch eine abnormal erhöhte Wasseraufnahme zu kompensieren. Hier sollten zuerst organische Ursachen ausgeschlossen werden und im zweiten Schritt eine Verhaltenstherapie erfolgen.

 

Stand: Dezember 2023

 

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