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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Trocken- oder Feuchtfutter? - Die Qual der Wahl

Bei einer schier unendlichen Auswahl verschiedenster kommerzieller Alleinfuttermittel stellt sich vielen Tierhaltern die Frage, ob sie Trocken- oder Feuchtfutter füttern sollen. Grundsätzlich gibt es hier keine Schwarz-Weiß-Entscheidung, da auch jedes Tier die Wahl mit der individuellen Verträglichkeit quittiert. Doch kann man die Vor- und Nachteile der beiden Fütterungsformen für sich gegeneinander abwägen.

Trockenfutter zeichnen sich durch eine geringen Restfeuchtegehalt von 10-15 % aus. Dementsprechend konzentriert ist der Nährstoffgehalt, was sich im Vergleich zu Feuchtfutter in deutlich geringeren täglichen Futtermengen niederschlägt. Dies kann in Hinblick auf die Vorratshaltung und das Fressverhalten schwerfuttriger Hunde als günstig zu bewerten sein. Durch den geringen Wassergehalt ist zudem eine stabile Haltbarkeit auch nach Öffnen der Originalverpackung gegeben. In diesem Zusammenhang ist jedoch ein möglicher Befall mit Futtermilben zu erwähnen. Diese setzen sich bei nicht vollständig abgeschlossener Lagerung gerne in Trockenfutter fest und sind vor allem bei Allergiepatienten zu beachten.
In Hinblick auf die Inhaltsstoffe gibt es je nach Hersteller (bzw. dessen “Ernährungskonzept“) eine große Bandbreite. Zumeist bestehen Trockenfutter aus Getreide oder anderen Kohlenhydratquellen sowie tierischen und/oder pflanzlichen Proteinträgern. Mengenmäßig überwiegen hier in der Regel die Kohlenhydratträger mit ~ 40 %; Proteinträger nehmen in den Rezepturen ~ 30 % ein (Vorsicht: teilweise verwirrende Angabe der Einzelkomponenten mit Unterscheidung zwischen “Frischfleisch“ (hoher Wasseranteil) und “Fleischmehl“ (Wasseranteil nur ~ 10 %). Die Restmenge stellt sich mit pflanzlichen Faserquellen und Vitamin-/ Mineralstoff-Trägern dar.
Die übliche Textur sind Extrudate, welche mit hohen Temperaturen und hohem Druck in Form gepresst werden. Diese Bearbeitung erhöht gleichzeitig die Verdaulichkeit. Alternativ dazu werden auch pelletierte oder flockierte Produkte angeboten. Eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Konzeptionierungsformen können Sie HIER nachlesen.

Die Verdaulichkeit ist abhängig von den verwendeten Einzelkomponenten, liegt aber zumeist zwischen 85-90 %. Bei durchschnittlich konzipierten Produkten werden Energiegehalte von ~ 1,5 MJ ME/ 100g erreicht. Die Proteingehalte liegen zwischen 18-30 %, wobei ein moderates Mittel zwischen 20-25 % Rp für den Erhaltungsbedarf als ideal angesehen werden kann. Die Fettgehalte liegen ca. bei 10-15 %. Fettgehalte unter 10 % sind meist mit einer speziellen Indikation – Futtermittel für ältere Tiere, Adipositas- oder Pankreatitis-Diäten – verbunden. Um die Versorgung mit essenziellen Fettsäuren sicherzustellen, sollte ein Mindestfettgehalt von 5 % Rfe nicht unterschritten werden. Die Rohaschegehalte (= anorganische Komponenten wie Mineralstoffe) liegen i.d.R. zwischen 4 – 8% (Werte über 8% sollten vermieden werden), die Rohfasergehalte ~ bis 5 %. Höhere Rfa-Gehalte können diätetisch begründet sein und senken den Gesamtenergiegehalt des Futters.
Der vieldiskutierte Vorteil von Trockenfutter für die Zahngesundheit (aufgrund der härteren Konsistenz und des damit verbundenen mechanischen Reinigungseffekts) ist nicht bestätigt. Für einen mechanischen Abrieb ist Trockenfutter zu weich, zumal es direkt nach der Aufnahme eingespeichelt wird. Eine plaquevorbeugende Wirkung kann vielmehr auf chemischen Weg (durch die Zugabe spezieller calciumbindender Polyphosphate) erzielt werden.

Feuchtfutter weisen meist einen Feuchtegehalt von 70 bis > 80 % auf. Unter den Einzelkomponenten nehmen Fleisch und tierische Nebenprodukte i.d.R. den höchsten Anteil ein. In geringeren Anteilen sind Kohlenhydrat- und Faserquellen enthalten. Der hohe Anteil an Proteinträgern – häufig tierische Nebenprodukte mit einer schlechteren Verdaulichkeit – kann bei einigen Hunden (v.a. großen Rassen) zu Verdauungsproblemen wie Flatulenzen oder einer weichen Kotqualität führen. In diesen Fällen kann es helfen, das Feuchtfutter um eine Faserquelle zu ergänzen (z.B. eingeweichte Möhrenpellets). Die Akzeptanz ist gerade bei mäkeligen Hunden in der Regel besser als bei der Fütterung von Trockenfutter.
Ein Nachteil von Feuchtfutter ist die geringere Haltbarkeit nach dem Öffnen der Dose (bzw. des Pouches oder Tetrapaks). Im Kühlschrank kann diese 1-2 Tage aufgehoben werden, was bei kleinen Futtermengen bei gleichzeitig hoher Verpackungsgröße zu beachten ist. Hier kann auch das Einfrieren angebrochenen Inhalts eine Alternative darstellen. Bei verschlossenen Konserven sollte auf ein Aufblähen bzw. starke Zerbeulung geachtet werden. Dies kann auf eine nicht ausreichende Sterilisierung während des Produktionsprozesses hindeuten. Hier ist beim Öffnen die sensorische Qualität besonders zu überprüfen. Produkte, die sauer, muffig oder anderweitig verdorben riechen, sollten entsorgt werden. Eine Entmischung und damit einhergehende Separierung von Fett oder Gelee am Dosendeckel oder -boden kann hingegen produktionsbedingt sein und ist nicht als fütterungsuntauglich zu bewerten.

Beim Vergleich der Nährstoffgehalte zwischen Trocken- und Feuchtfutter sollten diese immer auf den Trockensubstanzgehalt heruntergerechnet werden. Das folgende Rechenbeispiel soll das verdeutlichen:

Trockenfutter mit 22 % Rp vs Feuchtfutter mit 9% Rp
=> auf den ersten Blick erscheint das Trockenfutter proteinreicher (was unter verschiedenen diätetischen Aspekten von Interesse sein kann)
=> ein Bezug der beiden Rp-Werte auf die TS zeigt jedoch ein anderes Bild:
TF, 22 % Rp und 88 % TSNF, 9% RP und 23 % TS

22/88 = x/100
x = 25
Das heißt: 25 % Rp auf 100 % TS

9/23 = x/100
x = 39
Das heißt: 39 % Rp auf 100 % TS
Somit hat das Feuchtfutter auf die Gesamtaufnahme bezogen einen deutlich höheren Proteingehalt als das Trockenfutter.

Zunehmend häufiger findet man auch sogenannte “Soft“-Futter im Sortiment. Diese sind grundsätzlich wie Trockenfutter konzipiert, weisen aber einen höheren Feuchtegehalt (~ 15-20 %) auf. Sie zeichnen sich durch einen intensiven Geruch und eine damit einhergehende gute Akzeptanz aus. Zudem verändern unter Zugabe von Wasser ihre Konsistenz nicht (Trockenfutter quellen zumeist auf oder zerfallen). Durch den erhöhten Feuchtegehalt sind sie jedoch verderbsanfälliger, was den Zusatz von Konservierungsstoffen (z.B. Propylenglykol, Zucker, Säuren, …) notwendig macht. Trotzdem sollte man nach Anbruch der Verpackung hier besonders intensiv auf Schimmelbildung achten. Durch den höheren Feuchtegehalt sind die Inhaltsstoffe und der Energiegehalt im Vergleich zu Trockenfuttern meist um ~ 10 % niedriger zu bewerten.

Stand: Juli 2026

 

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