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Futtermittel & Laboranalytik

Ergebnisse der Grassilage Ernte 2023

Der erste Schnitt der Grassilageernte 2023 ist abgeschlossen und wird bereits verfüttert.

Die durchgeführten Analysen der Grassilagen des 1. Schnittes lassen folgende Rückschlüsse auf die Qualität zu.

Tab.1 Futterwert der Grassilagen 1. Aufwuchs

Jahr 201820192020202120222023
Trockensubstanz % 36,733,538,333,135,732,3
NELMJ/TM6,26,26,56,06,26,1
nutzbares Rohproteing/TM140138141134137137
rNBg/TM+3,3+1,0+1,3+0,5+1,6+2,3
Rohproteing/TM161145150137147151
Proteinlöslichkeit% Rpr616264656465
UDP (über Fraktionierung)% Rpr192018211918
Rohfaserg/TM252251234260246251
aNDFomg/TM425429398465459468
NDFD-30% NDF595857596157
NDFD-240 (uNDFD)% NDF76,976,075,6787680
ADFomg/TM277275256289275279
Zuckerg/TM456195566454
Rohascheg/TM9584859697101
Calciumg/TM5,65,15,65,05,25,0
Phosphorg/TM3,43,03,13,43,33,5
Natriumg/TM1,30,91,21,01,01,1
Magnesiumg/TM2,01,71,91,81,81,8
Kaliumg/TM2272526262728
Schwefelg/TM2,62,22,32,32,32,3
Chlorg/TM7,86,27,77,07,57,1
Kupfermg/TM976666
Zinkmg/TM533340353536
Manganmg/TM957883908188
Eisenmg/TM371404505546459572

Der Trockensubstanzgehalt liegt im Mittel mit 32% unter den Werten der Vorjahre und damit im unteren Bereich des Optimums (28-35%). Immerhin weisen 14% der Proben einen extrem niedrigen Trockensubstanzgehalt von <25% auf. Dieser Bereich ist kritisch zu sehen, da sich die Gefahr der Fehlgärung (Clostridien Wachstum, Buttersäurebildung, Bildung von biogenen Aminen) und damit ein schlechter Konserviererfolg erhöht (siehe Anteil Proben mit Buttersäure, Tab. 8). Weiterhin nehmen technische Problem wie das Abrutschen des Silostocks oder Schwierigkeiten beim ordnungsgemäßen Mischen der Mischration zu. Ein weiteres Problem stellt der notwendige hohe Milchsäuregehalt in solcher Silagen dar. Dies ist bei der Verfütterung mit zu berücksichtigen, d. h., bei solchen Silagen sollten dringend die Gärsäuren mit untersucht werden. Erste Auswertungen zeigen, dass nur 40 % aller Proben einen Milchsäuregehalt unter 8 % in der Trockensubstanz aufweisen (Tab. 3).

Tab. 2: Verteilung der Proben nach Trockensubstanzgehalts-Klassen (% der TS)

Trockensubstanz (%)Jahr<2525-3031-3536-40>40
Anteil Proben (%)20211926221617
Anteil Proben (%)2022724301722
Anteil Proben (%)20231427281713

Tab. 3: Verteilung der Proben nach Milchsäuregehalts-Klassen (% der TS)

Milchsäure (% TS)Jahr<22-44,1-88,1-12>12
Anteil Proben (%)202175393316
Anteil Proben (%)202222550194
Anteil Proben (%)20230,53364318

Anders als bei den zu nassen Silagen liegen 13% aller Proben mit >40% Trockensubstanz in einem kritischen Bereich. Hier erhöht sich die Gefahr der Nacherwärmung und Schimmelbildung deutlich. Dies zeigt sich in dem Anteil an Silagen mit sichtbaren Schimmelbefall (vgl. Tab. 7)

Der mittlere Energiegehalt von 6,1 MJ NEL/kg TS liegt deutlich unter dem Optimum (6,4-6,8 MJ NEL/kg TS) für Grassilagen, welche an laktierende Rinder verfüttert werden soll. Etwa 1/3 aller Silagen (34%) wurden zum optimalen Zeitpunkt (6,4-6,8 MJ NEL/kg TS) geerntet und 76% der Proben liegen in einem normalen Bereich (5,8-6,8 MJ NEL/kg TS). Dies ist entspricht dem Ergebnis des Vorjahres und ist deutlich besser als 2021. Der Anteil an Proben mit weniger als 5,8 MJ NEL/kg TS liegt bei 17% und damit deutlich unter dem Durchschnitt des Jahres 2021 (30%, vgl. Tab. 4).

Tab. 4: Verteilung der Proben nach Energiegehalts-Klassen (MJ NEL/kg TS)

Energie (MJ NEL)Jahr<5,45,4-5,75,8-6,36,4-6,8>6,8
Anteil Proben (%)2021121849138
Anteil Proben (%)202241147299
Anteil Proben (%)202361142347

Der Rohproteingehalt liegt in diesem Jahr mit 151 g/kg TM über dem Werten der Vorjahre (137 bzw. 147 g/kg TM für 2021 und 2022) aber auf dem Niveau der letzten 5 Jahre  (137-161 g/kg TM). Aktuell liegen 11% aller Proben bei einem Rohproteingehalt kleiner 12 % in der Trockensubstanz (Tab. 5). Das bedeutet, dass bei diesen Silagen auch im Jungrinder- und Trockensteherbereich Rohprotein zugefüttert werden muss. Der niedrigere Gehalt ist in vielen Fällen entweder auf den zu späten Erntezeitpunkt (>28% Rohfaser) oder auf die regional stark ausgeprägte Trockenheit zurückzuführen. Rohprotein ist ein wertbestimmender Inhaltssoff für Grassilagen und relativ teuer im Zukauf. Ziel sollten 160 bis 180 g/kg TM sein, wenn Grassilage an laktierende Kühe verfüttert werden soll. Hier liegt für die Betriebe auch in diesem Jahr eine große Herausforderung, zumal der Zukauf von Rohprotein der größte Kostenfaktor ist. Neben einer regelmäßigen Futtermittelanalytik, Rationsberechnung und einem strengen Fütterungscontrolling sollten auch Strategien zur Proteinabsenkung in der Ration in Betracht gezogen werden (N-angepasste bzw. N-reduzierte Fütterung).

Tab. 5: Verteilung der Proben nach Rohproteingehalts-Klassen (%/kg TS)

Rohprotein (%)Jahr<120120-140141-180>180
Anteil Proben (%)20212531395
Anteil Proben (%)20221324549
Anteil Proben (%)202311235313

Aufgrund des normalen Erntetermins liegen die Fasergehalte (Rohfaser, ADFom, NDFom) unter denen des Vorjahres. Immerhin liegen mehr als 2/3 der Proben in einem normalen Bereich (20-28% Rohfaser bzw. 40-50% NDFom). Dies erleichtert bei der Rationsberechnung die Absicherung der notwendigen Mengen an strukturwirksamer Faser.

Neben dem Gehalt an NDFom wird die Futteraufnahme auch durch die NDF-Verdaulichkeit (NDFD-30) beeinflusst. Ziel ist eine hohe NDF-Verdaulichkeit (60-70% für NDFD-30). Nur 30 % der Proben weisen eine zufriedenstellende NDF-Verdaulichkeit auf (Tab. 6). Neben den Maßnahmen der Grünlandpflege sind es vor allem der Erntezeitpunkt und der gesamte Silierprozess, welche die NDF-Verdaulichkeit maßgeblich beeinflussen.

Tab.6: Verteilung der Proben nach NDF-Verdaulichkeits-Klassen (% der NDF)

NDFD-30 (% d. NDF)Jahr<5050-6061-70>70
Anteil Proben (%)2021656317
Anteil Proben (%)2022445438
Anteil Proben (%)2023962282

Die Auswertung des Konserviererfolges zeigt, dass 16% aller Proben einen schlechten bis sehr schlechten Konserviererfolg haben (vgl. Tab 7). Dies ist deutlich mehr als im Vorjahr (4%) und auf die teilweise ungünstigeren Witterungsbedingungen zum Erntezeitpunkt zurückzuführen. Die Ursachen für den schlechten Konserviererfolg ist die Bildung von Buttersäure (vgl. Tab. 8, 59% der Proben haben einen Gehalt >0,3% in der TS). Ursache ist die unerwünschte Vermehrung von Clostridien.  Hier gilt es alle Möglichkeiten, z. B. durch den Einsatz geeigneter DLG-geprüfter Siliermittel (Klasse 1 a), zu nutzen. Ein schlechter Konserviererfolg hat nicht nur den Verlust wertvoller Nährstoffe zur Folge, sondern beeinflusst auch die Gesundheit und damit Leistungsfähigkeit der Tiere negativ.

Tab. 7: Konserviererfolg der Grassilagen 1. Schnitt, 2019-2023

 20192020202120222023
 Anteil Proben in %
Konserviererfolg     
Note 1+29292748867
Note 4+52,22,413416
Buttersäure     
>0,3% d. TS1,20,418,59,459
>0,5% d. TS0,70,011,97,931
Essigsäure (>5,5% d. TS)2,61,810,12,92,0
mit Schimmel3,54,83,45,33,2
Ammoniak (>8% des Gesamt-N)30,034,931,114,223
Pepsinunlösliches Rohprotein (>30%)3,61,07,56,67,4
pH-Wert4,34,54,34,44,5

Tab. 8: Verteilung der Proben nach Buttersäuregehalts-Klassen (% der TS)

Buttersäure (%)Jahr<0,30,3-0,50,6-1,0>1,0
Anteil Proben (%)202181748
Anteil Proben (%)202291144
Anteil Proben (%)202341281516

 

Im ersten Schnitt konnten zwar normale Energie- und Nährstoffgehalte erzielt werden, jedoch führte der tendenziell niedrigere Trockensubstanzgehalt, höhere Rohasche- und Rohproteingehalt (vgl. Tab. 1) durch die damit verbundene Pufferwirkung zu höheren Buttersäuregehalten in den Grassilagen. Bei Silagen mit einem schlechten und sehr schlechten Konserviererfolg können Restriktionen in der Einsatzmenge notwendig sein. Dies ist mit dem Fütterungsberater und gff. Tierarzt abzustimmen.

 

Stand: Juni 2023

 

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