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Pferd

Fohlenfütterung 1: Fütterung von Saugfohlen

Da die Verluste von Saugfohlen immer noch bei >5% liegen, ist dem Fütterungs- neben dem Hygienemanagement besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Innerhalb von 15 Minuten bis max. zwei Stunden nach der Geburt können Fohlen stehen und nehmen somit Kolostrum auf. Dieses zeichnet sich durch einen hohen Protein- und Vitamin A-Gehalt aus. Somit liefert es Nährstoffe sowie Schutzstoffe, die v.a. durch hohe Immunglobulingehalte charakterisiert sind und somit einen passiven Schutz vor Infektionen darstellen. In den ersten zwei Lebenstagen ist die Darmbarriere des Fohlens noch durchlässig genug, um diese Antikörper in Gänze aufzunehmen und somit einen wirksamen Schutz gegen die Stallkeime darzustellen. Damit diese Antikörper auch wirklich stallspezifisch sind, ist es wichtig, dass die Mutterstute vor der Geburt mindestens sechs Wochen dort gelebt hat, wo das Fohlen geboren und die ersten Wochen aufwachsen wird.

Eine Verdopplung des Geburtsgewicht erfolgt meist bis zum 45. Lebenstag über die Aufnahme von Muttermilch. Die Aufnahme erster kleiner Raufutterrationen beginnt meist um die 6. Lebenswoche herum. Zunächst werden spielerisch kleine Mengen an Heu oder Gras aufgenommen, indem das Fressverhalten der Mutter nachgeahmt wird. Die aufgenommenen Mengen von max. 200g pro Tag dienen dabei noch nicht in erster Linie der Nährstoffversorgung (diese wird weiterhin über die Stutenmilch realisiert), sondern vielmehr dem Erlernen der Raufutteraufnahme und der langsamen Adaptation der Darmflora. Zu beachten ist, dass Fohlen ab dem Beginn der Heuaufnahme auch Zugang zu Wasser haben müssen. Die Erreichbarkeit von Salz- oder Minerallecksteinen sollte jedoch ausgeschlossen sein, da hier die Gefahr des Abusus und somit von Durchfallgeschehen oder Intoxikationen besteht.

Ab der 8. Lebenswoche ist das Futteraufnahmeverhalten soweit gefestigt, dass die Fohlen eine eigene Raufe mit Heu angeboten bekommen sollten. Aufgrund des ungünstigen Mineralstoffmusters sollten kein reines Getreide gefüttert werden, sondern das Raufutter besser mit einem Fohlen-Ergänzungsfuttermittel aufgewertet werden.

Auf bei Weidegang sollte eine Beifütterung sichergestellt sein. So hat auch Gras häufig zu niedrige Ca-Gehalte, ein zu enges Ca:P-Verhältnis und zu geringe Se- und Cu-Gehalte. Im Zweifelsfall empfiehlt sich hier eine Rationskalkulation.

Bei Warmblutfohlen werden in den ersten 60 Lebenstagen Tageszunahmen von >1000 g erreicht. Mit einem halben Jahr ist i.d.R. 40% des Adultgewichts, als Jährling ca. 60% des Adultgewichts erreicht.

Mutterlose Aufzucht

Sollte eine mutterlose Aufzucht notwendig sein, muss bei der Auswahl eines geeigneten Milchaustauschers (MAT) auf die folgenden allgemeinen Punkte geachtet werden:

  • Die Zusammensetzung muss vor allem in Hinblick auf Energie-, Protein- und Laktosegehalt dem artspezifischen Muster von Stutenmilch entsprechen. Gleiches gilt für das Fettsäuremuster, die Proteintypen (Kasein, Albumin, Globuline) und die Mineralisierung.
Energie (MJ/kg)Protein (g/kg)Fett (g/kg)Laktose (g/kg)Anteil der Energie aus
2,53271862243145

Fettsäuremuster im Milchfett:

C4 + C6C8 + C10C12C14C16C16:1C18C18:1C18:2
1,07,16,25,723,87,82,020,914,9
  • Oberste Priorität hat zudem eine einwandfreie mikrobiologische Qualität des MATs. Die Einzelkomponenten müssen hochverdaulich sein, Eiweiße sollten eine hohe biologische Wertigkeit aufweisen und Fette leicht zu emulgieren sein.
  • Beim Anrühren eines MATs müssen zwingend die deklarierten Anwendungshinweise beachtet werden (Verhältnis MAT zu Wasser, Anrühr- und Tränketemperatur, Haltbarkeit nach dem Anrühren etc.). Zu beachten sind außerdem die artspezifischen Muster in der Aufnahme der Tränke, hierzu zählen u.a. Saugfrequenz und Mengenzuteilung:

Säugeperiode

- beim Muttertier

- mutterlose Aufzucht (mit MAT)

 

16-25 Wo.

ca. 10 Wo.

Saugfrequenz pro Tag (beim Muttertier)50-60

MAT-Angebot pro Tag

mutterlose Aufzucht 1. LW

später

 

12

6

Beginn der Beifütterung3.-4. LW
Art des BeifuttersRaufutter, Ergänzungs-FM für Fohlen

Wird nicht auf einen kommerziellen MAT für Fohlen zurückgegriffen, kann mit dem folgenden Rezept ein MAT selbst hergestellt werden (nach: Supplemente zur Tierernährung, 12. Aufl.):

640 g Kuhmilch
320 g Wasser
35 g Milch- oder Traubenzucker
1.500 IE Vit. A
300 IE Vit. D

In der ersten Lebenswoche sollte dabei 12x täglich getränkt werden (jeweils ca. 0,5% der aktuellen Körpermasse), in der zweiten Lebenswoche 6x täglich (jeweils 2-3% der KM). Anfangs sollte dabei körperwarm aus der Flasche gefüttert werden. Schon bald akzeptieren viele Fohlen aber auch aufgehängte Saugeimer (Umgebungstemperatur ca. 15-20 °C), was zudem dem Bedürfnis nach einem ad libitum-Angebot von Milch Rechnung trägt. In der warmen Jahreszeit sollte hier aber die mikrobielle Stabilität der Tränke im Auge behalten werden.

Stand: Juni 2023

 

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