Fütterungstipps für am geriatrischen Vestibularsyndrom erkrankten Hunden
Das Vestibularsyndrom beim älteren Hund stellt sich meist als akutes, für den Tierhalter klinisch eindrucksvolles Geschehen dar. Betroffene Tiere leiden durch eine plötzliche Minderdurchblutung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr unter Schwindel, Kopfschiefhaltung und sind vielfach nicht mehr steh- und gehfähig. Charakteristisch ist zudem ein Nystagmus – eine intensionslose wiederkehrende Bewegung der Pupillen. Während hierbei eine horizontale Bewegung oder eine Rotation auf ein idiopathisches Geschehen schließen lässt, liegen die Ursachen beim vertikalen Nystagmus meist in einer Schädigung im Bereich des Gehirns (was eine wesentlich schlechtere Prognose hat).
Die gute Nachricht: Erkrankte Tiere erholen sich meist innerhalb von 2 – 3 Wochen vollständig. Die schlechte Nachricht: Die Genesungsphase kann intensiv und für die Besitzer nervenaufreibend sein. Eine angepasste Fütterung kann hierbei den Heilungsverlauf deutlich unterstützen.
Aufgrund des Schwindels ist den Hunden häufig übel, was zur Verweigerung der Futter- und Wasseraufnahme führt. Vor allem letztere ist jedoch neben einer initialen Infusionstherapie essenziell, um die Durchblutung zu fördern. Aus diesem Grund sollte der Übelkeit medikamentös gegengesteuert werden (mittels Maropitant oder noch besser, da zentral wirksam, Dimenhydrinat).
Wenn der Hund selbstständig nicht ausreichend trinkt, kann das Wasser geschmacklich etwas attraktiver gestaltet werden. Dazu kann man z.B. etwas Joghurt, Milch oder Leberwurst ins Tränkwasser rühren oder etwas Wurst oder Fleisch kurz aufkochen, so dass das Wasser diesen Geschmack annimmt. Auch kommerzielle Produkte wie Hundedrinks u.ä. können angeboten werden. Grundsätzlich sollte mindestens der Erhaltungs-Flüssigkeitsbedarf des Hundes gedeckt werden (Näheres dazu in unserem Blogartikel: Wie viel darfs denn sein, wieviel ist zu viel? – Zur Wasseraufnahme des Hundes), in Anbetracht der zu fördernden Durchblutung dürfen auch 10-20% draufgeschlagen werden (v.a. bei hohen Umgebungstemperaturen). Ist der Hund nicht stehfähig und zeigt eine starke Kopfschiefhaltung, sollte man beim Wasserangebot assistieren, z.B. den Napf auf Kopfhöhe halten oder Flüssigkeit aus der Hand anbieten. Vorsicht ist bei direkter Wassergabe ins Maul (z.B. über eine Spritze) angeraten, damit der Hund sich nicht daran verschluckt und Flüssigkeit in die Atemwege gelangt.
Beim Futter ist es wichtig, dieses schmackhaft, leichtverdaulich und in geeigneter Konsistenz anzubieten. Daher ist Nassfutter der Vorzug gegenüber Trockenfutter zu geben. Viele Hunde mögen dieses aufgrund des intensiveren Geruchs und Geschmacks lieber. Zudem liefert aufgrund des hohen Feuchtegehalts einen Beitrag zur Flüssigkeitsversorgung und lässt sich besser schlucken. Bei selbst zubereiteten Rationen sollte ebenfalls die Akzeptanz im Vordergrund stehen. Angebratene und leicht angewärmte Portionen werden bevorzugt gefressen. Als leichtverdauliche Komponenten können z.B. mageres Hühnchenfleisch in Kombination mit aufgeschlossenen Kohlenhydraten (Reis, Getreideflocken, Nudeln etc.) angeboten werden. Da die Akutphase des Vestibularsyndrom meist nur wenige Tage andauert, kann eine genaue Bedarfsdeckung mit allen essenziellen Nährstoffen vorübergehend außer Acht gelassen werden.
Neben den oben genannten Aspekten kann eine Supplementierung gezielter Nährstoffe diätetisch unterstützen:
- Omega-3-Fettsäuren: Diese verbessern die Erythrozytenfluidität (machen also deren Zellmembran „weicher“ und biegsamer) und helfen so, die Durchblutung neben dem o.g. Flüssigkeitsmanagement positiv zu beeinflussen. Wichtige Quellen sind maritime Öle, wie z.B. Fischöl oder Algenöl. Pro 10 kg Körpermasse können 1000 mg Fischöl täglich supplementiert werden.
- Mittelkettige Fettsäuren (MCTs): MCTs stellen durch ihre im Vergleich zu anderen Fettsäuren besonders leichte Verstoffwechselung eine schnell verfügbare Energiequelle für das Gehirn dar. Ein Teil der MCTs wird in der Leber zu Ketonkörpern abgebaut, welche den Nervenzellen als alternative Energiequelle dienen.
- B-Vitamine: Diese sind am Stoffwechsel des Nervensystems beteiligt (neuronale/r Regeneration und Erhalt). Die Gefahr einer Überversorgung besteht in aller Regel nicht, da B-Vitamine wasserlöslich sind und ein Überangebot über die Nieren ausgeschieden wird. Man kann sich aber bei der Dosierung am Erhaltungsbedarf orientieren und dabei 100% aufschlagen:
Erhaltungsbedarf:
- Vit. B1 – 20 µg/ kg KM
- Vit. B6 – 25 µg/ kg KM
- Vit. B9 – 4,5 µg/ kg KM
- Vit. B12 – 0,6 µg/ kg KM
Da das physiologische Darmmikrobiom einen nicht unerheblichen Anteil an B-Vitaminen selbst synthetisiert, setzen die o.g. Bedarfswerte eine normale Darmfunktion voraus. Längeranhaltender Durchfall kann den exogenen Bedarf beispielsweise erhöhen.
Stand: August 2026


