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Leberdiätetik beim Hund

Die Leber hat als zentrales Stoffwechselorgan verschiedene Speicher- und Synthesefunktionen. Genauso mannigfaltig können dabei die klinischen Symptome bei einer akuten oder chronischen Erkrankung und damit einem Funktionsverlust der Leber sein. Sie können von allgemeinen Symptomen wie reduzierten Allgemeinbefinden und reduzierter Futteraufnahme und damit einhergehender Körpermasseabnahme über Magen-Darm-Probleme (Erbrechen und/ oder Durchfall) bis hin zu zentralnervösen Symptomen bei einer Hyperammonämie (Krämpfe, Orientierungslosigkeit, plötzliche Wesensveränderungen) reichen. Das einzig charakteristische Merkmal einer zu diesem Zeitpunkt aber schon stark reduzierten Leberfunktion ist die Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus, „Gelbsucht“).

Lebergewebe hat eine extrem hohe Regenerationsfähigkeit und erst bei einem Zelluntergang von ~75% sind klinische Symptome sichtbar. Labordiagnostisch äußern sich Lebererkrankungen v.a. in einem Anstieg der Leberenzymaktivitäten im Blut. Diese werden beim akuten Zelluntergang verstärkt freigesetzt. Bei chronischen Lebererkrankungen mit viel untergegangenem und somit „vernarbtem“ Zellmaterial sind aber diese Abweichungen im Blut nicht mehr sichtbar und ein alleiniger Blick auf die Leberenzymwerte im Blut kann täuschen. Die folgende Grafik verdeutlich diesen Aspekt:

Abb. 1: Zusammenhang zwischen Leberzellgesundheit und Enzymkonzentrationen im Blut

Leberpatienten lassen sich in der Regel gut diätetisch einstellen. Die detaillierten tierernährerischen Maßnahmen richten sich hierbei aber immer nach dem individuellen Patienten, dessen klinischen Symptomen und seinem Blutbefund. Zum einen soll die Leber möglichst wenig durch Abbauprodukte oder die Speicherung bedarfsüberschreitender Mengen an z.B. Kupfer belastet werden. Zum anderen muss über die direkte Zufuhr relevanter Nährstoffe ein eventuelles Synthese- und Speicherdefizit der Leber ausgeglichen werden.

In erster Linie ist eine ausreichende Versorgung mit Energie zu beachten. Häufig zeigen Leberpatienten schon über einen längeren Zeitraum eine reduzierte Futteraufnahme und verlieren an Körpermasse. Daher ist eine ausreichend energiedichte Ration, die zudem sehr schmackhaft ist, von großer Relevanz. Die Energiezufuhr sollte vor allem durch aufgeschlossene Stärke (z.B. aus Kartoffeln, Reis oder Getreideflocken) und in gewissem Umfang auch durch Mono- und Disaccharide sichergestellt werden. Ebenso können Fette eingesetzt werden. Diese können sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. Zur Sicherstellung der Versorgung mit den für Hunde essentiellen Fettsäuen Linol- und Alpha-Linolensäure ist hier auf jeden Fall ein pflanzliches Öl in die Ration einzubeziehen (z.B. Kombination aus Lein- und Sojaöl).

Zudem sollte die Belastung des Organismus mit Stoffwechselabbauprodukten aus dem Darmkanal reduziert werden. Hier ist vor allem auf die Menge und die Qualität der zugeführten Proteine zu achten. Eine angepasste Proteinversorgung in quantitativer, aber vor allem qualitativer Hinsicht hat für Leberpatienten eine besondere Bedeutung. Bevorzugt werden hier hochverdauliche Proteine (also keine bindegewebsreichen Teilstücke, sondern Muskelfleisch), welche bereits im Dünndarm weitgehend abgebaut werden, eingesetzt. Bewährt haben sich durchaus auch Milchprodukte. Ei sollte aufgrund seines erhöhten Gehalts der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin nur restriktiv verfüttert werden (mikrobieller Methioninabbau im Darm führt zu einer erhöhten Schwefelwasserstoffbelastung).

Pflanzliche Faserstoffe sollten moderat eingesetzt werden. Zum einen stellen sie zwar eine ausreichende Darmmotilität sicher, zum anderen können sie aber in zu hohen Mengen zu Verdauungsdepressionen führen, welche mit verstärkten postilealen mikrobiellen Fermentationsvorgängen einhergehen können. Dies wiederum würde die intestinale Ammoniakbildung stimulieren.

Eine leichte pH-Wert-Absenkung im Colon ist wünschenswert. Dadurch wird freier Ammoniak in seine Ammoniumform überführt, welche nicht mehr über die Darmwand resorbiert, sondern fäkal ausgeschieden wird. Eine solche pH-Wert-Absenkung lässt sich über fermentierbare Fasern (Trockenschnitzel, Apfelpektin) und die Gabe von Laktulose erreichen. Bei beiden ist jedoch eine langsame Adaptation zu beachten. Das Mikrobiom im Dickdarm muss sich erst an die Zufuhr dieser Präbiotika gewöhnen und langsam umstellen. Werden zu schnell zu hohe Mengen verfüttert, kann es zu Blähungen und zu weicher Kotkonsistenz bis hin zu Durchfall kommen.

Zudem ist eine bedarfsdeckende (Vit. A), sowie leicht erhöhte (Vit. E & B) Vitaminversorgung essentiell. Die Versorgung mit Mineralstoffen sollte sich am Erhaltungsstoffwechsel orientieren. Ausnahmen stellen hier Natrium und Kupfer dar. Natrium sollte vor allem bei Patienten, die zu Ödem- oder Aszitesbildung neigen, reduziert werden. Kupfer wird bei bedarfsüberschreitender Aufnahme in den Leberzellen gespeichert, was bei eingeschränkter Leberfunktion vermieden werden sollte.

Im Folgenden sind zwei Beispielrationen für Leberpatienten aufgeführt:

Tagesration 1: Hund - 3 J., 18 kg KM
FuttermittelMenge in g/Tag
Hühnerbrustfleisch80
Frischkäse (20% Fett in der TS)100
Leinöl10
Hanf- oder Sojaöl10
Geflügelschmalz20
Haferflocken, entschält120
Möhren50
vitaminisiertes Mineralfutter für Leberpatienten6
Laktulose (langsame Adaption)bis 15
Tagesration 2: Hund - 14 J., 7 kg KM
FuttermittelMenge in g/Tag
Rindfleisch, aus der Keule30
Sojaproteinisolat120
Leinöl5
Hanf- oder Sojaöl5
Rinderfett5
Reis, poliert50
Apfel15
vitaminisiertes Mineralfutter für Leberpatienten6
Laktulose (langsame Adaption)bis 15

Haben Sie Fragen zur Fütterung Ihres vierbeinigen Leberpatienten oder möchten sich einen individuellen Futterplan erstellen lassen, dann wenden Sie sich gern an Frau Dr. Rückert unter cornelia.rueckert@lks-mbh.com oder 037207 87165.

Stand: Januar 2022

 

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