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Leichter lebt es sich leichter


Im Juli 2025 wurde Ramses in der Tierärztlichen Ernährungsberatung vorgestellt. Ramses ist ein Dackel, zum damaligen Zeitpunkt 12 Jahre alt und litt vorberichtlich unter einer Herzinsuffizienz. Diese war aber nicht sein größtes Problem. Ramses brachte 24 kg KM auf die Waage.

Dass Ramses abnehmen musste, war unstrittig. Zu diesem Zeitpunkt hatten Ramses‘ Besitzer bereits zahlreiche energiereduzierte Diät-Futtermittel ausprobiert, aber keines brachte einen dauerhaften Erfolg in Bezug auf die dringend notwendige Reduktion der Körpermasse.


Abb. 1: Ramses im September 2024 (Quelle: privat)

Eine langfristig erfolgversprechende Reduktionsdiät sollte aus den beiden Eckpfeilern „Reduktion der Energieaufnahme“ und „Erhöhung des Energieverbrauchs“ bestehen. Ersteres ist durch ein angepasstes Fütterungsmanagement grundsätzlich recht einfach zu realisieren. Komplizierter wird es da schon mit dem Energieverbrauch. Viele übergewichtige Tiere zeigen eine deutlich eingeschränkte Bewegungslust, sind körperlich nur wenig belastbar, schnell außer Atem und zeigen kein Interesse an Bewegung. Ausdauersportarten wie den Tierhalter beim Joggen oder Radfahren begleiten, sollten vorsichtig eingeschlichen werden. Zum einen muss eine ausreichende Grundkondition aufgebaut werden, zum anderen ist die Belastung der Gelenke durch das Übergewicht nicht zu unterschätzen. Ideal ist hier schwimmen, aber nicht jeder hat eine Bademöglichkeit für den Hund in der Nähe und nicht jeder Hund geht gerne ins Wasser. Auch jahreszeitlich sind hier enge Grenzen gesetzt.

Zurück zu Ramses: Bedingt durch sein starkes Übergewicht und die Tatsache, dass er herzkrank war, sind einem ausreichenden Bewegungsmanagement enge Grenzen gesetzt. Daher war eine angepasste Diätetik umso wichtiger.

Da Ramses alle Fütterungsvarianten gut vertrug, vorberichtlich keine Unverträglichkeiten hatte und die Besitzer allen Fütterungsformen offen gegenüberstanden, wurde ein Diätplan auf Basis von selbst gekochten Rationen entwickelt. Dieser vereinigt zahlreiche Vorteile in sich: man kann individuell die Bedürfnisse (und Geschmacksvorlieben) des jeweiligen Hundes berücksichtigen und durch die Wahl geeigneter Einzelkomponenten wie magerer Fleischsorten und faserhaltiger Produkte die Energiedichte ausreichend reduzieren, ohne jedoch das Volumen der Gesamtration verringern zu müssen. So nehmen betroffene Tiere nur die empfohlene Energiemenge auf, ohne jedoch “hungern“ zu müssen. Denn gerade ein dauerhaft bettelnder und nach Futter suchender Hund stellt die Geduld seiner ambitionierten Besitzer häufig stark auf die Probe.

Um den Erfolg der Gewichtsreduktion nachvollziehen und ggf. zeitnahe Anpassungen im Futterplan vornehmen zu können, ist es sinnvoll, eine Abnehmkurve zu erstellen und den Patienten regelmäßig zu wiegen. Bei mittlerem und hohem Übergewicht (BCS 7 bis 9) sollte eine wöchentliche Gewichtsabnahme von 1% der Körpermasse angestrebt werden.

Daher wurde für Ramses die folgende Abnehmkurve erstellt:

In Hinblick auf die Fütterung ist zum einen die notwendige Energierestriktion zu berechnen. Dabei nimmt man das Idealgewicht (! – nicht das aktuelle Übergewicht), setzt den Erhaltungsbedarf für dieses an und zieht, abhängig vom Schweregrad der Adipositas, davon nochmals 15-30 % der Energie ab. Ramses Idealgewicht lag bei 10 kg – der Energiebedarf hierfür würde für einen älteren Dackel bei ~ 2,5 MJ ME (= Megajoule umsetzbare Energie) liegen. Für Ramses‘ Rationen wurde eine tägliche Energieaufnahme von 1,7 bis 1,9 MJ ME kalkuliert. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Reduktionsdiäten ist eine ausreichende Proteinversorgung. Es ist bekannt, dass der Körper im Energiedefizit dazu neigt, Muskulatur abzubauen. Dies muss mit einer leicht bedarfsüberschreitenden Proteinzufuhr (und einem angepassten Bewegungsprogramm) entgegengewirkt werden. Ausgehend von 10 kg KM hat Ramses einen Proteinbedarf von ~ 30 g vRp (= verdauliches Rohprotein). Seine Rationen wurden mit einem Proteingehalt 38 – 45 g vRp kalkuliert. Wichtig ist in diesem Zusammenhang v.a. bei älteren Tieren, die Proteinqualität zu beachten. Daher sollte magerem Muskelfleisch, Milch- und Eiprodukten der Vorzug gegenüber bindegewebshaltigen Schlachtnebenprodukten gegeben werden.

Trotz der Tatsache, dass eine Energiereduktion v.a. durch einen geringen Fettgehalt der Rationen angestrebt wird, sollte die Versorgung mit den für den Hund essenziellen Fettsäuren Linol- und Alpha-Linolensäure sichergestellt werden. Daher wird eine Mindestmenge an geeigneten pflanzlichen Ölen zugefüttert.

Für Ramses wurden nun die folgenden drei Rationen erstellt. Diese müssen nicht untereinander gewechselt werden, jede Ration ist komplett bedarfsdeckend (alle Mengenangaben sind Rohgewicht und stellen jeweils die Tagesmenge dar):

 

Rationsbeispiel 1

200 g

Hühnerbrustfleisch (Fettgehalt < 1%)

3 g

Lein- und Sonnenblumenöl

80 g

Kartoffeln

10 g

Futtercellulose

200 g

Gemüse (z.B. Möhren, Zucchini, Brokkoli, Fenchel etc.)

2 TL

Weizenkleie

5 g

vitaminisiertes Mineralfutter

2 Messlöffel

L-Carnitin

Rationsbeispiel 2 (Tagesration)

100 g

Schweineschnitzelfleisch (Fettgehalt < 5%)

100 g

Magerquark

3 g

Lein- und Sonnenblumenöl

20 g

Reis

10 g

Futtercellulose

200 g

Gemüse (z.B. Möhren, Zucchini, Brokkoli, Fenchel etc.)

2 TL

Weizenkleie

5 g

vitaminisiertes Mineralfutter

2 Messlöffel

L-Carnitin

Rationsbeispiel 3 (Tagesration)

200 g

Magerfisch (z.B. Kabeljau oder Seelachs)

3 g

Lein- und Sonnenblumenöl

35 g

Nudeln

10 g

Futtercellulose

200 g

Gemüse (z.B. Möhren, Zucchini, Brokkoli, Fenchel etc.)

2 TL

Weizenkleie

5 g

vitaminisiertes Mineralfutter

2 Messlöffel

L-Carnitin

Da jeder Hund anders is(s)t, muss die Akzeptanz der jeweiligen Rationen immer individuell ausgetestet werden. Eventuell ist dann auch eine Anpassung in Hinblick auf die verwendeten Einzelkomponenten notwendig. In Ramses‘ Fall stellte sich die Ration 1 als optimal heraus. Da Ramses eher als mäkelig beschrieben wurde, ist es umso schöner, dass er diese Ration gerne frisst und gut verträgt.

Nach knapp einem Jahr (Beginn der Futterumstellung im Juli 2025, aktuelle Evaluierung im Juni 2026) liegt Ramses ideal auf der angestrebten Abnehmkurve. Er brachte Mitte Juni eine Körpermasse von 15,5 kg auf die Waage. Damit liegt er ideal in der angestrebten Entwicklung der Körpermasse:

Auch Ramses‘ Besitzer sind mit der Entwicklung sehr zufrieden:

„Noch schöner ist allerdings, dass man die Veränderung auch deutlich merkt: Ramses ist wieder wesentlich mobiler geworden und bewegt sich insgesamt deutlich leichter als noch vor einigen Monaten. Das macht uns wirklich glücklich.“


Abb. 2: Ramses im Juli 2026 (Quelle: privat)

Ramses‘ Fall soll ein Appell an die Besitzer übergewichtiger Tiere sein, dass es sich immer – auch unter auf den ersten Blick ungünstigen Bedingungen wie Vorerkrankungen oder höherem Alter – lohnt, eine Körpergewichtsreduktion in Angriff zu nehmen. Ihr Tier wird es Ihnen danken!

 

Stand: Juli 2026

 

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