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Rind

Stroh in der Rinderfütterung - Teil II - Stroh-Konzentrat-Gemische

In bisherigen Beiträgen zum Stroheinsatz in Rationen für Rinder (dlz – primus Rind 2013, Heft 6, dlz agrarheute - rind 2019 Heft 8 und 2021 Heft 9) wurde ausführlich über Futterwert und Eigenschaften, sowie über die Möglichkeiten und Grenzen des Stroheinsatzes in der Rinderfütterung berichtet. Der Schwerpunkt lag beim Einsatz von Stroh in kurz gehäckselter Form als Grobfutter zur Gewährleistung der Strukturwirksamkeit der Ration, der Ausnutzung der Zellulose als Energiequelle und für spezifische Rationstypen (nasse Silagen, große Mengen Pressschnitzel, eingeschränkte Silageverfügbarkeit u. ä.).

Schon seit vielen Jahrzehnten ist versucht worden, durch verschiedene physikalische Formen (Zerkleinerung) die Mischbarkeit und die Aufnahme von Stroh durch die Tiere zu erhöhen. Durch Behandlung mit Chemikalien gelang es, den energetischen Futterwert zu verbessern, indem die im Stroh mit einem Gehalt von 650 - 680 g Zellulose und Hemizellulose je kg Trockensubstanz enthaltenen Stoffe durch Aufspaltung des Lignin-Zellulose-Komplexes eine deutlich erhöhte Verdaulichkeit erreichte.

Die umfangreichen Untersuchungen von Bergner, Piatkowski, Flachowsky, Hoffmann, Weißbach u. a. mit ihren Mitarbeitern (Archiv für Tierernährung der Jahrgänge 1975 bis 1980) führten zu dem Ergebnis, dass gemahlenes Stroh (8 mm-Sieb) mit NaOH, Harnstoff oder Ammoniak aufgeschlossen und in pelletierter Form verabreicht, eine wesentliche Erhöhung der Energieaufnahme gewährleisten. In der Weiterentwicklung wurde das so aufbereitete Stroh als „Strohpellets“ mit Getreide, Zuckerrübenprodukten, rohproteinreichen Konzentraten, Harnstoff und Mineralfutter gemischt und als Stroh-Konzentrat-Gemisch in Form von Teilfertigfutter oder Fertigfutter bei Milchkühen, weiblichen Aufzuchtrindern und in der Mastrinderhaltung eingesetzt.

Im Folgenden soll aus der umfangreich vorliegenden Literatur und aus den Erfahrungen und Kenntnissen Schlussfolgerungen gezogen und Anregungen für die Anwendung unter unseren Bedingungen gegeben werden.

Als erste Schlussfolgerung gilt, dass unter unseren Produktionsbedingungen das Stroh immer als Grobfutter zum Einsatz kommen sollte. Durch Mahlen + Pelletieren besitzt das Stroh keine Strukturwirksamkeit. Hinzu kommt, dass auch aus energie- und futterökonomischer Sicht dieser Verfahrensweg in der Regel nicht in Frage kommt.

Alle folgenden Ausführungen beziehen sich auf Stroh, dass mit einer theoretischen Häcksellänge von 2 – 4 cm zerkleinert wurde. Dieses Stroh garantiert auch im Mischwagen eine gute Homogenität, ist nicht selektierbar und kann mit geeigneten Press- bzw. Kompaktierverfahren zu Ballen, Briketts oder Waffeln verdichtet werden, was u. a. eine Verminderung des Transport- und Lagerungsaufwandes ermöglicht.

Zur Herstellung von Stroh-Konzentrat-Gemischen werden dem losen Strohhäcksel die entsprechenden Konzentrate entweder als Einzelkomponenten zugemischt (z. B. wenn hofeigene Mischungen im Betrieb hergestellt werden) oder können bei industrieller Herstellung als Mischfutter, auch in pelletierter Form (mit kleinem Siebdurchmesser < 5 mm) zugemischt werden. Das Stroh-Konzentrat-Gemisch kann in loser Form oder nach einem geeigneten Kompaktierungsverfahren (z. B. Brikettierung) zum Einsatz kommen. Eine Pelletierung des Stroh-Konzentrat-Gemisches hat sich auch mit großen Siebdurchmessern aufgrund der nicht mehr vorhandenen Strukturwirksamkeit (Strukturfaktor = 0) als nicht effektiv erwiesen.

Entsprechend dem vorgesehenen Einsatz werden Fertig- oder Teilfertigfuttermittel hergestellt. Die Teilfertigfuttermittel sind jeweils auf die entsprechenden Grobfutterkomponenten abzustimmen.

Stroh-Konzentrat-Gemische in der Jungrinderaufzucht

In den letzten Jahren haben sich Stroh-Konzentrat-Gemische in der Kälberaufzucht (auch als Kälber – TMR bezeichnet) bewährt und werden in sehr vielen Betrieben angewandt.

In der Übersicht „Stroh-Konzentrat-Gemisch für die Kälberaufzucht“ wird das Grundmodell für die Zusammensetzung gezeigt. Die Anwendung erfolgt als Ergänzungsfutter in der Tränkperiode und danach als Alleinfutter bis Ende des 4. Lebensmonats. In diesem Zeitraum wird weder Heu noch Silage eingesetzt. Im Zusammenhang mit der ad libitum-Fütterung von Vollmilch oder magermilchhaltigen Milchaustauscher in den ersten drei Wochen („metabolische Programmierung“) stellt der Einsatz von Stroh-Konzentrat-Gemischen derzeit eines der sichersten und effektivsten Verfahren in der Kälberaufzucht dar. In einigen Betrieben wurde das beschriebene Stroh-Konzentrat-Gemisch sogar bis Ende des 5. Monats als Alleinfutter weiter verfüttert.

Stroh- Konzentrat-Gemisch für Kälber ("Kälber-TMR")

Empfehlungen für die Zusammensetzung:

12 - 15 % kurz gehäckseltes Stroh (2 - 3 cm)/(auch gehäckseltes Trockengrünfutter möglich)

10 - 12 % Melasse

25 % Maisschrot

20 - 25 % Getreide, gequetscht

25 - 30 % Rohproteinreiche Konzentrate (z.B. Rapsextraktionsschrot, Byoprofin, Leinextraktionsschrot u.a) (futtermittelspezifische Restriktionen beachten !).

1 % Lebendhefe bzw. Diamond V XP LS

3 % vitaminiertes Mineralfutter für Kälber (möglichst mit 50 g Traubenzucker/kg)

Richtwerte für Inhaltsstoffe (je kg TS der Mischung)

Rohprotein (g)                 150 - 180

Umsetzbare Energie      MJ 10 - 12

Rohfaser (g)                     80 - 120

Ca (g)                                80 - 120

P (g)                                  4,0 - 5,0

Na (g)                               3,2 - 3,5

Mg (g)                               2,4 - 2,5

Verabreichung

                                                  je Tier und Tag

in der Tränkperiode*             ab 100 g ad lib

Ende der Tränkperiode*        > 2,0 kg

Ende des 3. Monats*             ca. 3,5 kg

*als alleiniges Beifutter in der Tränkperiode und als Alleinfutter nach der Tränkperiode bis Ende des 3./4. Lebensmonats

Danach bekommen die Jungrinder silagehaltige Mischrationen. In diesen Mischrationen ist es durchaus möglich, über die Anwendung spezieller Stroh-Konzentrat-Gemische größere Mengen Stroh sinnvoll zu verwerten und mit Hilfe richtig kalkulierter Rezepturen die bedarfsgerechte Energie- und Rohproteinzufuhr zu gewährleisten. Diese Stroh-Konzentrat-Gemische enthalten im Allgemeinen 40 – 70 % gehäckseltes Stroh, Melasse oder melassierte Trockenschnitzel und je nach der Qualität der eingesetzten Silagen Getreide und Rapsextraktionsschrot. Während bis zum 7./8. Lebensmonat Strohanteile < 30 % in Frage kommen, werden danach höhere Strohanteile bis 40 % möglich und nach der erfolgreichen Besamung kann 60 – 70 % Stroh eingesetzt werden.

Stroh-Konzentrat-Gemische in Rationen für Milchkühe

Die Vielfalt der Möglichkeiten für die Anwendungsform und für die Zusammensetzung des Einsatzes von Stroh-Konzentrat-Gemischen (SKG) für Milchkühe ist sehr groß. Kaum liegen Erfahrungen mit Fertigfuttermitteln (SKG als Alleinfutter) vor, zumeist wird das Stroh-Konzentrat-Gemisch als Teilfertigfuttermittel in Kombination mit Grünfutter bzw. Silagen eingesetzt. In der Tabelle „Stroh-Konzentrat-Gemische für Milchkühe“ wurde versucht, praxisrelevante Rezepturen anzugeben, die den Rahmen abstecken, in denen SKG zweckmäßig sind. In Anpassung an die Milchleistung, die Futterdarbietung und an das verwendete Grobfutter können die entsprechenden Rezepturen abgeleitet werden.

Stroh - Konzentrat - Gemische (SKG) für Milchkühe

 

  SKG 1SKG 2SKG 3SKG 4
Rezeptur g/kg Futtermittel  stärkereichproteinreichWeidebeifutter
Stroh, gehäckselt* 200400400600
Getreidemischung 350355115165
Trockenschnitzel, melassiert 10010000
Melasse (Zuckerrüben) 00100100
Rapsextraktionsschrot 315105345100
Futterharnstoff 1515150
vitaminisiertes Mineralfutter 20252535
Inhaltstoffe je kg Trockensubstanz
NELMJ6,66,05,65,1
UEMJ10,89,89,38,6
Rohproteing245155250100
nutzbares Rohproteing1710137158116
UDP% d. RP16182427
Proteinlöslichkeit% d. RP51525335
Stärke + Zuckerg283265166160
davon Zuckerg62509175
Rohfaserg156216228288
aNDFomg336415426506
ADFomg169255281333
Zellulose + Hemizelluloseg280265353434
Kalziumg8,3910,54,7
Phosphorg4,23,92,52,9

* theoretische Häcksellänge 2 - 3 cm

Der Strohanteil kann zwischen 20 und 60 % angesetzt werden, das Stroh sollte immer mit einer Teilchengröße über 1 cm, optimal 2- 4 cm, vorliegen. Um leichtlösliche, für das Tier schnell verfügbare Kohlenhydrate und Stickstoffverbindungen in die Ration zu bekommen, sind Rübenprodukte und Harnstoff notwendige Bestandteile von Stroh-Konzentrat-Gemischen für Milchkühe. Dabei ist zu beachten, dass der Harnstoffgehalt in der Ration (!) 25 g/100 kg Körpermasse nicht übersteigt. Die Stroh-Konzentrat-Gemische können sowohl als alleiniges Ergänzungsfutter zur Weidebeifütterung bzw. mit Silagen eingesetzt werden (siehe Tabelle „Standort-spezifische Rationstypen mit Stroh-Konzentrat-Gemischen für Milchkühe“) als auch als Komponenten in Teilmischrationen bei Konzentratfütterung aus Automaten.

Standortspezifische Rationstypen für Milchkühe mit Stroh-Konzentrat-Gemischen (kg/Tier und Tag)

Weidegras55  
Grassilage 32 
Maissilage  30
Stroh-Konzentrat-Gemisch*
für Weide10  
stärkereich 10 
proteinreich  10
kg TS/Tier ** und Tag20,520,020,1
reicht für ...kg Milch***
Rohprotein312929
NEL282930
Weidegras55  

* siehe Tabelle "Stroh-Konzentrat-Gemische für Milchkühe ", ** 650 kg Körpermasse, *** 4,0 % Fett, 3,4 % Eiweiß

Im Zusammenhang mit der einphasigen Fütterung trockenstehender Kühe hat sich ein Stroh-Konzentrat-Gemisch, gekoppelt mit Maissilage, bewährt. Es wurde folgende Rezeptur realisiert: 50 % Stroh (3-4 cm), 6 % Maiskörner, 6 % Getreidemischung, 30 % Rapsextraktionsschrot, 6 % pansengeschütztes Rohproteinkonzentrat, 2 % vitaminiertes Mineralfutter. Kombiniert mit 15 kg Maisilage (30 % TS) wurden 13,5 – 14 kg Trockenmasse je Tier und Tag im Mittel der gesamten Trockenstehperiode aufgenommen. Damit konnten in der Ration > 75 MJ NEL je Tag und je kg TS 160 g Rohprotein mit 25 % UDP und 200 g Stärke + Zucker gewährleistet werden.

Stroh-Konzentrat-Gemische für Mastbullen

Zu Erfahrungen mit dem Einsatz von Stroh-Konzentrat-Gemischen als Alleinfutter für Mastbullen oder in Kombination mit Maissilage liegen zahlreiche Berichte, auch aus früheren Jahren, vor. Die Tabelle „Stroh-Konzentrat-Gemische für Mastbullen“ zeigt Beispiele für Fertig- und Teilfertigfutter. Es gelten auch hier alle genannten Anforderungen. Harnstoff kann ab 250 kg Körpermasse zum Einsatz kommen und sollte 25 g/100 kg Körpermasse nicht übersteigen.

Stroh-Konzentrat-Gemische in der Bullenmast (Fleckvieh)

Körpermasse250250450450
Zunahme g/Tag1300130014001400
Rezeptur Stroh-Konzentrat-Gemisch (g/kg)
   Stroh220235325287
   Getreide450355488385
   melassierte Trockenschnitzel12241119
   Rapsextraktionsschrot300355162287
   Futterharnstoff6733
   vitaminisiertes Mineralfutter12241119
Ration kg/Tier und Tag
    Stroh-Konzentrat-Gemisch6,74,49,25,2
    Maissilage08,0012,0
Futteraufnahme kg TS/Tag6,06,28,18,4
je kg TS der Ration     
   Rohprotein172157146142
   Umsetzbare Energie11,310,910,810,8
   Rohfaser174182181182

 

In den vorangegangenen Ausführungen wurde unbehandeltes Stroh und kein „Strohaufschluss“ mit Natronlauge oder Ammoniak angenommen.

Sollte ein Behandlungsverfahren zur Anwendung kommen, wird empfohlen, vor der Rationsberechnung das Stroh im Futterlabor untersuchen zu lassen, um nach den entsprechenden Vorschriften den Energiegehalt bestimmen zu können. Auf der Grundlage dieser Untersuchung kann der Strohanteil in der Rezeptur ermittelt und die Ration sachgemäß berechnet werden. Bei einem Aufschluss mit NaOH ist zu beachten, dass der zulässige Höchstgehalt für Natrium in der Ration nicht überschritten wird.

Stand: Oktober 2021

 

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