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Pferd

Wenn’s mal wieder heiß wird - Zur Wasserversorgung des Pferdes


Vor allem bei den derzeit herrschenden Temperaturen fällt wieder verstärkt der Fokus auf eine adäquate Wasserversorgung von Pferden. Doch wie hoch ist der Wasserbedarf von Pferden, welchen Einfluss spielt die Fütterung und was gibt es rund um Management und Tränkehygiene zu beachten?

Wasserqualität
Das ideale Tränkwasser für Pferde wird stets frisch angeboten, ist ohne Beigeschmack und hat eine Temperatur von 9-12 °C. Bei Wasserqualitäten aus der zentralen Wasserversorgung bestehen i.d.R. keine Abweichungen von der geforderten Qualität. Manche Pferde lehnen jedoch Wasser mit Chlorbeimengungen ab.

Bei Eigenwasserversorgung, z.B. über eine Brunnenanlage, ist die Wasserqualität verstärkt zu beobachten. Bei Kontaminationen mit Gülle oder Jauche kann es neben einer sensorischen Beeinträchtigung und damit reduzierten Akzeptanz zum Eintrag mit Ammoniak oder Schwefel sowie zu erhöhten K- oder Na-Gehalten kommen. Auch die mikrobiologische Qualität (Salmonellen, E. coli ssp.) sollte hier regelmäßig überprüft werden. In (auch ehemaligen) Industriegebieten kann zudem eine Verunreinigung durch erhöhte Schwermetallgehalte nicht ausgeschlossen werden.

Beim Weidegang besteht mitunter die Möglichkeit, natürlicher Wasservorkommen als Tränkemöglichkeit anzubieten. Auch hier sollte die mikrobiologische Qualität engmaschig kontrolliert werden. Längst sind nicht alle Bachläufe so sauber, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Bei kleineren stehenden Gewässern sollte zudem vor einem möglichen Besatz mit Zwischenwirten des Leberegels gewarnt werden.

Tränkemanagement
Unabhängig von der Haltungsform müssen Pferde jederzeit freien Zugang zu Tränkwasser haben. Nur in Ausnahmefällen darf davon abgewichen werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn starker Frost das mehrmalige portionsweise Angebot von frischem Wasser notwendig macht. Zumeist werden Selbsttränken verwendet. Diese stellen nur dann ein Problem dar, wenn v.a. Jungtiere intensiv an diesen Tränken spielen oder übermäßig hohe Wassermengen aufgenommen werden. Letzteres kann dazu führen, dass aufgenommenes Futter nur unzureichend zerkleinert wird. Gerade in den Sommermonaten sollten Selbsttränken täglich gereinigt werden, Kunststoffflächen von Biofilmen befreit werden und Futterreste abgesammelt werden.

Geht die Wasseraufnahme ansonsten gesunder Pferde zurück, sollten die folgenden Punkte kontrolliert werden:

  • Sind die Tränken sauber/ werden täglich gereinigt?
  • Sind an den Tränken scharfe Kanten vorhanden, die ggf. Verletzungen verursachen können?
  • Sind Kriechströme von defekten Stromleitungen vorhanden?
  • Zeigt das Wasser sensorische Auffälligkeiten, die Geruch/ Geschmack negativ beeinflussen? Zu beachten sind hier vor allem erhöhte Chlor- oder Eisengehalte

Wasserbedarf
Die Wasseraufnahme wird durch die Plasmaosmolarität geregelt. Ein Durstgefühl entsteht, wenn die Plasmaosmolarität um 3% steigt oder das Plasmavolumen um 6% sinkt. Zudem entsteht ein Durstgefühl in aller Regel nach der Futteraufnahme, da hier verstärkt Sekrete zur Verdauung ins Darmlumen abgegeben werden. Zudem erhöht sich auch das Trinkbedürfnis nach Arbeit oder bei hohen Umgebungstemperaturen (Schweißverluste). Während bei Temperaturen um die 0°C nur einmal in der Stunde Wasser aufgenommen wird, erhöht sich diese Frequenz bei Temperaturen um die 30°C auf 1,8x/h.

Werden Rationen gefüttert, die vorwiegend auf trockenen Komponenten basieren (z.B. Heu und pelletiertes Kraftfutter oder Müsli), werden 3 - 3,5 kg Wasser pro kg Futter-TS aufgenommen.

Tab. 1: Täglich benötigte Tränkwassermenge (bei Fütterung hauptsächlich trockener Rationskomponenten), Quelle: Pferdefütterung, Meyer/ Coenen, 2014

 

pro kg KM

Fohlen

7 – 10

adulte Pferde:

 

Erhaltung

3 – 5

leichte Arbeit

5 – 7

schwere Arbeit

7 – 10

laktierende Stute

8

je kg Futter-TS

3 – 3,5

Wasserverluste setzen sich überwiegend aus der Wasserabgabe aus Harn, Kot und Schweiß zusammen. Die renalen Wasserverluste sind stark von der Konzentrierung des Harns abhängig. So können hohe Protein- und Mineralstoffaufnahmen die Harnmenge und somit den Wasserbedarf erhöhen. Unter normalen Umständen werden ~ 2l Harn/ 100 kg KM/ Tag produziert. Ein deutlicher Rückgang wird bei hohen Umgebungstemperaturen oder Schweißverlusten beobachtet.

Die Wasserabgabe über den Kot ist stark von der Fütterung abhängig. Wassergehalte von 60-80 % sind hier üblich, was einer Wasserabgabe von 0,5 – 3,5 l/ 100 kg KM/ Tag entspricht. Ein hoher Anteil unverdaulicher Futterkomponenten erhöht die Wasserabgabe über den Kot und somit auch die Wasseraufnahme. Bei Durchfallerkrankungen kann der Wassergehalt im Kot auf über 90 % ansteigen.

Gerade bei arbeitenden Pferden an warmen Tagen spielt auch die Wasserabgabe über die Lungen und v.a. über den Schweiß eine nicht unerhebliche Rolle. Hierbei ist von den folgenden Schweißmengen auszugehen:

Tab. 2: Schweißmenge in Abhängigkeit von der Arbeitsintensität, Quelle: Pferdefütterung, Meyer/ Coenen, 2014

Arbeitsintensität

Schweißmenge [l/ 100 kg KM/ d]

leicht

0,5 – 1,2

mittel

1,3 – 1,7

schwer

1,8 – 2,4

sehr schwer

2,5 - > 5

Laktierende Stuten geben ~ 3l Wasser/ 100 kg KM/ Tag über die Milch ab.

Besteht die Ration überwiegend aus frischem Grünfutter, wird über dieses bereits bedarfsüberschreitend Wasser aufgenommen. Aus diesem Grund trinken Pferde auf der Weide im Herbst bis Frühjahr nahezu nichts zusätzlich.

Wassermangel/ -überschuss
Bei einem unzureichenden Angebot an qualitativ hochwertigem Wasser geht zum einen die Futteraufnahme zurück. Zudem steigt der Trockensubstanzgehalt in der Ingesta, was das Kolikrisiko erhöht.

Ein Wasserüberschuss ist klinisch weniger relevant. Neben einer Erhöhung der Harnmenge wird auch eine Neigung zu frühzeitigem Schwitzen beobachtet.

 

Stand: August 2026

 

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