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Der Fütterungsberater

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Akuter Durchfall beim Hund


Akuter Durchfall beim Hund begegnet wohl jedem Hundebesitzer irgendwann einmal. Er geht mit breiigem bis flüssigem Kot einher, zumeist ist die Kotabsatzfrequenz erhöht. Auch Beimengungen frischen Blutes sind möglich. Diese sind zumeist durch die akute mechanische Reizung der Darmschleimhaut im Kolonbereich begründet. Eine Blutung im Magen- und Dünndarmbereich (welche als wesentlich kritischer anzusehen ist) zeigt sich in verdautem und daher schwarz gefärbtem Blut, was für den Laien im Kot gar nicht unbedingt als solches zu erkennen ist. Die meisten Hunde zeigen bei einer akuten Durchfallerkrankung keine Beeinträchtigung des Verhaltens, manchmal können jedoch auch Erbrechen und ein reduziertes Allgemeinbefinden parallel dazu auftreten.

Doch auch wenn der betroffene Hund auf den ersten Blick ein ungestörtes Allgemeinbefinden zeigt, können die Tiere durch den Wasserverlust als Folge des Durchfalls austrocknen. Zudem sind die Zellen der Darmschleimhaut meist stark geschädigt und benötigen zur Regeneration um die 5-7 Tage. Daher sollte immer eine körperliche wie auch psychische Schonung des Hundes in Phasen akuter Durchfallerkrankungen erfolgen.

Im Gegensatz zum Menschen sind akute Infektionsgeschehen mit Rotaviren oder verschiedenen darmpathogene Bakterien beim Hund nicht die häufigste Ursache für ein Durchfallgeschehen. Häufiger spielen die Aufnahme von unverträglichen Futtermitteln (bei Intoleranzen und Allergien, bei zu schnellem Futterwechsel v.a. bei Welpen, Futtermittelintoxikationen) sowie eine Parasiteninfektion (Kokzidien, Giardien, Würmer) oder eine Fremdkörperaufnahme eine bedeutendere Rolle. Bei (v.a. jungen) Hunden mit nicht vollständigem Impfschutz muss auch immer differentialdiagnostisch eine Parvo- oder Staupevirusinfektion in Betracht gezogen werden.


Welche Maßnahme sind nun geeignet, um akuten Durchfall therapeutisch zu begleiten und welche Behandlungsoptionen sollten besser unterbleiben?

  • Ähnlich der schnell und zuverlässig wirkenden Medikamente aus dem Humanbereich gibt es auch für Hunde Pharmazeutika, die die Peristaltik der Darmmuskulatur lähmen und so den Durchfall schnell stoppen können. Dieses Vorgehen wird jedoch zunehmend kritisch gesehen. Zumeist verfolgt der Körper ein Ziel wie die schnelle Ausschleusung pathogener Mikroorganismen oder Toxine. Durch die o.g. Maßnahme verbleiben diese im Darm und richten dort möglicherweise dauerhaften Schaden an bzw. können in manchen Fällen auch systemisch auf den gesamten Organismus übergehen.
     
  • Wie weiter oben schon erwähnt, ist Durchfall bei Hunden in den seltensten Fällen bakteriell bedingt. Aus diesem Grund ist auch die Gabe eines Antibiotikums meist nicht sinnvoll. Im Gegensatz: Durch die orale Gabe antibakteriell wirksamer Substanzen wird das physiologische Darmmikrobiom geschädigt. Ziel bei Durchfallerkrankungen sollte es jedoch vielmehr sein, dieses zu unterstützen und aufzubauen.
     
  • Der wichtigste therapeutische Pfeiler ist eine ausreichende Wasseraufnahme. Trinkt der betroffene Hund von sich aus nicht ausreichend, kann man das Trinkwasser geschmacklich durch die Zugabe von (nicht fettiger) Fleischbrühe in seiner Akzeptanz etwas steigern. Auch die Zugabe kleiner Mengen an Milchprodukten ins Wasser (Joghurt, Frischkäse etc.) kann die Akzeptanz erhöhen. Zudem kann man das Wasser moderat salzen, auch um den Elektrolytverlust auszugleichen. Ist eine ausreichende freiwillige Wasseraufnahme nicht gegeben und zeigt der Patient ein reduziertes Allgemeinbefinden, sollte eine Flüssigkeitszufuhr als parenterale Infusion beim Tierarzt erfolgen.
     
  • Früher wurde bei akutem Durchfall oftmals Fasten empfohlen, also der vollständige Nahrungsentzug über meist 24-48 Stunden. Dieses Vorgehen ist aus heutiger wissenschaftlicher Sicht nicht mehr zu vertreten. Die Zellen der Darmschleimhaut beziehen ihre Nährstoffe nur aus dem Darminhalt. Fällt dieser weg, kommt es zu einem verstärkten Absterben der ohnehin schon vorgeschädigten Darmbarriere, was den Übertritt von Toxinen forciert.
     
  • Aus diätetischer Sicht wird hingegen zur Fütterung einer magen-darm-schonenden Ration geraten. Diese sollte aus einer fettarmen Proteinquelle und einer gut aufgeschlossenen Kohlenhydratquelle bestehen. Dies kann die viel zitierte Hühnchen-Reis-Kombination sein, aber auch magerer Fisch, mageres Schweinefleisch oder Milchprodukte (Quark oder körniger Frischkäse) können zum Einsatz kommen. Kombiniert werden diese mit Hafer- oder Hirsebrei (aufgekochte Flocken), Kartoffelbrei oder weichgekochten Nudeln. Verzichtet werden sollte hingegen auf die Zugabe von Obst und Gemüse. Lediglich kleine Mengen pektinreicher Futtermittel (= präbiotisch wirksam) wie geriebenem Apfel oder sehr weich gekochter Möhre können hinzugefügt werden. Ist ein Mineralfutter vorhanden, kann dieses gerne supplementiert werden. Bei Hunden, die ansonsten ein kommerzielles Alleinfuttermittel erhalten, ist eine solche Zugabe über den vergleichsweise kurzen Zeitraum der Diät jedoch nicht notwendig. Auf die Gabe von Ölen und Fetten jeglicher Art sollte verzichtet werden.


Moro'sche Möhrensuppe:
Das ursprüngliche Rezept geht auf den Kinderarzt Prof. Ernst Moro zurück. In einer Zeit, in der es noch keine Antibiotika gab, kreierte er diese Suppe und verabreichte sie seinen Patienten. Infolge dessen ging die Sterblichkeitsrate bei akut an Durchfall erkrankten Kindern merklich zurück. Beim intensiven Kochen von Möhren entstehen Zuckerverbindungen (Oligogalakturonide), die bestimmten Rezeptoren an der Darmschleimhaut stark ähneln und die die Zielstelle für pathogene Mikroorganismen darstellen. Durch die Bindung der Durchfallerreger an diese Zuckerverbindungen wird ein Anhaften an der Darmschleimhaut verhindert und die Erreger ausgeschieden.

Im Verhältnis 1:2 werden Möhren mindestens eine Stunde lang in Wasser gekocht. Danach wird dieser Brei püriert, nochmals Wasser und zusätzlich Kochsalz zugegeben und wieder aufgekocht. Die Möhrensuppe kann mehrmals am Tag in kleinen Portionen angeboten werden.


Wichtig!
Sollte der Hund parallel zu Durchfall ein reduziertes Allgemeinbefinden zeigen, die akute Durchfallerkrankung länger als zwei Tage andauern oder der Durchfall rezidivierend immer wieder auftreten, ist ein Tierarztbesuch zwingend erforderlich!


Und an letzter Stelle noch eine kurze Ausführung zur Diätetik bei Giardienbefall:
Immer wieder wird kursieren Ratschläge, die Diät bei einem nachgewiesenen Giardieninfektion kohlenhydratarm bzw. -frei zu gestalten. Grund hierfür sei die Tatsache, dass Giardien Glukose verstoffwechseln. Das tun jedoch nahezu alle Lebewesen – denn Glukose ist das End- und Zielprodukt vieler Nährstoffabbauvorgänge, welches immer als Energiequelle dient. Es gibt keine Studien, die einen positiven Effekt einer kohlenhydratarmen Fütterung bei einer Giardieninfektion nachgewiesen haben. Im Gegenteil: Solche Diäten weisen oft erhöhte Fettgehalte auf, was die Schwere einer Giardieninfektion erhöhen kann (Allain et al., 2021).

 

Stand: Dezember 2025

 

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