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Der Fütterungsberater

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Pferd

Auswertung der Energiegehalte in Pferdeheuchargen aus dem Jahr 2022-2025

In Heuchargen für Pferde werden in den letzten Jahren vermehrt Energiegehalte beobachtet, die deutlich über den Werten aus Futterwerttabellen liegen. Gerade in Hinblick auf die equidengerechte Fütterung auf der einen Seite und der Tatsache auf der anderen Seite, dass viele Freizeitpferde unter Übergewicht und den daraus resultierenden klinischen Folgen wie Insulindysregulation und Hufrehe leiden, ist dem Energiegehalt des Heus jedoch hohe Aufmerksamkeit zu widmen. Gerade bei einem klinischen Fall ist daher eine exakte Rationsberechnung mit vorangegangener Heuanalyse unumgänglich.

Die nachfolgende Grafik zeigt die Verteilung der Energiegehalte in Pferdeheuchargen aus den letzten vier Jahren:

Abb. 1: Energiegehalte [MJ ME/ kg TS] in den eingesandten Pferde-Heuproben (2022 bis 2025); ME: metabolisierbare Energie, MJ: Megajoule, TS: Trockensubstanz

Die Abbildung 1 zeigt, dass die meisten Heuproben im Bereich um die 7 MJ ME/ kg TS liegen. Einen „Ausreißer“ stellt das Jahr 2024 dar. Hier lag der Median bei über 8 MJ ME/ kg TS. Dies kann mit den Witterungsbedingungen in diesem Jahr zusammenhängen. Der Sommer 2024 war sehr heiß und trocken – durch den Wassermangel (und die häufig bei Pferdegrünflächen nicht stattfindende Stickstoffdüngung) kommt es zu einem reduzierten Proteineinbau, die Sonnenenergie wird jedoch in Form von Zuckerverbindungen gespeichert. Hohe Zuckergehalte bedingen hohe Energiegehalte.

Die hohen Energiegehalte führen dazu, dass v.a. Pferde im Freizeitbereich („Erhaltung“) und selbst Pferde, die leichte Arbeit verrichten, das Heu unbedingt restriktiv, d.h. mit mengenmäßiger Zuteilung, erhalten sollten. Für den im Jahr 2025 erreichten Mittelwert von 7,24 MJ ME/ kg OS (OS: Originalsubstanz) bedeutet das die folgenden Heumengen für drei Beispielpferdetypen:

Tab. 1: Aus den Energiegehalten resultierende Fütterungsmengen (kg Heu/ Tag)

 

Energiegehalt Heu
(MJ ME/kg OS)

Warmblut 550 kg LM,
Erhaltung 0,52 MJ ME/kg KM0,75
=> 59 MJ ME

Pony 250 kg KM, 
Erhaltung 0,4 MJ ME/kg KM0,75
=> 25 MJ ME

Warmblut 550 kg KM,
mittlere Arbeit zzgl. 45%
=> 85 MJ ME

MWLabor

7,24

8,1 kg

3,5 kg

11,7 kg

Diese Heumengen sollten dem jeweiligen Beispielpferd gefüttert werden, um dessen Energiebedarf zu decken. Eine Zufütterung von energiereichen Ergänzungen wie Müslis oder getreidehaltigen Pellets ist nicht notwendig! Im Gegenteil: Zwei der o.g. Heumengen sind durch die hohen Energiegehalte so niedrig, dass die Forderung nach einer equidengerechten Raufutteraufnahme von mind. 1,5 kg TS/ 100 kg KM nicht erfüllt werden kann:

Tab. 2: Vergleich der berechneten Heumengen mit der geforderten Mindest-Raufutter-Aufnahme

 

Energiegehalt Heu
(MJ ME/kg OS)
Warmblut 550 kg LM,
Erhaltung 0,52 MJ ME/kg KM0,75
=> 59 MJ ME
Pony 250 kg KM, 
Erhaltung 0,4 MJ ME/kg KM0,75
=> 25 MJ ME
Warmblut 550 kg KM,
mittlere Arbeit zzgl. 45%
=> 85 MJ ME

MWLabor

7,24

8,1 kg

3,5 kg

11,7 kg

Mindestraufuttermenge

 

(8,25 kg TS)
9,4 kg OS

(3,75 kg TS)
4,25 kg OS

(8,25 kg TS)
9,4 kg OS

In Tab. 2 zeigt sich, dass bei den beiden Beispiel-Pferden im Erhaltungsstoffwechsel (Warmblut wie Pony) die Mindestraufutteraufnahme nicht erzielt wird, wenn das Heu mit dem hohen Energiegehalt in bedarfsangepasster Menge gefüttert wird.

Hier könnte evtl. das Verschneiden mit einer energieärmeren Heucharge oder mit einem guten Futterstroh ein Lösungsansatz sein. Beim Mischen mit Stroh sollte darauf geachtet werden, dass max. ein Drittel der Gesamtration aus Stroh besteht, um keine Verstopfungskolik zu begünstigen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ein später Schnitt nicht zwingend niedrige Energiegehalte im Heu bedingt. Durch die damit verbundenen hohen Zuckerkonzentrationen weisen die Heuchargen häufig mehr als 7 MJ ME/ kg TS auf. Dies führt v.a. bei Pferden im Erhaltungsstoffwechsel zu einer notwendigen Mengenrestriktion, die so deutlich ausfallen kann, dass die geforderte equidengerechte Mindestraufuttermenge unterschritten wird und weitere Maßnahmen im Fütterungsmanagement ergriffen werden müssen.

 

Stand: April 2026

 

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