Auswertung der Spurenelementgehalte Selen und Jod in Pferdeheuchargen aus den Jahren 2022 - 2025
Die Nährstoffprofile in Pferdeheu haben sich in den letzten Jahren im Vergleich mit Futterwerttabellen teils deutlich verändert. Dies betrifft nicht nur die Energie- und Proteingehalte, sondern auch die Mineralstoffkonzentrationen.
Die folgenden Auswertungen zeigen daher die Werte für die Se- und J-Gehalte in Pferdeheuchargen aus den vergangenen vier Jahren.
Selen (Se)
In der Degussa-Futterwerttabelle werden für späte Heuschnitte Se-Gehalte von 50 – 130 µg Se/ kg angegeben. Aufgrund der engen Bedarfsgrenze und den deutlich variierenden Se-Gehalten im Grünaufwuchs ist es besonders wichtig, den Se-Gehalt in der verfütterten Heucharge zu kennen. Eine Unterversorgung führt zu Störungen des Immunsystems und der Schilddrüsenfunktion, eine Überversorgung durch den Antagonismus mit schwefelhaltigen Aminosäuren zu einer schlechten Fell- und Hornqualität.
Abb. 1 zeigt die gemessenen Se-Gehalte und verdeutlicht dabei, dass die in der Literatur angegebenen Se-Gehalte in einem Großteil der Proben nicht erreicht werden.
Abb. 1: Selengehalte (µg/kg TS) in Pferdeheuchargen aus den Jahren 2022 bis 2025
Ausgehend von dem mittleren Energiegehalt im Heu (siehe Blogartikel vom 27.04.2026) wurden in der folgenden Tabelle für drei Beispielpferde die Heuaufnahme und darauf basierend die Se-Aufnahme kalkuliert. Für das Se wurde hierbei mit den Analysenwerten aus dem Futtermittellabor gerechnet und jeweils der Mittelwert, der Minimalwert und der Maximalwert angesetzt, um die starke Streuung innerhalb der Heuproben zu verdeutlichen.
Warmblut | Pony | Warmblut | ||
Bedarf | 1.140 µg Se/ d | 630 µg Se/ d | 1.140 µg Se/ d | |
Se - MinLabor | 11,3 µg/ kg OS | 92 µg Se/ d | 40 µg Se/ d | 132 µg Se/ d |
Se - MWLabor | 42,8 µg/ kg OS | 347 µg Se/ d | 150 µg Se/ d | 501 µg Se/ d |
Se - MaxLabor | 483 µg/ kg OS | 3912 µg Se/ d | 1690 µg Se/ d | 5651 µg Se/ d |
Tab. 1: Geschätzte Se-Aufnahme, ausgehend von Laboranalysenwerten
Der Bedarf wurde hier mit 10 µg Se/ kg KM0,75 angesetzt. Eine chronische Toxizität wird in der Literatur mit 2000 µg Se/ kg TS angegeben. Aus der Tabelle geht hervor, dass bei Minimal- und Mittelwert-Gehalten der Bedarf über eine reine Heufütterung nicht gedeckt ist und Supplementierungsbedarf besteht. Bei hohen Se-Gehalten (bis hin zum Se-Maximalwert) ist eine Zufütterung von Se nicht notwendig. Jedoch werden auch bei hohen Se-Gehalten (können z.B. durch Se-Düngung der betreffenden Grünflächen erreicht werden) die Aufnahmen für eine chron. Se-Intoxikation nicht erreicht. In diesen Fällen ist es jedoch wichtig, dass Se nicht zusätzlich durch Mineralfutter oder mineralisierte Müslis ergänzt wird.
Jod (J)
Für Jod liegen zumeist keine Tabellenwerte vor. In den Analysenwerte zeigen sich durchschnittliche Jodgehalte von 100 – 200 µg/ kg, wobei eine gewisse Abweichung zwischen den einzelnen Jahren beobachtet werden kann.
Abb. 2 zeigt die Analysenergebnisse aus den letzten vier Jahren.
Abb. 2: Jodgehalte (µg/kg TS) in Pferdeheuchargen aus den Jahren 2022 bis 2025
Allgemein gibt es die Auffassung, dass es bzgl. der Jodgehalte im Boden und somit auch im Grünaufwuchs in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle gibt. In nördlichen Regionen werden höhere Jodgehalte erwartet als im Süden. Ausgehend von unseren Analysendaten und der Auswertung der Postleitzahlen der einsendenden Kunden kann diese Annahme jedoch nicht immer bestätigt werden (Abb. 2). Grundsätzlich zeigt sich das beschriebene Gefälle, jedoch werden in Heuchargen aus Baden-Württemberg durchschnittlich ähnlich hohe J-Gehalte wie aus den nördlichen Bundeländern beobachtet.
Abb. 3: Regionale Verteilung der Jodgehalte in Heuchargen [µg/ kg TS]
Gründe dafür können nur gemutmaßt werden. Zum einen muss die PLZ des Einsenders nicht zwingend mit der Herkunft des Heus übereinstimmen (Stichwort “Marineheu“). Zum anderen finden wir durch hohe Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft zuweilen Verschiebungen innerhalb solcher Bodenkarten.
In Hinblick auf die Jodversorgung zeigt sich ein ähnliches Bild wie für Selen (Tab. 2).
Warmblut | Pony | Warmblut | ||
Bedarf | 2270 µg J/ d | 1257 µg J/ d | 2270µg J/ d | |
J – Min | 32,8 µg/ kg OS | 266 µg J/ d | 115 µg J/ d | 384 µg J/ d |
J – MW | 117 µg/ kg OS | 948 µg J/ d | 410 µg J/ d | 1369 µg J/ d |
J - Max | 816 µg/ kg OS | 6610 µg J/ d | 2856 µg J/ d | 9547 µg J/ d |
Tab. 2: Geschätzte Se-Aufnahme, ausgehend von Laboranalysenwerten
Bei sehr geringen und mittleren J-Gehalten im Heu ergibt sich ein Supplementierungsbedarf, während bei hohen J-Konzentrationen eine Ergänzung von J in der Ration nicht notwendig ist.
Stand: Mai 2026


