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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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BARF-Fütterung beim Hund

BARF steht für „bones and rad foods“ und für eine Fütterungsform, die sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit unter Hundebesitzerin erfreut. Die Tiere werden dabei nach dem Vorbild ihrer wildlebenden Vorfahren gefüttert. Die Rationen bestehen aus hohen Anteilen rohen Fleisches, Innereien und fleischiger Knochen. Als Ergänzung werden verschiedene rohe Gemüse- und Obstsorten gegeben. Je nach individueller Abwandlung können auch Milchprodukte, Eier und pflanzliche Öle zum Einsatz kommen. Vielfach werden die Rationen mit Monosupplementen ergänzt. Nur ein geringer Teil der Tierbesitzer füttert aufgeschlossene Kohlenhydrate (gekochte Nudeln, Kartoffeln, Reis etc.) zu. Hier wird als Begründung meist der Vergleich mit dem Wolf herangezogen, dessen Ration hauptsächlich aus tierischen Materialien besteht. In diesem Zusammenhang ist jedoch die Evolutions- und Domestikationsgeschichte des Hundes zu bedenken. So lebt dieser seit Tausenden von Jahren mit Menschen zusammen und hat sich in diesem Zuge an das damit einhergehende neue Nahrungsspektrum enzymatisch angepasst (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23354050). Mit wenigen Ausnahmen (meist Nordische Rasse vom Urtyp) sind Hunde gut in der Lage, aufgeschlossene Stärke zu verdauen und zur Energieversorgung zu nutzen.

Viele Besitzer berichten, dass sie unter dieser Fütterungsform ein gesteigertes Wohlbefinden ihres Hundes beobachten. So würde sich die Haut- und Fellqualität und die Zahngesundheit verbessern und Magen-Darm-Probleme würden verschwinden. Bis heute liegen jedoch keine wissenschaftlichen Langzeitstudien vor, die die beschriebenen Vorteile bestätigen.

Jedoch birgt die BARF-Fütterung durchaus einige Risikofaktoren, auf die im Folgenden eingegangen werden soll:

Fütterung von rohem Fleisch

Hier sind vor allem die Hygienerisiken, die vom Verzehr von rohem Fleisch ausgehen können, zu beachten. Besonders ein bakterieller Besatz mit Salmonellen, aber auch Yersinien oder Colibakterien wird in rohem Fleisch häufig nachgewiesen. Von 15 in Deutschland untersuchten Rohfutterwaren (tiefgefrorenes BARF-Fleisch und Fertig-BARF-Mixe) waren 14 bakteriell so belastet, dass sie nicht mehr den Kriterien eines sicheren Lebensmittels entsprachen. Eine besondere Rolle spielen in solchen Untersuchungen auch immer wieder antibiotikaresistente Stämme. Vor allen in rohem Geflügelfleisch, welches zur Verfütterung an Hunde angeboten wird, werden auch immer wieder nicht unerhebliche Anteile an Salmonellen gefunden (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18811907). Gesunde adulte Hunde erkranken hierbei selten selbst klinisch an einer Salmonellose. Sie werden jedoch asymptomatische Dauerausscheider und stellen damit eine Infektionsgefahr für die Menschen, die engen Kontakt mit ihnen haben, dar (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17310625). Aus diesem Grund sollten vor allem Hunde, die im Besuchseinsatz in Kindereinrichtungen oder Pflegeheimen sind oder mit immunsupprimierten Menschen Kontakt haben, nicht gebarft werden.

Auch die Fütterung von rohem Fisch kann problematisch sein. Neben dem auch hier möglichen bakteriellen Besatz spielt das Vorkommen von Thiaminasen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese Enzyme inaktiviert das Vitamin B1, was eine wichtige Rolle im Nervenzellstoffwechsel einnimmt. Der Thiaminasegehalt unterscheidet sich jedoch zwischen den einzelnen Süß- und Salzwasserfischen deutlich, so dass es unerlässlich ist, sich vor der Verfütterung über den Thiaminasegehalt der ausgewählten Fischsorte zu informieren.

Auch die Verfütterung von Kopf-, Kehl- und Stichfleisch verdient Beachtung. Sind diese Fleischabschnitte mit Schilddrüsengewebe besetzt, nimmt der Hund Schilddrüsenhormone auf, die zu einer ausgeprägten klinischen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreodismus) führen können. Laborchemisch fällt hier eine starke Erhöhung des Schilddrüsenhormons T4 auf. Bei der Verfütterung von Knochen ist auch die damit einhergehende Verletzungsgefahr nicht zu unterschätzen. Dies kann von Verletzungen und Zahnschäden in der Maulhöhle bis hin zu Schleimhautschäden und -perforationen im Magen-Darm-Trakt führen. Größere Mengen an Knochen können zudem zu Obstipationen und Knochenkot führen.

Inadäquate Nährstoff-Bedarfsdeckung

Für Hunde wird ein Verhältnis von 10g verdaulichem Rohprotein (vRp) zu 1 MJ umsetzbarer Energie (ME) empfohlen. In BARF-Rationen ist dieses vielfach stark „zugunsten“ des Proteins verschoben, da vielfach auf die Verfütterung von Kohlenhydraten als Energieträgern verzichtet wird. Somit ist der Organismus gezwungen, die benötigte Energie aus der Verstoffwechslung von Protein zu gewinnen, was auf Dauer die Umbau- und Ausscheidungsorgane Leber und Niere belastet. Häufig ist in typischen BARF-Rationen durch hohe Anteile an Innereien und bindegewebsreichen Schlachtabfällen auch die Proteinqualität nicht optimal. Somit kommt es zur Anflutung unverdaulicher Proteinanteile im Dickdarm, wo diese eine Dysbiose hervorrufen (v.a. verstärktes Clostridienwachstum) und die Kotqualität negativ beeinflussen können.

Abb. 1 verdeutlicht zudem die häufig zu beobachtenden Imbalanzen in der Mineralstoffversorgung. Werden Knochen gefüttert, liegt die Ca-Aufnahme häufig weit über der Bedarfsdeckung und kann somit das Risiko für calciumhaltige Harnsteine erhöhen. Wird auf Knochenzufütterung verzichtet, stellt sich aufgrund der hohen Phosphorgehalte im Fleisch ein inverses Ca:P-Verhältnis ein, was zu Störungen im Knochenstoffwechsel führt. Auch im Bereich der Spurenelemente werden für allem für Zink und Jod nicht bedarfsdeckende Mengen aufgenommen. Gleiches gilt für Vitamin D. Aufgrund des häufig hohen Innereienanteils in BARF-Rationen enthalten diese meist sehr viel Vitamin A.

Abb. 1: Vergleich des Nährstoffprofils von jeweils 50 BARF-Rationen (blau: mit Knochenfütterung, grün: ohne Knochenfütterung) mit der Bedarfsdeckung (ME – umsetzbare Energie, vRp – verdauliches Rohprotein, Ca – Calcium, P – Phosphor, Zn – Zink, Cu – Kupfer, J – Jod)

Was sagt das Blut-BARF-Profil aus?

Mittlerweile bieten zahlreiche veterinärmedizinische Diagnostiklabore eine Überprüfung des Versorgungsstatus über eine Blutanalytik an. Meist werden dabei neben einem kleinen Blutbild die Parameter Albumin, Ca und P sowie die Spurenelemente Kupfer und Zink und die Vitamine A und D überprüft. Hierbei ist aber anzumerken, dass gerade die Mengenelemente Ca und P im Blut sehr eng homöostatisch reguliert werden und so keinen Rückschluss über die aktuelle Versorgungslage über die Ration zulassen. Kommt es zum Beispiel über einen längeren Zeitraum zu einer nutritiven Ca-Unterversorgung, so wird Ca aus den Knochen resorbiert, um den Blutspiegel konstant zu halten. Eher kommt es hier also zu einer Reduzierung der Knochenmineralisierung, was das Risiko für pathologische Frakturen erhöhen kann, als dass eine Abweichung im Ca-Blutspiegel beobachtet werden kann. Spurenelemente wie Kupfer oder Zink werden in der Leber gespeichert und bei Bedarf (= Unterversorgungslage) freigesetzt werden. Somit sind die Blutspiegel weitgehend unabhängig von der aktuellen Versorgungslage. Mit gewissen Einschränkungen kann man mithilfe der Blutprofile auf die Versorgung mit Vit. A (Retinylpalmitat im Blut) und Vit. D (25-Hydroxycholecalciferol) geschlossen werden.

Wie geht es besser?

Ausgehend von der Körpermasse des Tieres sollte im ersten Schritt der Energie- und Proteinbedarf berechnet werden. Dabei kann ein Energiebedarf von 0,35-0,65 MJ ME/ kg KM0,75 (je nach Rasse, Aktivität und Haltungsform des Hundes) und ein Proteinbedarf von ~4,5 g vRp/ kg KM0,75 angenommen werden. Anhand dieser Daten sucht man zunächst eine geeignete Fleischsorte und Kohlenhydratquelle heraus und berechnet die benötigten Mengen. Je nach Vorlieben des Hundes kann die Ration um verschiedene Gemüse- oder Obstsorten ergänzt werden, dies ist aber nicht zwingend erforderlich. Zur Versorgung mit essentiellen Fettsäuren sollte zudem ein geeignetes pflanzliches Öl supplementiert werden. Um den Bedarf an verschiedenen Mineralstoffen und Vitaminen zu decken, empfiehlt sich die Gabe eines kommerziellen vitaminisierten Mineralfuttermittels. Ist dies nicht gewünscht, gestaltet sich die Rationserstellung wesentlich komplexer und muss mehr Einzelfuttermittel enthalten, die z.B. den Bedarf an Vit. D3, Vit. E, Zink, Kupfer und Jod decken.

In Abb. 2 sind die Mengenverhältnisse der einzelnen Futtermittelkomponenten anteilig skizziert:

Abb. 2: Empfohlene Rationszusammenstellung beim Hund

Für Rationsüberprüfungen und -neuerstellungen sowohl für gesunde Tiere wie auch erkrankte Tiere, die spezielle diätetische Ansprüche haben, können Sie sich gerne an die Tierärztliche Ernährungsberatung der LKS mbH wenden: LKS_Flyer_Tieraerztliche_Ernaehrungsberatung

Stand: Mai 2021

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