Bedeutung und Funktion von Biotin bei landwirtschaftlichen Nutztieren
Biotin (auch Vitamin H = „Hautvitamin“ genannt) gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen.
Physiologische Bedeutung
Biotin ist essentiell für das Wachstum und ist an verschiedenen Stoffwechselreaktionen beteiligt. Eine wichtige Funktion hat es bei der Übertragung von CO2 – Gruppen (Carboxylierung) und greift damit in den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel ein. Es ist Bestandteil verschiedener Enzyme. So wirkt es als Co-Enzym im Energiestoffwechsel. Im Fettstoffwechsel synthetisiertes es den „Interzellularkitt“. Biotin ist wesentlich beteiligt an der Bildung von Keratinproteinen. Es beeinflusst weiterhin den Cholesterin- und Nucleinsäure-Stoffwechsel, die Desaminierung von Aminosäuren und den Lysozym-Aktivator (Infektions-Immunität). Biotin nimmt ebenfalls Einfluss auf die Kalkdrüsen der Haut.
Mangelerscheinungen
Biotinmangel zeigt sich bei allen Tierarten durch vermindertes Wachstum. Darüber hinaus kommen für verschiedene Tierarten spezielle Mangelsymptome hinzu:
Geflügel: Schlechte Befiederung, Dermatitis an Zehen und Beinen, Appetitverlust, Schwellungen der Augenlider, Perosis, Fettlebersyndrom
Schweine: Entzündungen der Klauen, Hautgeschwüre, Augenentzündungen, Durchfall, schlechte Fruchtbarkeit
Pferde: Hornschädigungen an den Hufen, besonders Hufrehe.
Wiederkäuer: Hornschädigungen der Klauen, Störungen der Laktation und Reproduktion, Haarverfärbungen und Veränderungen der Dermatitis.
Bedarf
| Schweine | mg je kg Alleinfutter |
|---|---|
| Ferkel, Prestarter | 0,15-0,20 |
Ferkel, Aufzucht | 0,10-0,15 |
| Mastschweine | |
| 1. Abschnitt | 0,10-0,15 |
| 2. Abschnitt | 0,05-0,07 |
| Sauen/Eber | 0,20-0,25 |
| Geflügel | mg je kg Alleinfutter |
|---|---|
| Küken | 0,07-0,12 (bei Weizen 0,15) |
| Junghennen | 0,03-0,08 (bei Weizen 0,15) |
| Legehennen | 0,04-0,06 |
| Zuchthennen | 0,15-0,25 |
| Broiler | 0,05-0,10 (bei Weizen 0,15) |
| Pferde | mg/100kg Lebendmasse und Tag |
|---|---|
| Fohlen | 0,08-0,12 |
| Freizeitpferde | 0,03-0,06 |
| Zucht- und Rennpferde | 0,10-0,20 |
Zur Verbesserung der Hufqualität kann 15-20 mg je Tier und Tag, über 6 Monate gegeben, hilfreich sein.
| Kälber | mg je kg Milchaustauscher |
|---|---|
| 1-3 Monate | 0,10-0,20 |
Milchkühe
Die Grundversorgung, auch bei hohen Leistungen, wird aus der mikrobiellen Synthese gedeckt (http://docplayer.org/27568736-Untersuchungen-zum-ruminalen-biotinumsatz-beim-rind.html). Der zusätzliche Einsatz von 15 – 20 mg Biotin/Tier und Tag, mindestens für 6 Monate an alle Tiere einer Herde (einschl. der trockenstehenden) kann eine Verbesserung des Klauenhornes bei weichem Ballen- und Sohlenhorn und bei „loser Wand“ bewirken. Zusätzliche Zufuhr auch bei sehr hohen Leistungen und im geburtsnahen Zeitraum in Abhängigkeit vom Versorgungsgrad zweckmäßig.
Als Referenzwerte gelten: > 125 µg / kg Milch
> 1,5 µg / l Blutplasma.
Stand April 2021.


