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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Kleintier

Besondere Ernährungsansprüche von Katzen

Im Gegensatz zum Hund orientieren sich die Nahrungsansprüche von Katzen noch stark am Vorbild ihrer wilden Vorfahren. Sie sind hochspezialisiert auf kleine Beutetiere und es somit gewohnt, mehrfach über den Tag verteilt (tags wie nachts) kleine Futterportionen zu sich zu nehmen. Zudem sind sie nicht gut an zeitweise Über- oder Unterversorgungen angepasst, da Beutetiere zumeist im Ganzen aufgenommen werden und daher das Nährstoffprofil solcher Rationen immer ein sehr konstantes Muster aufweist.

Als reine Carnivoren (= Fleischfresser) sollte die Ration einer Katze zu hohen Anteilen aus Fleisch und anderen tierischen Materialien bestehen. Im Gegenzug dazu besitzen sie nur eine geringe Toleranz gegenüber Kohlenhydraten (KH). Daher sollte eine tägliche Aufnahme von Kohlenhydraten die Grenze von max. 5g/ kg KM (Körpermasse) nicht überschreiten. Eine höhere Aufnahme von Kohlenhydratträgern wie z.B. Getreideflocken, Reis oder Kartoffeln führt aufgrund der mangelhaften körpereigenen Enzymausstattung zur KH-Verdauung zu einer Anflutung von Stärke im Dickdarm. Dort wird diese von Bakterien abgebaut und die daraus entstehenden Zuckerverbindungen ziehen Wasser ins Darmlumen nach (fermentativ osmotisch). Somit kommt es zu Durchfall, wenn die Ration zu hohe KH-Mengen enthält. Auch die Toleranz für den Milchzucker Laktose ist nur mäßig ausgeprägt (max. 2 g/ kg KM), so dass die Aufnahme laktosehaltiger Milchprodukte nach Möglichkeit vermieden bzw. stark begrenzt werden sollte.

Die rein carnivore Lebensweise der Katze begründet deren hohen Proteinbedarf von 15g vRp/ 1 MJ ME (vRp: verdauliches Rohprotein ME: umsetzbare Energie). Limitierend sind in diesem Zusammenhang nicht einzelne Aminosäuren, sondern der Aminostickstoff. Enthält die Ration zu wenig Protein, senkt das signifikant die Akzeptanz bis hin zur Futterverweigerung.

Das plötzliche Einstellen der Futteraufnahme kann vor allem bei übergewichtigen Katzen kritisch sein. Die durch den Abbau von körpereigenem Fettgewebe freiwerdenden Fettsäuren fluten in der Leber an und führen dort zu einer sog. hepatischen Lipidose, die je nach Ausmaß lebensbedrohlich werden kann.

Neben dem Gesamtproteingehalt muss auch auf das Aminosäurenprofil der Ration geachtet werden. Speziell für die Katze essentiell und daher besonders zu beachten sind hierbei Arginin und Taurin (Aminosulfonsäure).

Arginin (Bedarf 0,8 g/ 100 g TS) ist am Harnstoffwechsel beteiligt und führt bei Unterversorgung zu einem Anstieg von Ammonium im Blut (Hyperammonämie). Die klinischen Folgen können Muskelkrämpfe, Erbrechen, Ataxien und Hyperästhesien sein. Da Arginin jedoch sowohl in tierischen wie auch pflanzlichen Proteinquellen vorkommt, ist die Gefahr einer Unterversorgung bei bedarfsdeckendem Proteinangebot von untergeordneter Bedeutung.

Anders ist es um die Aminosulfonsäure Taurin (Bedarf 1 - 2 g/ kg TS, abhängig von der Futterkonfektionierung) bestellt. Während diese in Fleisch in ausreichenden Mengen vorhanden ist, ist in Milchprodukten und Eiern wenig und in pflanzlichen Proteinträgern nahezu kein Taurin vorhanden. Die höchsten Gehalte sind in Herzmuskelgewebe enthalten. Mangelerscheinungen bei der Katze führen zu einer Retinaatrophie, die sich anfänglich in einer Nachtblindheit und später in völliger Erblindung äußert. Zudem kann es bei betroffenen Tieren zu Fruchtbarkeitsstörungen und Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie) kommen. Zu beachten ist, dass Taurin bei hohen Temperaturen verloren geht. So gehen beim Braten und Kochen von Fleisch 50-75 % des Tauringehalts im Vergleich zur Originalsubstanz verloren. Ähnliches gilt auch bei der Herstellung kommerzieller Alleinfuttermittel, weshalb die Taurinempfehlungen für die höher erhitzten Feuchtfutter höher liegen als die der niedriger erhitzten Trockenfuttermittel.

Arachidonsäure stellt für die Katze eine essentielle Fettsäure mit einem Bedarf von ~ 0,2 g/ kg TS dar. Sie ist nur in tierischen Fetten enthalten, weswegen auch unter diesem Gesichtspunkt die vegetarische oder gar vegane Ernährung von Katzen kritisch zu betrachten ist. Ein Mangel äußert sich in Defiziten in der weiblichen Reproduktion. Ebenso sind Linol-, α-Linolensäure- und Eicosapentaensäure essentiell für die Katze.

Aufgrund der starken Nahrungsspezialisierung auf kleine Beutetiere fehlt der Katze die Fähigkeit, Vitamin A zu synthetisieren. Während beispielsweise der Hund mittels körpereigener Enzyme aus ß-Carotin, welches in hohen Mengen in rotem und orangenem Gemüse enthalten, Vitamin A bilden kann, gelingt dies der Katze nicht. Sie ist daher auf die externe Zufuhr von Vitamin A, welche in hohen Mengen z.B. in Leber enthalten ist, angewiesen (Bedarf 80 IE/ kg KM0,67). Andererseits reagieren Katzen empfindlich auf eine längere Zeit bedarfsüberschreitende Vitamin A-Versorgung – es kann hier z.B. zu schmerzhaften Knochenzubildungen (Exostosen) an der Wirbelsäule kommen.

Ausgehend von diesen Anmerkungen, kann eine selbst zusammengestellte Ration für eine adulte Katze mit 4 kg KM z.B. wie folgt aussehen: 

120gFleisch (z.B. Rind oder Geflügel)
20g

gekochtes Gemüse (z.B. Möhre, Zucchini oder Fenchel)

4gpflanzliches Öl (z.B. Kombination aus Lein- und Walnussöl)
1gvitaminisiertes Mineralfutter für Katzen

Bei älteren Katzen mit eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion kann es sinnvoll sein, den Fleischanteil zu reduzieren und stattdessen über aufgeschlossene Getreideflocken den Energiegehalt anzuheben:

90gFleisch( z.B. Rind oder Geflügel)
5g aufgeschlossene Getreideflocken
20ggekochtes Gemüse (z.B. Möhre, Zucchini oder Fenchel)
4gpflanzliches Öl (z.B. Kombination aus Lein- und Walnussöl)
1gvitaminisiertes Mineralfutter für Katzen

Neben diesen besonderen Nährstoffansprüchen sind noch zwei weitere ernährungsphysiologische Besonderheiten bei der Katze zu beachten:

Bei der Aufzucht von Jungtieren findet eine starke Nahrungsprägung statt. So akzeptieren Katzen lebenslang meist nur die Futterkonfektionierung, welche sie in der Aufzuchtphase kennengelernt haben. Besonders wird dies deutlich, wenn Katzenwelpen ausschließlich mit Feuchtfutter oder Frischfleisch aufgezogen werden und später beim Halter auf ein Trockenfutter umgestellt werden sollen. Hier sind häufig deutliche Akzeptanzprobleme bis hin zur kompletten Futterverweigerung zu beobachten.

Ein weiteres Augenmerk sollte auf dem Wasseraufnahmeverhalten der Katze liegen. Katzen sind durch ihre wildlebenden Vorfahren an wasserarme Habitate angepasst. Daher kommen sie mit nur sehr geringen Tränkwassermengen aus und konzentrieren dafür ihren Harn stark, um die Wasserverluste gering zu halten. Dies hat jedoch den Effekt, dass sich hohe Konzentrationen harnpflichtiger Substanzen in der Blase ansammeln. Das kann dort zur Entstehung von Kristallen und schlussendlich von Harnsteinen führen. Aus diesem Grund sollte versucht werden, Katzen zur Wasseraufnahme zu animieren. Dabei muss auf die individuellen Vorlieben der Katze eingegangen werden. So bevorzugen manche Katzen fließendes Wasser (z.B. aus dem Wasserhahn oder Zimmerspringbrunnen). Bei anderen kann es helfen, das Wasser geschmacklich attraktiver zu machen – zum Beispiel durch die Zugabe von Katzenmilch oder Fleischbrühe. Die ausschließliche Gabe von Trockenfutter sollte unter diesem Hintergrund kritisch betrachtet werden. Besser wäre hier die regelmäßige Verfütterung von Feuchtfutter.

Da das Sättigungsgefühl von Katzen vom aufgenommenen Volumen des Futters abhängt, ist es gerade bei adipösen Katzen auch unter diesem Aspekt sinnvoll, regelmäßig Futter mit höheren Wassergehalten anzubieten. In diesem Zusammenhang sollte auch auf die weit verbreitete Problematik von Übergewicht vor allem bei Wohnungskatzen hingewiesen werden. Über 50% der in Haushalten gehaltenen Katzen sind zu schwer. Bereits eine weibliche Katze, die ein Idealgewicht von ~ 3 kg KM haben sollte, ist mit 4 kg KM über 30% zu schwer! Folgeerkrankungen können Hauterkrankungen, Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf- und Gelenkbeschwerden sein.

Haben Sie Fragen zur Ernährung Ihrer Katze oder wollen einen individuellen bedarfsangepassten Futterplan erstellen lassen? Dann melden Sie sich gern unter 037206 87165 oder cornelia.rueckert@lks-mbh.com.

 

Stand August 2021

 

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