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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Diabetes bei der Katze

Die Diabeteserkrankung ist eine der häufigsten endokrinologischen Erkrankungen der Katze. Unterschieden wird hierbei zwischen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2.

Typ 1 ist insulinabhängig. Diese Form ist in seltenen Fällen angeboren oder durch Erkrankungen ausgelöst (z.B. Pankreatitis oder Adenokarzinome). Hierbei kommt es zu einer Reduktion der insulinproduzierenden ß-Zellen im Pankreas. Somit steht dem Organismus nicht genügend Insulin zur Verfügung, um den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren.

In den allermeisten Fällen (~90%) liegt bei Katzen jedoch Diabetes Typ 2 vor. Dies betrifft vor allem ältere Tiere über 8 Jahre, aber auch Übergewicht, wenig Bewegung und Kastration sind prädisponierende Faktoren. Zudem kann eine Behandlung mit Kortikosteroiden das Diabetesrisiko erhöhen und auch eine genetische Komponente wird diskutiert. Hierbei fällt auf, dass v.a. die Rassen Burma, Maine Coon, Siam und Russisch Blau überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Beim Typ 2 Diabetes kommt es zur einer reduzierten Insulinsensitivität bis hin zur Insulinresistenz. Hier wird zwar Insulin sezerniert, aber die Zellen sind resistent dagegen und reagieren nicht mehr auf den Insulinstimulus, so dass keine Glukose in die Zellen aufgenommen werden kann.

Der Blutzuckerspiegel steigt an und bei Überschreiten der Nierenschwelle wird die überflüssige Glukose mit dem Harn ausgeschieden. Dies führt zu einem verstärkten Harnabsatz, da der im Harn vorhandene Zucker Wasser osmotisch nachzieht und so das Harnvolumen vergrößert wird. Um dies zu kompensieren, trinken betroffene Tiere meist ungewöhnlich viel. Aufgrund der verminderten Energieaufnahme in die Zellen verlieren betroffene Tiere meist an Körpermasse bei erhaltener guter Futteraufnahme, sind schlapp, müde und weniger bewegungsfreudig.

Therapeutisch ist in der Regel eine Insulintherapie notwendig. Die betreffenden Tiere müssen v.a. zu Beginn der Therapie mit einer regelmäßigen Blutzuckermessung auf die notwendige Insulindosis eingestellt werden, um sowohl einer Hyper- wie auch eine Hypoglykämie zu vermeiden. Zusätzlich sollte immer eine Ernährungsanpassung erfolgen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass bei Katzen, die einen Diabetes Typ 2 bedingt durch starkes Übergewicht entwickelt haben, dieser durchaus bei entsprechender Körpergewichtsreduktion wieder verschwinden kann. Schon allein dieser Aspekt sollte Halter betroffener Tiere animieren, ihre Katze auf eine Reduktionsdiät zu setzen und das Bewegungsprogramm zu steigern.

Diätetische Maßnahmen:

Hier steht an erster Stelle, das mögliche Idealgewicht der Katze zu erzielen oder beizubehalten. Hierzu sollte der Fett- und Kohlenhydratanteil in der Ration eher moderat ausfallen und im Gegensatz dazu ein hoher Proteingehalt erreicht werden (mind. 45% aus der Energie sollte aus Protein stammen). Bereits eine erfolgreiche Reduktion vorhandenen Übergewichts kann bei einigen Katzen dazu führen, dass die Diabeteserkrankung in Remission ist.

Da sich Katzen von Natur aus rein carnivor ernähren, ist insbesondere in diesem Fall eine möglichst kohlenhydratarme Ernährung angezeigt. Auch ein völliger Verzicht auf Kohlenhydrate in der Ration ist möglich. Futterkomponenten wie Getreideflocken, Reis oder Kartoffeln sollten daher vom Speiseplan gestrichen werden. Hiermit wird hyperglykämischen Spitzen nach der Nahrungsaufnahme bereits erfolgreich vorgebeugt. Stattdessen sollten angepasst bedarfsüberschreitende Mengen an Fleisch – wünschenswert ist ein hoher Anteil mageren Muskelfleischs – gefüttert werden. Zur Deckung des Energiebedarfs kann hier individuell ein Anteil tierischer Fette hinzugefügt werden. Um die Katze mit wichtigen essentiellen Fettsäuren zu versorgen, sollte eine Teil der Gesamtfettmenge jedoch auch aus pflanzlichen Ölen bestehen.

Günstig wirkt sich zudem die Zugabe fermentierbarer Fasern (z.B. Pektine oder Inulin) aus. Hierdurch kommt es durch die präbiotische Wirkung zu einer Ansäuerung des Darmchymus (Bildung von kurzkettigen Fettsäuen, insbesondere Butyrat bei der Fermentation durch Darmbakterien), was wiederum die Glukoseresorption hemmt bzw. verlangsamt und somit Blutglukosespitzen nach der Nahrungsaufnahme verhindert. Zudem wird durch einen erhöhten Faseranteil die Darmpassage erhöht, was die Gesamtverdaulichkeit der Ration reduziert und somit bei übergewichtigen Katzen ein wirksames Mittel zur Körpermassereduktion ist.

Um einen Anstieg der Blutglukosekonzentration nach der Fütterung entgegenzuwirken, hat es sich bewährt, lieber über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten anstatt einer oder zweier größerer Futterportionen anzubieten. Dieses Fütterungsschema kommt zudem dem natürlichen Nahrungsaufnahmeverhalten der Katze zugute. Als spezialisierter Beutegreifer überwiegend kleiner Nagetiere ist sie es gewohnt, über den Tag verteilt kleine Futterportionen aufzunehmen.

Beispielration für eine Katze, EKH, weiblich, 8 Jahre alt, aktuelle Körpermasse 6 kg, Idealgewicht ~ 4 kg (Gesamtration – Aufteilen auf mehrere kleine Mahlzeiten empfohlen):

Futtermitteltägliche Menge
Hühnerbrust120 g
Lein- und Walnussöl im Wechsel2,5 g (~ 1/2 TL)
Möhren20 g
Weizenkleie1 g
vitaminisiertes Mineralfutter für Katzen~ 1 g (abhängig von Zusammensetzung und Herstellerangaben)

Neben Beachtung all dieser diätetischen Maßnahmen sollte nochmals betont werden, dass die Reduktion von Übergewicht ein unverzichtbares Instrument zur Eindämmung und ggf. sogar Heilung der Diabeteserkrankung bei Katzen ist. Dies sollte neben einem angepassten Fütterungsregime durch Animation zur Bewegung geschehen. Während Freigänger ihr Fitnessprogramm hier meist automatisch erhalten, sollten Wohnungskatzen bewusst körperlich gefordert werden. Dies kann durch verschiedene Klettermöglichkeiten in der Wohnung geschehen. Zudem kann Futter spielerisch angeboten werden, in sog. „Fummelbrettern“ oder Futterbällen versteckt werden oder im Falle von Trockenfutter nicht im Napf präsentiert werden, sondern die einzelnen Futterstückchen auf dem Boden verteilt oder versteckt werden.

Haben Sie Fragen zur Fütterung Ihrer an Diabetes erkrankten Katze oder möchten sich einen individuellen Futterplan erstellen lassen, wenden Sie sich gern an Frau Dr. Rückert unter cornelia.rueckert@lks-mbh.com oder 037206 87165.

Stand: Januar 2022

 

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