Gründe für eine mangelhafte Heuakzeptanz beim Pferd
Die Gründe, warum Pferde die angebotene Heuration nicht fressen wollen, können vielfältig sein. Vor allem in den Heuernten der letzten 2-3 Jahre nahm die Anzahl an Anfragen bezüglich der mangelhaften Akzeptanz der aktuellen Heucharge zu. Daher sollen im folgenden Artikel die Gründe erörtert werden, die dazu führen können, dass das Heu in der Futterraufe liegen bleibt.
Die erste Akzeptanzprüfung durch das Pferd erfolgt über den Geruch. Dabei sind Pferde in der Lage, Geruchsnuancen wahrzunehmen, die für den menschlichen Geruchssinn nicht erkennbar sind. Manchmal hilft es hier, das Heu vor Verfütterung gut auslüften zu lassen – der Erfolg dieser Maßnahme ist aber vom Grund der Geruchsabweichung abhängig. Auch das Waschen von Heu steigert in einigen Fällen die Akzeptanz.
Geruchliche Abweichungen können z.B. durch die botanische Zusammensetzung bedingt sein. So bildet Ruchgras Geruchsstoffe, die von Pferden ungern aufgenommen werden. Auch die Reste von Pflanzenschutzmitteln, Dünger oder Gülle sowie Festmist können dazu führen, dass bereits der abweichende Geruch die Pferde von der Heuaufnahme abhält. Ebenso wird mit Kot (Hund/ Katze oder Schadnager) verschmutztes Heu nicht gefressen.
Muffiger Geruch kann durch mikrobiellen Verderb mit Hefen, Schimmelpilzen oder Milben entstehen. Dies stellt vor allem für Pferde mit chronischen Atemwegserkrankungen eine zusätzliche Gesundheitsbelastung dar. Schimmelpilzbelastetes Heu ist bei starkem Besatz schon grobsinnig zu erkennen. Staubt das Heu beim Aufschütteln stark, sind an den Halmen schwarze Flecken oder ein weißer Flaum zu erkennen, kann von einem erhöhten Schimmelpilzbesatz ausgegangen werden. In diesem Fall sollte das Heu keinesfalls mehr verfüttert werden. Aber auch ein klammer Griff kann einen Hinweis auf zu feuchtes Heu geben und somit einen Schimmelbefall bedingen.
Bei Verdacht auf mikrobiellen Verderb ist daher eine mikrobiologische Untersuchung der Heucharge dringend angeraten. Hierbei wird der ermittelte mikrobiologische Status der Heuprobe den empfohlenen Orientierungswerten gegenübergestellt und so in Qualitätsstufen eingeteilt:
| Mesophile aerobe Bakterien x 10^6 KbE/g | Schimmel- und Schwärzepilze x 10^3 KbE/g | Hefen x10^5 KbE/g | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Keimgruppe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| Heu | < 30 | < 2 | < 0,15 | < 200 | < 100 | < 5 | < 1,5 |
| Keimgruppe | Bedeutung | Indikatorkeime |
|---|---|---|
| 1 | produkttypisch | Gelbkeime, Enterobacteriaceae |
| 2 | verderbnisanzeigend | Bacillus, Staphylococcus, Pseudomonas |
| 3 | verderbnisanzeigend | Streptomyceten |
| 4 | produkttypisch | Schwärzepilze, Acremonium, Fusarium, u.a. |
| 5 | verderbnisanzeigend | Aspergillus, Penicillium, u.a. |
| 6 | verderbnisanzeigend | Mucorales |
| 7 | verderbnisanzeigend | Hefen |
Am Beispiel der eingesandten Heuproben aus den Jahre 2015-2019 zeigt sich, dass die mikrobiologische Qualität in den letzten Jahren abgenommen hat. In Abb. 1 stellen die blauen Balken dabei den Anteil untersuchter Proben mit Keimzahlstufe 1 (= normaler Keimgehalt), die orangenen Balken deren Anteil mit Keimzahlstufe 4 (= stark überhöhter Keimgehalt) dar.
Abb. 1: Prozentualer Anteil der Keimzahlstufen 1 (sehr gut) und 4 (stark überhöht) in eingesandten Heuproben zur mikrobiologischen Untersuchung (2015-2019)

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Futterakzeptanz beeinflusst, ist die Struktur des Heus. So mögen die meisten Pferde keine weichen Strukturen. Die Ursache dafür ist aktuell noch nicht ausreichend geklärt. Aber auch stark behaarte Gräser (z.B. Wolliges Honiggras und Weiche Trespe) sowie Grassorten, die schneidende, scharfe Blattkanten haben (Binsen & Seggen) und somit bei der Futteraufnahme kleine Verletzungen an der Maulschleimhaut verursachen können, werden nur ungern gefressen.
Geschmacksveränderungen im Heu, die zu einer Verweigerung der Aufnahme führen, können zum einen mit einem Giftpflanzenbesatz zu begründen sein. Giftpflanzen weisen als Fraßschutz häufig einen charakteristisch bitteren Geschmack auf und werden so verschmäht. Beispiele sind Jakobskreuzkraut, Johanniskraut, Herbstzeitlose oder Goldhafer. Aber auch Futtergräser, die einen niedrigen Protein- und/oder Zuckergehalt aufweisen, werden von futtersensiblen Pferden ungern gefressen. Diese Gehalte können sowohl von der botanischen Zusammensetzung der Heucharge wie vom Nutzungsstadium bzw. Erntezeitpunkt abhängig sein.
Die folgenden zwei Abbildungen zeigen das Ergebnis einer botanischen Heuuntersuchung, wie sie von der LKS mbH angeboten wird (Abb. 2a links: artenarme Weidelgras-Fuchsschwanz-Wiese, Abb. 2b rechts: artenreiche Glatthaferwiese; Quelle Fotos: PD. Dr. S. Aboling). Die Artenzusammensetzung kann einen Hinweis auf die mangelhafte Akzeptanz der Heucharge geben.

Dass grobsinnig verschmutztes Heu nicht verfüttern werden sollte, sollte jedem Pferdehalter bewusst sein. Hierbei umfasst eine Verschmutzung sowohl Müllreste (Mähränder an viel frequentierten Wegen) wie auch Dreckbeimengungen in Form von Erde oder Sand. Letztere schmälern zum einen den Futterwert, können zum anderen die mikrobiologische Qualität des Heus verschlechtern und zudem bei empfindlichen Tieren zu Sandkoliken führen. Besondere Vorsicht ist auch bei Heuqualitäten geboten, die durch Kadaver verunreinigt sind. Diese können durch einen Clostridienbesatz das Krankheitsbild des Botulismus auslösen.
Bei der Verweigerung der Heuaufnahme sollte neben einer sorgfältigen Untersuchung des Futtermittels aber auch immer das Einzeltier mit betrachtet werden. So können systemische Infektionskrankheiten, aber auch Magengeschwüre (Sportpferde!) oder Zahnprobleme (Ältere Pferde!) zu einer Verweigerung der (Raufutter-) Aufnahme führen.

Stand: Juli 2021


