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Der Fütterungsberater

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Futtermittel & Laboranalytik

Mohn ist nicht gleich Mohn


Aktuell blüht an vielen Feld- und Wiesenrändern der Mohn. Was für Spaziergänger ein beliebtes Fotomotiv darstellt, versetzt so manchen Landwirt in Sorge. Wie ist es um die Fütterungstauglichkeit von Getreide, Grünfutter oder Grünfutterkonserven bestellt, die mit Mohn „kontaminiert“ sind?

Hier lohnt zuerst ein Blick auf die Mohnart. Bei uns sind der Klatschmohn und im gezielten Anbau der Backmohn (= Schlafmohn) am weitesten verbreitet.

Klatschmohn (Papaver rhoeas):

Der rotblühende Klatschmohn ist im Frühsommer als häufiger Nebenbesatz an Feldrändern oder auch mitten in Feldern (zumeist Getreide oder Leguminosen) zu finden. Er beinhaltet eine Gesamtalkaloidmenge von 0,11 - 0,12 %. Das mengenmäßig am höchsten vorkommende Alkaloid ist dabei das Rhoeadin mit einem Gehalt von ca. 0,06 % (v.a. im weißen Milchsaft). Weitere Alkaloide sind z.B. Allocryptopin, Berberin und Papaverin.

Auftretende Vergiftungssymptome sind Gastroenteritiden und zentralnervöse Erregungszustände. Empfänglich sind grundsätzlich alle Tierarten und die höchsten Gehalte werden während der Blüte und der Samenbildung nachgewiesen. Es ist jedoch zu betonen, dass die Mengen, die aufgenommen werden, wenn Klatschmohn als Beikraut in Getreidebeständen wächst, in aller Regel nicht ausreichen, um eine klinische Symptomatik hervorzurufen. Intoxikationserscheinungen werden erst ab einem Gehalt von deutlich über 10% in der Gesamtration beschrieben (Quelle: vetpharm.uzh.ch). Zudem ist die Mohnpflanze zum Zeitpunkt der Getreideernte zumeist nicht mehr in einem Vegetationsstadium, dass klinisch relevante Alkaloidgehalte (v.a. im frischen Milchsaft der Kapseln) mit sich bringt.

Backmohn/ Schlafmohn (Papaver somniferum):

Für den kommerziellen Anbau vom rosa-pink blühenden Backmohn benötigt man neben einem erweiterten Führungszeugnis die Genehmigung durch die Bundesopiumstelle. Zudem müssen der Anbau und alle damit zusammenhängenden Arbeitsschritte dokumentiert werden.

Grund dafür sind die in den Samenkapseln enthaltenen Alkaloide wie Morphin und Codein. Morphium wird in der Medizin als starkes Analgetikum eingesetzt, Codein ist ein Hustenstiller. Diese werden aus dem getrockneten Milchsaft unreifer Samenkapseln gewonnen. Nach Anritzen der Kapseln tritt weißer Saft aus, welcher an der Luft zu einer zähflüssigen braunen Masse wird (= Rohopium).

Die hiesigen Backmohn-Felder stellen jedoch keine Gefahr dar, “drogeninteressiertes“ Publikum anzuziehen. Der Opiumgehalt im Backmohn ist äußerst gering. Zudem verflüchtigen sich die pharmakologisch wirksamen Stoffe rasch nach Anschneiden der Pflanzen, so dass der Diebstahl ganzer Pflanzen nicht das gewünschte Ziel erreichen würde.

Im Zweifelsfall kann eine botanische Untersuchung Aufschluss darüber geben, ob es sich um Klatsch- oder Schlafmohn handelt. Wurde der Mohn bereits mit geerntet und werden erhöhte Alkaloidgehalte in der Futterration befürchtet, ist auch eine Analyse auf die wertbestimmenden Alkaloide möglich. Wächst der Mohn v.a. an Feldrändern, sollten diese bei der Mahd oder Ernte großzügig ausgelassen werden.

 

Stand: Juni 2026

 

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