Nährstoffprofile „typischer“ Heuchargen für Pferde und die daraus resultierenden Probleme für die praktische Fütterung
Die Nährstoffprofile von Heuchargen, die extra für Pferde angebaut werden, weichen häufig deutlich von denen für landwirtschaftlich genutzter Wiederkäuer ab.
Auffällig sind hierbei vor allem sehr niedrige Rohproteingehalte. Hier werden zumeist Werte von ca. 40-60 g Rp/ kg TS gemessen, welche pcvRp-Gehalte von ungefähr 25-45 g pcvRp/ kg TS nach sich ziehen. Im Gegenzug werden häufig hohe Rohfaser- und Zuckergehalte erreicht. Die Rfa-Werte liegen im Durchschnitt zwischen 300-400 g Rfa/ kg TS und die Zuckergehalte nicht selten > 100 g Zucker/ kg TS.
Diese o.g. Beobachtungen sind mit den häufig sehr späten (manchmal zu späten) Schnitten gegen Ende Juni begründet. Zum anderen wird häufig unbegründet auf eine Stickstoffdüngung von Grünland für die Pferdeheu-Gewinnung verzichtet.
Die Tatsache eines späten Schnitts, einer ausbleibenden N-Düngung und den sehr warmen und trockenen Sommers der letzten Jahre bedingen die vorweg genannten charakteristischen Nährstoffprofile. Für die Rationsgestaltung ergeben sich daraus v.a. für Pferde aus dem Freizeitbereich und Tiere, die zu Übergewicht neigen (oder bereits übergewichtig sind) Probleme für die praktische Fütterung.
Beispielhaft soll das an einem „typischen“ Pferdeheu verdeutlicht werden, von welchem die folgenden Analysewerte vorliegen (85% TS; TS: Trockensubstanz, OS: Originalsubstanz):
Rohprotein | analysiert | 50 g/ kg OS | 59 g/ kg TS |
Rohfaser | analysiert | 276 g/ kg OS | 325 g/ kg TS |
Zucker | analysiert | 130 g/ kg OS | 153 g/ kg TS |
Umsetzbare Energie | berechnet | 6,0 MJ ME/ kg OS | 7,0 MJ ME/ kg TS |
pcvRp | berechnet | 33 g/ kg OS | 39 g/ kg TS |
Als „Beispielpferd“ soll hier ein Haflinger dienen: Stockmaß 148cm, ca. 500 kg KM, idealgewichtig, aber Freizeitpferd (2x wöchentlich 1-2 Stunden Ausritt in ebenem Gelände im Schritt, ansonsten kombinierte Boxen-Paddock-Haltung) und somit im Erhaltungsbedarf. Für ein Haflinger werden hier ein Energiebedarf (Umsetzbare Energie ME) von 0,45 MJ ME/ kg KM0,75 und ein Proteinbedarf (präcecal verdauliches Rohprotein pcvRp) an 3 g pcvRp/ kg KM0,75 angesetzt.
Daher ergeben sich die folgenden Bedarfszahlen und die daraus berechnete Heumenge liefert das folgende Nährstoffprofil:
Bedarf Pferd | Energie | Protein |
| 47 MJ ME | 317 g pcv |
Benötigte Heumenge |
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| 47 MJ ME/ 6,0 MJ ME/ kg OS |
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| 7,8 kg |
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Resultierende |
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| 7,8 kg x 33 g pcvRp/ kg OS |
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| 257 g pcvRp |
Aus Sicht einer equidengerechten Fütterung werden mindestens 1,5 kg Raufutter/ 100 kg KM gefordert. Diese Menge wird im o.g. Beispiel knapp erreicht (5 + 1,5 kg Raufutter = 7,5 kg Raufutter). Bei Heuchargen mit noch höheren Zucker- und somit Energiegehalten wäre hier ggf. eine zusätzliche Gabe von Futterstroh anzuraten (Nicht bei Pferden, die zu Verstopfungskoliken neigen!). Eine Lücke entsteht jedoch aufgrund des niedrigen pcvRp-Gehalts in der Proteinversorgung. Zwischen Bedarf und Aufnahme entsteht eine Lücke von 60 g pcvRp. Eine aus diesem Grund gewählte Steigerung der Gesamtheumenge würde jedoch eine bedarfsüberschreitende Energieversorgung mit sich bringen. Daher ist es zwingend notwendig, in solchen Rationen einen Proteinträger in der Ration zu ergänzen. Hierfür eignen sich z.B. Extraktionsschrote. Diesen stellen ein „Nebenprodukt“ der Ölgewinnung aus Leguminosen oder Ölsaaten dar. Nativen Produkten wie Raps, Soja oder Lein wird das Fett entzogen, so dass das daraus entstehende Produkt proteinangereichert ist.
Um z.B. die in der Beispielrechnung entstandene Proteinlücke von 60 g pcvRp zu schließen, könnten der Ration 130 g Sojaextraktionsschrot (45% Rp) oder 160 g Leinextraktionsschrot (38% Rp) zugesetzt werden. Die allgemein gern in solchen Fällen vorgeschlagenen Luzernegrünmehlprodukte weisen hingegen nur ~ 15% Rp auf und müssten im o.g. Fall mit einer Menge von 400 g supplementiert werden.
Daraus zeigt sich zum einen die Notwendigkeit einer Analyse auf die Rohnährstoffe, um eine individuell bedarfsangepasste Rationskalkulation durchzuführen. Zum anderen soll dieser Artikel ein Plädoyer darstellen, auch Grünland zur Pferdeheugewinnung mit Stickstoff zu düngen und möglichst nicht ganz so spät zu schneiden, um den Proteingehalt mit diesen Maßnahmen etwas zu erhöhen sowie übermäßig hohe Zucker- und somit Energiegehalte zu vermeiden.
Stand: Dezember 2025


