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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Schwanzbeißen/-benagen beim Kalb

Die Problematik des Schwanzbeißens oder -benagens ist eher aus dem Bereich der Schweinehaltung bekannt. In seltenen Fällen zeigen jedoch auch Kälber dieses Verhalten. Hierbei wird in aller Regel der Schwanz der Artgenossen nicht blutig gebissen, wie dies beim Schwein der Fall ist, sondern vielmehr an der Haarquaste geknabbert oder am hinteren Schwanzdrittel gesaugt.

Häufig tritt diese Problematik bei Kälbern im Alter zwischen dem 1. und 3. Lebensmonat auf. In diesem Alter haben die Tiere noch ein erhöhtes Saugbedürfnis, gleichzeitig wächst der Bedarf an strukturwirksamer Rohfaser, die in den angebotenen Rationen nicht immer ausreichend enthalten ist.

Daher sollte vor allem beim Beknabbern der Schwanzhaarquasten die Strukturwirksamkeit der Ration überprüft werden. Wird eine Kälber-TMR verfüttert, sollte darauf geachtet werden, dass Strohanteile nicht zu stark gehäckselt wurden. Alternativ ist das zusätzliche Angebot von Heu eines späten Schnittes zu empfehlen. Um in diesem Zusammenhang nicht nur dem Kaubedürfnis Rechnung zu tragen, sondern auch den Faktor „Beschäftigungsmaterial“ in den Fokus zu rücken, kann es hier sinnvoll sein, das Heu nicht nur lose in Raufe oder Trog zu servieren, sondern stattdessen auf Futterbälle o.ä. auszuweichen. Solche „Slow Feeder“ oder auch einfach nur grobmaschige Netze sind aus dem Pferdebereich bekannt und können auch im Kälberbereich problemlos zum Einsatz kommen. Die Tiere benötigen hier wesentlich länger, um kleine Mengen an Raufutter aufzunehmen, so dass nicht nur der Bedarf an strukturwirksamer Rohfaser und ein gewisses Kaubedürfnis gestillt werden, sondern auch das Spiel- und Erkundungsverhalten von Jungtieren erfüllt wird.

Zu den Anforderungen an die Fütterung von Kälbern soll an dieser Stelle auf die beiden Blog-Artikel „Einfluss des Ernährungsniveaus der Kälber auf die spätere Leistungsfähigkeit der Milchkuh“ und „Stroh in der Rinderfütterung - Teil II - Stroh-Konzentrat-Gemische“ verwiesen werden.

In selteneren Fällen kann hinter dem abnormen Bekauen von Schwänzen und anderen behaarten Körperteilen von Artgenossen auch ein Mineralstoffmangel stecken. In diesem Fall ist es ratsam, eine Rationsüberprüfung durchzuführen, um evtl. Bedarfsabweichungen in der Mengen- und Spurenelementversorgung detektieren zu können. Bei drastischen Fehlversorgungen kann hier auch eine Blutanalyse Aufschluss geben. Dabei sollte aber beachtet werden, dass Mineralstoffmessungen im Blutserum immer nur Momentaufnahmen darstellen und nie die längerfristige Versorgungslage abbilden können. Zudem müssen die jungtierbedingten Abweichungen in den Referenzwerten für die Mengenelementgehalte im Blut beachtet werden. So zeigen sich in der Blutchemie von sich im Wachstum befindlichen Tieren erhöhte Phosphorkonzentrationen, welche auf Um- und Aufbauvorgänge in der Skelettmuskulatur zurückzuführen sind. Im Gegensatz zur Referenz Adulter erhöhte Phosphorspiegel sollten daher nicht als Überversorgung interpretiert werden.

In einigen Fällen bessert sich aber die Symptomatik des Schwanzbeißens, wenn den Tieren ein Salzleckstein angeboten wird. Hierbei wird zum einen ein evtl. Mangel an Natrium und Chlorid abgedeckt. Zum anderen findet sich aber auch hier der Faktor „Beschäftigung“ wieder. In diesem Zusammenhang sei aber darauf hingewiesen, dass das übermäßige Belecken des Salzlecksteines - z.B. als Ersatz für mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten – als Stereotypie gewertet werden kann.

Zudem führt die Aufnahme von Natriumchlorid zu einen gesteigerten Wasseraufnahmebedürfnis, welchem durch ein ad libitum Wasserangebot unbedingt nachgekommen werden sollte, da sonst die Gefahr einer Kochsalzvergiftung besteht. Hierbei steigt die Konzentration von Na und Cl im Blut an, wenn diese nicht durch die Aufnahme von Wasser ausgeglichen werden kann. Dies führt zu einem Anschwellen der Körper- und insbesondere Zellen im Hirngewebe, was zu einem lebensgefährlichen Hirnödem führen kann (bei Na-Konzentrationen > 170 mmol/l im Serum). Aufgrund der in diesen Fällen mangelhaften Wasserversorgung kann das Kalb die Defizite auch nicht durch Abgabe über den Harn ausgleichen.

Es sei darauf hingewiesen, dass die hier beschriebene Problematik nicht mit der Verhaltensstörung des Besaugens von Nabel- oder Genitalregion der Kälber untereinander gleichzusetzen ist. Diese ist als Verhaltensstörung anzusehen, die durch eine zu frühe Trennung von Mutter und Kalb auftreten kann und tierschutzrelevant ist.

 

 

Stand: März 2022

 

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