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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

Blogbeitrag
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Futtermittel & Laboranalytik

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe als Futterzusätze

Im Gegensatz zu den „primären“ Pflanzeninhaltsstoffen (Eiweiß, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe, Vitamine) kommen die „sekundären“ Pflanzeninhaltsstoffe nur in geringsten Konzentrationen in den Pflanzen vor. Sie dienen den Pflanzen als Abwehrstoffe gegen „Fressfeinde“, als Farb- und Duftstoffe, um Insekten zum Bestäuben anzuziehen, als Abwehrstoffe gegen mikrobielle Feinde, als Wachstumsstimulatoren und nehmen weitere, teilweise noch nicht aufgeklärte Funktionen wahr.

Es wird geschätzt, dass ca. 100.000 verschiedene Wirkstoffgruppen artspezifisch in den Pflanzen enthalten sind, davon ist nur ein kleiner Teil untersucht und in ihrer Struktur und Wirkung bekannt. Während schon seit Jahrhunderten die Menschen Erfahrungen mit der Wirkung von Pflanzen zur Förderung ihrer Gesundheit und ihrer Immunität, sowie auch als Stimulanzien, gesammelt haben, stehen heute die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe im Vordergrund des Interesses, zumal eine Vielzahl von ihnen Alternativen zum Antibiotika-Einsatz bieten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. gibt dazu in regelmäßigen Abständen einen Einblick in den Stand der Erkenntnisse (Ernährungsbericht 2012, S.359ff). Auf dieser Grundlage wurden in der Übersicht „Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und ihre Wirkung“ die für die Erzeugung tierischer Produkte relevanten Stoffgruppen ausgewählt und ihr Vorkommen in Futtermitteln ausgewiesen.

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und ihre Wirkung

 Vorkommen *Wirkung **
Polyphenole
Flavonoide
Grünfutter(frisch>trocken>siliert)
Getreide, Traubenkerne(rot)
Traubentrester(rot)
versch. Obstarten, Soja u.a.
antioxidativ
entzündungshemmend
antibiotisch
immunmodulierend
PhenolsäurenGetreide,Trauben(weiß)antioxidativ
Carotinoide
(ß-Carotin,Lycopin,
Xanthophylle)
Grünfutter(frisch>trocken>siliert)
Mohrrüben, Grünes Gemüse,
Tomaten u.a.
antioxidativ
entzündungshemmend
immunmodulierend
PhytoöstrogeneGetreide, Leguminosen,
Leinsamen
antioxidativ
immunmodulierend
Glucosinolatealle Kohlartenantioxidativ
immunmodulierend
Alkaloide
Saponine
versch. Mohnarten
Kartoffeln, Tomaten
entzündungshemmend
antibiotisch
antioxidativ
MonoterpeneMinze, Kümmel, Zitrusfrüchteantibiotisch

* im Wesentlichen auf Futtermittel bezogen, ** vorwiegend Tier- und in-vivo-Versuche, Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2012, 2019; Wattzl B., Leitzmann C. Bioaktive Substanzen in Lebensmittel

Obwohl in Literaturberichten vielfältige Wirkungen, besonders im Hinblick auf die Gesundheit der Menschen ausgewiesen werden, werden hier die für die Tierhaltung wichtigen Kriterien angegeben:

Antioxidativ:gegen oxidativen und nitrosativen Stress
Verminderung der Wirkung der „freien Radikale“
Entzündungshemmend:Einschränkung von subklinischen Entzündungsprozessen
Antibiotisch:Schutz vor bakteriellen Kontaminationen (Alternative zum
Einsatz von Antibiotika)
Immunmodulierend:unterstützen auf verschiedenen Wegen den Immunstatus
und die Bildung von Antikörpern.

Die hier vereinfacht geschilderte Wirkung ist das Ergebnis eines oft sehr komplizierten physiologischen Prozesses.

Für die praktische Anwendung spielt die „Bioverfügbarkeit“ eine große Rolle. Unter diesem Begriff versteht man den ganzen Komplex von der Verdauung bzw. Absorption bis zur Umsetzung im Wirkungsgewebe. In den ursprünglichen pflanzlichen Produkten liegt die Bioverfügbarkeit allgemein über 15 %, für einige Verbindungen (Carotinoide, Saponine u.a.) < 3 % (DGfE, 2012).

Ferner ist die Konzentration (wirksame Dosierung) von großer Bedeutung. Deshalb wird der Wirkstoff heute mit modernen Verfahren angereichert oder auch fermentativ produziert und auch synthetisch hergestellt (z.B. ß-Carotin). Alle in der Fütterung verwendeten Präparate müssen entsprechend dem Futtermittelrecht über eine Zulassung verfügen. Diese beinhaltet u. a. den Nachweis der physiologischen Wirkung und die Unbedenklichkeit für Mensch, Tier und Umwelt.

Die sekundären Pflanzeninhaltsstoffe werden aus der Sicht der Futtermittel als Ergotropica eingestuft. Der Begriff „ergotrope Wirkung“ sagt aus, dass diese Stoffe nicht essentiell (lebensnotwendig) sind, sondern in spezifischer Weise die Lebensvorgänge stabilisieren und fördern.

Das Carotin gehört zu den Carotinoiden und gibt dieser Stoffgruppe den Namen. Es sind über 700 Verbindungen identifiziert (Deutsche Gesellschaft füt Ernährung, 2006). Es kommt als Begleiter des Chlorophylls neben weiteren Carotinoiden (z.B. Lycopine, Xanthophylle u.a.) fast nur in höheren Pflanzen, sowie in einigen Algen, Pilzen und Mikroorganismen vor. Im Allgemeinen macht ß-Carotin 90 % der Carotinoidfraktion aus.

ß-Carotin ist neben Vitamin E und Selen das wirksamste Antioxidans. Weiterhin hat es Bedeutung als Vorstufe des Vitamin A bei der Bildung des Gelbkörpers und fördert damit die Fruchbarkeit. Eine dritte wichtige Rolle spielt das ß-Carotin durch den Transfer in die Kolostralmilch und ist damit die erste Vitamin A – Quelle für das neugeborene Kalb. Die Supplementation erfolgt mit dem Präparat ROVIMIX® der Fa. DSM.

Die Verabreichung von Omega-3-Fettsäuren erfolgt mit Präparaten auf der Basis von extrudierter Leinsaat. Leinsamen enthält als einzige zugängliche pflanzliche Futterkomponente hohe Gehalte an Omega-3-Fettsäuren.

Die Supplementation von Omega – 3- Fettsäuren hat positive Wirkungen auf die Fruchtbarkeit der Milchkühe. Sie wirken entzündungshemmend, verbessern den Progesteronspiegel und bewirken eine Verringerung der Frühmortalität (bis etwa 20. Tag nach der Besamung). Eine Anreicherung der Milch mit Omega-3-Fettsäuren für die Humanernährung ist erwünscht und könnte mit einem Bonus zum Milchpreis belohnt werden.

Zur Wirksamkeit von Phenolen soll ein Versuch mit einem Traubentresterprodukt dargestellt werden (siehe „Einflüsse der Fütterung von Traubentrester auf Leistung und Parameter der Entzündungen bei Milchkühen“). Zum Einsatz kam getrockneter und gemahlener Traubentrester (rot) mit Fruchtfleisch, Haut und Samen (AntaOx ® der Firma Dr. Eckel GmbH) mit einem Gesamt-Polyphenol-Gehalt von 52 mg Gallensäureäquivalente/g. Das Präparat wurde mit 170 g/Tier und Tag ~ 1 % der Trockensubstanz der Gesamtmischration verabreicht. Da die Verminderung der Entzündungsprozesse in der Leber große Energiemengen freisetzt, kommt es bei gleicher Futteraufnahme zu einer deutlichen Erhöhung der Milchleistung.

Einfluss der Fütterung von Traubentrester1 auf Leistung und Parameter der Entzündung bei Milchkühen (Ø 2. - 9. Woche)

Parameter KontrolleAntaOx®
Trockenmassekg/Tier u. Tag16,617,2
EnergiebilanzMJ NEL / d-29,9-36,5
Milchmengekg ECM/Tier u.Tag33,937,0
Fettkg/Tier u. Tag1,371,47
Eiweißkg/Tier u. Tag1,091,21
Leber
C-reaktives Proteinrel. mRNA-Konz.1,000,77
Haptoglobinrel. mRNA-Konz.1,000,45
Tumor-Nekrose-Faktor αrel. mRNA-Konz.1,000,67
Plasma-Haptoglobinmg/l199144
Serum Amyloid Aμg/l233189

1 AntaOx® Dr. Eckel GmbH, Quellen:  Koch,Ch. et al., 2014; Geßner, Denise, Eder,K. 2017

Die Anwendung des Alkaloids Sanguinarin im Präparat Sangrovit® der Firma Phytobiotics GmbH Eltville hat in der Geflügel-, Schweine- und Rinderhaltung eine breite Anwendung gefunden. Das Präparat beinhaltet getrocknete und gemahlene Pflanzenteile von Federmohn (Papaveraceaen Maceaya cordatatus), der kontrolliert angebaut wird. Die Wirkstoffe sind die Bitterstoffe Benzophenanthridin und Protopin. Sie fördern die Sekretion der Verdauungsenzyme, wirken entzündungshemmend und verbessern die Aminosäureverfügbarkeit, besonders von Lysin und Tryptophan. Bei wachsenden Tieren fördert Sangrovit die Futteraufnahme, stimuliert die Verdauung und verbessert die Futterverwertung.

Präparate dieser Art sind „der Punkt auf dem i“. Auf der Basis einer bedarfsgerechten Versorgung mit Energie und Nährstoffen, einschl. der Mengen- und Spurenelemente, sowie mit Vitaminen und den Anforderungen entsprechenden Futterqualitäten können durch spezifizierte Zusätze senkundärer Pflanzeninhaltsstoffe die Stabilität, Gesundheit und Leistungsbereitschaft verbessert werden

 

Stand: Mai 2024

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