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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Kleintier

Vergiftung mit Lebensmitteln beim Hund

Vergiftungen mit Lebensmitteln aus dem Humanbereich, welche in Einzelfällen für Hunde giftig sein können, sind ein häufig zu beobachtendes Phänomen in der tierärztlichen Praxis. Daher ist es wichtig, dass Tierbesitzer für die Problematik sensibilisiert werden und die betreffenden Lebensmittel nicht für den Hund zugänglich aufbewahren oder aus Unwissenheit bewusst verfüttern.

 

Schokolade

In Schokolade sind die Methylxanthine Koffein und Theobromin enthalten. Während der Mensch diese enzymatisch problemlos in kurzer Zeit abbauen kann, fehlt dem Hund (und auch der Katze) diese Enzymausstattung, so dass vor allem Theobromin lange im Organismus zirkulieren kann. Dort führt es zentral zu einer stimulierenden Wirkung (kompetitiver Adenosinantagonismus). In der Körperperipherie entspricht die Wirkung der von ß-Sympathomimetika.

Die Giftigkeit der aufgenommenen Schokoladenmenge hängt zum einen von der Körpermasse des Hundes und zum anderen von der Art der Schokolade ab. Große, schwere Hunde benötigen eine größere Menge, um klinische Symptome auszubilden als kleine, leichtere Exemplare. Zudem unterscheidet sich der Theobromingehalt stark zwischen den einzelnen Schokoladensorten und hängt v.a. vom Kakaogehalt ab. So weisen weiße Schokolade und helle Milchschokolade nur geringe Theobrominmengen auf und sind somit weniger giftig als „dunkle“ Schokoladensorten wie Zartbitter- oder Kochschokolade (Tab. 1).

 Theobromin (mg/g)Coffein (mg/g)
weiße Schokolade0,010,03
Milchschokolade (25-30%)0,05-2,30,1-0,9
Kakaogetränkepulver (25%)4 
Zartbitterschokolade (55%)5-8,50,5-2,6
Bitterschokolade (90%)6,5-90,9-3

Tab. 1: Theobromin- und Coffeingehalte in verschiedenen Schokoladensorten (Quelle: CliniPharm CliniTox)

Die tödliche Dosis liegt bei 300mg/ kg KM. Zum Vergleich: Eine Tafel Zartbitterschokolade enthält hierbei bis zu 1.000mg Theobromin. Für die Letalität spielt aber auch das Verhältnis vom Theobromin- zum Coffeingehalt eine wichtige Rolle (höchste Toxizität von 5:1).

Im Notfall – wenn also die Schokoladenaufnahme beobachtet wurde – kann folgendes Vorgehen zur Risikoabschätzung angeraten werden:

- Anhand der Schokoladensorte Theobromingehalt der aufgenommenen Menge errechnen (Theobromingehalte siehe Tab. 1)

- Diesen Theobromingehalt durch das Körpergewicht des Tieres teilen

  •  Helle Schokolade (< 30%): ab 40 mg/kg KM Maßnahmen notwendig
  •  Dunkle Schokolade (>30%): ab 20mg/ kg KM Maßnahmen       notwendig

Abhängig von der Dosis und der Körpermasse des Hundes können schon kurz nach Aufnahme folgende klinische Symptome auftreten:

  • Stark aufputschende Kreislaufwirkung, die sich durch übermäßig gesteigerte Aktivität, Unruhe, erhöhten Blutdruck und Herzschlag (bis zu Herzrhythmusstörungen) zeigen kann 
  • Durchfall, Erbrechen und erhöhter Harnabsatz 
  • Atembeschwerden
  • Zittern und Krampfanfälle bis hin zum Tod (i.d.R. innerhalb von 12 Stunden nach Schokoladenaufnahme)

In jedem Fall ist die Aufnahme von Schokolade ein Grund, den Hund umgehend in einer tierärztlichen Praxis oder Klinik vorzustellen. Wurde die Schokoladenaufnahme des Hundes frühzeitig festgestellt und zeigt dieser noch keine klinischen Symptome, kann medikamentös Erbrechen hervorgerufen werden. Dazu gibt es geeignete Pharmaka und nach erfolgreicher Magenentleerung kann das Erbrechen ebenfalls medikamentös wieder gestoppt werden. Zudem sollte Aktivkohle verabreicht werden (~ 1g/ kg KM), welche unspezifisch Giftstoffe aus dem Magen-Darm-Trakt bindet. Treten bereits Krampfanfälle auf, kann versucht werden, diese mit Antikonvulsiva abzumildern oder zu unterbrechen. Eine forcierte intravenöse Flüssigkeitszufuhr regt die Ausscheidung des Giftstoffes über die Nieren an.

In diesem Zusammenhang sollte auch die Verfütterung von sogenannter Hundeschokolade kritisch betrachtet werden. Zwar ist diese natürlich ungiftig, da sie einen sehr niedrigen Kakao- und somit Theobromingehalt aufweist. Trotzdem bringt man damit den Hund auf den Geschmack und er nimmt normale Schokolade womöglich bereitwilliger auf.

Weintrauben/ Rosinen

Bei Hunden wird eine teilweise individuell sehr unterschiedlich starke Reaktion auf die Aufnahme von Weintrauben (Vitis vinifera L.) und deren Verarbeitungsprodukte (Rosinen, Trester etc.) beobachtet. Bis heute ist nicht bekannt, warum Weintrauben bei Hunden Vergiftungssymptome hervorrufen. Diskutiert wurden bisher verschiedene Inhaltsstoffe, eine Beteiligung von Mykotoxinen und Pestiziden oder auch individuelle Abweichungen in der Enzymausstattung. Denn es fällt auf, dass bisher keine allgemeingültige toxische Dosis formuliert werden konnte. Während einige Hunde größere Mengen an Trauben ohne klinische Symptome vertrugen, rief dieselbe Dosis bei anderen Hunden schwere klinische Probleme hervor.

Die toxische Dosis beträgt 10-30 g/kg KM

Auch wenn Hunde auf die Aufnahme von Weintrauben sehr unterschiedlich sensitiv reagieren, kann man  davon ausgehen, dass für einen 5kg schweren Hund 10-30 Weintrauben kritisch zu betrachten sind. Einem 20 kg schwerer Hund werden hingegen erst 40-120 Weintrauben gefährlich. Besondere Vorsicht ist zudem bei Rosinen/ Sultaninen geboten. Da diese als getrocknete Weinbeere konzentrierter sind, werden bereits 2,6 g/ kg KM als giftig eingestuft.

Zu beachten ist auch, dass in vielen Lebensmitteln Rosinen verarbeitet werden. Vorsicht ist also auch bei der Verfütterung von Stollen und anderem rosinenhaltigen Gebäck, Müsli und diversen Süßspeisen geboten. Beim Spaziergang durch Weinberge sollte man seinen Hund im Auge behalten und eine eventuelle Traubenaufnahme unterbinden. Gleiches gilt für Trester, der gelegentlich nach der Ernte zum Düngen ausgebracht wird.

Die Symptome, die bei Vergiftungsfällen beobachtet wurden, sind folgende:

  • Speicheln, Erbrechen
  • Lethargie, Teilnahms- und Appetitlosigkeit
  • Durchfall
  • herabgesetzte Harnproduktion
  • Zittern, Ataxien und Krämpfe (seltener vorkommend)

Auffällig ist, dass die Patienten fast durchgängig eine Hypercalcämie aufweisen. Damit geht wahrscheinlich das häufig auftretende Nierenversagen in Zusammenhang mit Weintraubenvergiftungen einher. In diesem Zuge steigen die Nierenwerte (SDMA, Creatinin, Harnstoff, Phosphat) stark an, so dass eine intensivmedizinische Behandlung (Infusiontherapie mit Diurese) nötig sein kann. Bei stark geschädigtem Nierengewebe ist jedoch auch ein tödlicher Ausgang möglich.

Avocado

Immer wieder wird die Giftigkeit von Avocados für Hunde (und auch bei der Katze) beschrieben und dabei auf das in der Avocado (Persea americana Mill.) enthaltene Persin verwiesen. Es kann Schäden an den Herzmuskelzellen hervorrufen (Myokard-Nekrosen). Während für viele andere Tierarten - besonders sensibel gegenüber Persin scheinen hierbei Vögel zu sein – zahlreiche Vergiftungsfälle (teils auch mit Todesfolge) beschrieben sind, wurde für den Hund nur eine Studie aus dem Jahr 1994 veröffentlicht, bei der zwei Hunde nach fraglich regelmäßiger Aufnahme großer Mengen Avocado an einer akuten Kardiomyopathie verstarben (Buoro et al. 1994, Putative avocado toxicity in two dogs. J vet Res 61(1): 107-109). Scheinbar kann lediglich der hohe Fettgehalt der Avocado Probleme, wie Erbrechen, Durchfall oder die Ausbildung einer akuten Pankreatitis hervorrufen. Vorsicht ist auch vor dem Kern geboten, der einen Durchmesser von bis zu 5cm aufweist. Wird dieser verschluckt, wird er bei den allermeisten Rassen einen Darmverschluss hervorrufen.

Macadamianüsse

Auch bei der Giftigkeit der Macadamianuss für Hunde scheint es – ähnlich wie bei Weintrauben – große individuelle Unterschiede zu geben. Daher wird die toxische Dosis auch hier mit einer beträchtlichen Spanne angegeben:

Die toxische Dosis beträgt 0,7-62,4 g/kg KM

Das toxische Prinzip ist unklar, eine Inhaltsstoff, welcher die klinische Symptomatik hervorruft, konnte bis heute nicht definiert werden. Typische klinische Symptome einer Macadamianussvergiftung sind Folgende:

  • Hinterhandschwäche (Wegknicken mit den Hintergliedmaßen bis hin zu reduzierter Steh- und Gehfähigkeit) und Lahmheit/ Steifheit bis zur Seitenlage
  • Apathie, Erbrechen und Abdominalschmerzen
  • Hyperthermie (bis 40,5°C)
  • blasse Schleimhäute

Blutchemisch fallen keine starken Abweichungen auf, lediglich eine leichte Erhöhung der Triglyceride (Blutfette) und der Enzyme Lipidase und Alkalische Phosphatase wurden beobachtet. Die beiden ersteren können jedoch auch mit der erhöhten Fettaufnahme über die Nüsse begründet sein und müssen nicht im direkten Zusammenhang mit der Toxizität stehen. Bei einigen Hunden wurde eine spontane und vollständige Erholung innerhalb von ein bis zwei Tagen beschrieben, ohne dass eine tierärztliche Notfalltherapie eingeleitet wurde. Von einigen Autoren wird beschrieben, dass grundsätzlich keine Therapie notwendig sei, da sich alle bekannten Vergiftungsfälle quasi selbstlimitierend zeigten und bisher keine Todesfälle infolge einer Macadamianussvergiftung beschrieben wurden. Allerdings sollte aus tierschutzgründen darauf gedrängt werden, dass Symptome wie z.B. akuter Abdominalschmerz oder akutes Erbrechen symptomatisch behandelt werden, auch wenn die Prognose für das Tier auch ohne tierärztliche Intervention gut ist.

Zwiebeln

Zwiebelgewächse (z.B. Haus-, Gemüsezwiebel, Bärlauch und Knoblauch) enthalten Alliine (schwefelhaltige, nicht proteinogene Aminosäuren), z.B. S-Methylcystein-Sulfoxid (SMCO = kale anaemia factor), die bei Zerstörung der Pflanzenzelle zu Disulfid-Verbindungen umgewandelt werden. Dies führt zum einen zu einer lokalen Reizung der Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt und kann sich so in Erbrechen und Durchfall äußern. Der Haupteffekt beruht aber auf einer Denaturierung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Dadurch entsteht Methämoglobin, was nicht mehr in der Lage ist, Sauerstoff aus dem Blut in die Körperzellen abzugeben. Im Blutbild bildet sich dieses Phänomen als sog. Heinz-Körperchen - Aggregate aus denaturiertem Hämoglobin in den Erythrozyten - ab. Zudem kommt es zu einer Anämie.

Die toxische Dosis beträgt 5-30 g/kg KM

Andere Quellen geben 0,5% der KM als toxische Dosis an.

Bei der toxischen Dosis sollte beachtet werden, dass es beim Hund rassespezifische Unterschiede geben kann. So wird v.a. Hunden aus der Gruppe der japanischen Spitze (Shiba und Akita Inu) eine besondere hohe Sensibilität gegenüber Alliinen nachgesagt. Grund hierfür kann eine Besonderheit in Ionen-Stoffwechsel dieser Rasse sein (High K+- and low Na+-concentrations in erythrocytes).

Klinische Symptome nach Aufnahme einer toxischen Menge an Zwiebelgewächsen können Folgende sein:

  • Erbrechen, Durchfall, Abdominalschmerzen
  • Mattigkeit bis hin zur Apathie
  • Anämie – blasse Schleimhäute und körperliche Schwäche
  • heraufgesetzte/r Atmung und Herzschlag (Tachypnoe und -kardie), Hypertension

In diesem Zusammenhang sollte auch vor zwiebelgewächshaltigen Mitteln, die zur Wurm- oder Zeckenprophylaxe angeboten werden, gewarnt werden. Deren Wirkung ist zum jetzigen Kenntnisstand nicht wissenschaftlich bewiesen. Zum anderen kann es bei der Verfütterung dieser Präparate je nach Körpermasse des Hundes zu Vergiftungserscheinungen kommen. Diese können sich auch über einen längeren Zeitraum unbeobachtet manifestieren (mitunter ist eine latente Anämie nur im Blutbild sichtbar).

Allgemeine Sofortmaßnahmen bei Vergiftungen für den Tierhalter:

  • Umgehend Tierarzt aufsuchen – je eher, desto besser
  • kontrolliertes Erbrechenlassen kurz nach der Giftaufnahme durch den Tierarzt ist die effektivste Methode einer Dekontamination mit dem Toxin
  • vorher den Fall telefonisch in der Tierarztpraxis ankündigen
  • Aufgenommene Lebensmittel zum Tierarzt mitnehmen (wichtig vor allem bei Schokolade, damit der Tierarzt den Kakaoanteil und somit die Theobrominkonzentration abschätzen kann)
  • Gabe von Aktivkohle (Notfallapotheke)
  • Der Tierarzt wird dann alle weiteren Maßnahmen vor Ort einleiten (je nach Toxin: forcierte Flüssigkeitstherapie, krampfhemmende Medikamente, Stabilisierung Stoffwechsel, ggf. spezifische Antidots, Schmerzmedikamentation etc.)

Stand: März 2021


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