Das Werwolf-Syndrom beim Hund - Ein Update
Im Januar berichteten wir in einem Blogartikel vom Werwolf-Syndrom beim Hund. Hier zeigten betroffene Tiere nach dem Verzehr von gebleichten Rinderkopfhautprodukten Verhaltensänderungen und epileptiforme Anfälle. Diese Symptome konnten keiner anderen kausalen Erkrankungen zugeordnet werden und wurden daher auf den Verzehr der o.g. Kauartikel zurückgeführt.
Der Onlinehändler Zooplus sowie die Futtermittelüberwachung des Freistaats Bayern haben nun in Zusammenarbeit mit Toxikologen erste Hinweise auf die Ursache dieser Vergiftungsfälle geliefert. Im Verdacht, die neurologischen Symptome auszulösen, steht die Substanz Methioninsulfoximin (MSO). MSO entsteht als Nebenprodukt, wenn Tierhäute mit nicht zugelassenen Bleichmitteln bearbeitet werden. Vermutlich wurden daraus die betreffende Kauknochen produziert, nach deren Aufnahme die Hunde die entsprechende Klinik zeigten. MSO wurde jedoch nicht in den betroffenen Patienten nachgewiesen und es ist auch kein Richtwert für Hunde bekannt, welcher eine toxische Dosis definieren könnte.
Methioninsulfoximin (MSO): Was ist das?
MSO entsteht als Nebenprodukt, wenn Rinderhaut mit nicht zugelassenen Bleichmitteln behandelt wird. Dieser Schritt wird durchgeführt, um die natürlicherweise gräulich-braunen Hautstücke aufzuhellen und so die optische Produktattraktivität zu erhöhen.
Kurzer Abriss zur Historie
Die Gruppe der Sulfoximine wurden in den 40er Jahren in Zusammenhang mit einer Krankheit, die als Hundehysterie oder Laufsucht bezeichnet wurde, beschrieben. Auslöser waren auch hier Bleichmittel - mit diesen wurde Getreide behandelt.
Was bewirkt MSO?
MSO hemmt im Gehirn ein wichtiges Enzym, die Glutaminsynthetase. Wird dadurch der Stoffwechsel der Nervenzellen im Gehirn gestört, kann es zu schweren neurologischen Ausfallerscheinungen kommen. Insbesondere bei Hunden wurden hier Krampfanfälle beobachtet. Eine Studie aus dem Jahr 2013 belegt diese neurologische Wirkung von MSO.
Wie hoch ist das toxische Potential von MSO?
Primär ging es in der genannten Studie um das toxische Potential beim Menschen. Es wird aber gezeigt, dass schon kleine Mengen ausreichen, um bei Hunden Krampfanfälle auszulösen.
Beim Menschen wurde hier eine zweischrittige Wirkung auf die Glutaminsynthetase beschrieben. Anfänglich kommt es zu einer kompetitiven und somit reversiblen (= umkehrbaren) Hemmung. Daraufhin folgt dann eine irreversible (= nicht umkehrbare) Inaktivierung, wodurch mit Langzeitschäden gerechnet werden muss.
Wie sich das beim Hund verhält, ist bislang nicht klar. Jedoch betonen zahlreiche Tierärzte, die betroffenen Hunde behandelt haben, dass sich diese nach tierärztlicher Behandlung gut erholt hätten. Bei milderen Symptomen war auch gar keine tierärztliche Intervention notwendig und die Tiere erholten sich durch das bloße Beenden der Verfütterung betreffender Kauartikel.
Bei keinem der betroffenen Hunde wurde MSO nachgewiesen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Einsatz nicht zugelassener Bleichmittel, der damit einhergehenden Bildung von Methioninsulfoximin und dem Auftreten neurologischer Symptome bei betroffenen Hunden als realistisch einzuschätzen ist. Bis zur endgültigen Klärung sollte daher auf Kauartikel dieser Art verzichtet werden.
Stand: August 2025


