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Der Fütterungsberater

Ein Blog zu Futtermittelanalytik, Tiergesundheit, Fütterung und Diätetik.

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Pferd

Die Fütterung des Sportpferdes – Was braucht es wirklich?

Die Fütterung von intensiv belasteten und im Sport geführten Pferden unterscheidet sich in einigen Punkten von der von Freizeitpferden. Neben dem zusätzlichen Bedarf an Energie sollten vor allem die über die Schweißbildung verlorengegangenen Elektrolyte (und Wasser) wie auch ein evtl. erhöhter Eiweißbedarf für den Muskelaufbau Beachtung finden.

Hierbei muss jedoch auch die Art der körperlichen Belastung unterschieden werden. Renn- und Springpferde müssen Spitzenleistungen bringen, die auf einen kurzen Zeitraum konzentriert sind. Davon unterscheiden sich Tiere, die eine konstante Leistung über einen längeren Zeitraum erbringen müssen – dazu gehören neben Zugpferden auch Pferde, die Distanz- und Wanderritte absolvieren.

Wie bei allen Pferden sollte die Grundlage der Ration aus qualitativ hochwertigem Raufutter bestehen. Auch hier gelten die Grundsätze einer equidengerechten Fütterung, so dass pro 100 kg KM (KM = Körpermasse) rund 1,5 kg Heu gefüttert werden sollten. Somit erhält ein Pferd mit 600 kg KM täglich ca. 10 kg Heu. Bei der Wahl einer geeigneten Heucharge sollte darauf geachtet werden, dass diese von einem frühen Schnitt stammt und möglichst wenig überständiges Material beinhaltet. Dieses würde zum einen den Energiegehalt reduzieren und zum einen den bei Sportpferden nicht erwünschten “Heubauch“ fördern. Zudem werden durch hohe Anteile unverdaulicher Substanz der Wassernachzug in die Darmingesta und somit letztendlich die aufzunehmende Wassermenge erhöht. Bei den geforderten frühen Schnitten kommt es zudem in aller Regel zu einer Überschreitung des Proteinbedarfs. Dies ist jedoch bei gesunden adulten Pferden als unproblematisch zu betrachten und somit tolerierbar. In diesem Zusammenhang muss außerdem erwähnt werden, dass eine Proteinüberversorgung bei raufutterreichen Rationen weniger kritisch als bei konzentratreicher Fütterung ist. Durch die erhöhte mikrobielle Aktivität und durch die ausreichende Aufnahme fermentierbarer Gerüstsubstanzen wird der sezernierte Stickstoff vermehrt fixiert.

In diesem Zusammenhang sei an dieser Stelle auch von der Notwendigkeit einer Analyse der ausgewählten Heucharge vor der Rationserstellung und Fütterung hingewiesen. In der folgenden Grafik zeigt sich die starke Schwankungsbreite an den maßgeblich den Futterwert beeinflussenden Parametern Energiegehalt (ME), Protein-, Rohfaser- und Zuckergehalt (Auswertung von 1.200 im LKS Futtermittellabor analysierten Heuproben für Pferde).

MJ ME: Megajoule umsetzbare Energie, TS: Trockensubstanz

Zur kurzen Erklärung der grafischen Darstellung: 50% der gemessenen Werte liegen innerhalb der mittigen Box, die zentrale Linie darin stellt den Median dar. ≤25% der Messwerte liegen im Bereich der „Antennen“, die nach oben bzw. unten zeigen. Das Ende dieser Antennen stellen jeweils die minimal bzw. maximal gemessenen Werte dar.

Bei intensiv körperlich beanspruchten Pferden ist es notwendig, den individuellen Energiebedarf zusätzlich über die Fütterung von Energieträgern zu decken. Dies können zum einen Einzelfuttermittel (Getreide) oder getreidebetonte Mischfuttermittel sein. Als einzelne Getreideergänzung eignet sich hierbei vor allem Hafer. Dieser kann bei Pferden als ganzes Korn verfüttert werden. Werden andere Getreidesorten wie z.B. Gerste oder Mais gewählt, sollten diese in thermisch aufgeschlossener Form angeboten werden. Je nach Arbeitsintensität sollten hier ca. 0,5 bis > 1 kg Hafer/ 100 kg KM täglich zugelegt werden. Idealerweise wird diese Tagesmenge auf mindestens drei Einzelmahlzeiten aufgeteilt, um eine übermäßig hohe Stärkeaufnahme pro Mahlzeit zu verhindern (max. 1g Stärke/ kg KM/ Mahlzeit) und gemeinsam mit Raufutter angeboten. Bei dieser Art der Rationsgestaltung muss jedoch ein vitaminisiertes Mineralfuttermittel ergänzt werden, um den Bedarf v.a. an Calcium, Vit. E und den Spurenelementen Kupfer, Zink und Selen zu decken. Einfach in der Handhabung ist daher der Einsatz kommerzieller Müslis bzw. bereits ausreichend vitaminisierter und mineralisierter Mischfuttermittel. Aber auch hier bietet es sich an, die Rationsgestaltung zu überrechnen und ggf. zu modifizieren.

Alternativ zu stärkehaltigen Kraftfuttermischungen kann der erhöhte Energiebedarf ergänzend zum Raufutter auch über die Verfütterung pflanzlicher Öle gedeckt werden. Diese können z.B. über das Krippenfutter gegeben werden. Öle werden von den meisten Pferden gut akzeptiert und sind vor allem für Pferde mit einer Atemwegsproblematik eine gute Alternative zur Getreidefütterung. Hierbei können Maiskeim-, Soja-, Sonnenblumen- oder Leinöl zum Einsatz kommen. Gerade letzteres zeichnet sich durch ein besonders günstiges Fettsäuremuster aus und hat aufgrund des hohen Gehalts an Linolensäure eine entzündungshemmende Wirkung (Minderung der Prostaglandinsynthese). Gerade bei Leinöl ist aber zu berücksichtigen, dass dieses zu einer schnellen Oxidation („Ranzigwerden“) neigt. Daher sollte es kühl und dunkel gelagert werden und keine zu großen Mengen auf Vorrat gekauft werden. Fettmengen von ca. 0,5 g/ kg KM/ Mahlzeit werden gut toleriert. Höhere Mengen können das Darmmikrobiom negativ beeinflussen und somit die Rohfaserverdaulichkeit negativ beeinflussen. Bei dem erstmaligen Einsatz von Ölen sollte jedoch eine langsame Adaptation stattfinden und die Umstellung auf die fetthaltige Ration über mindestens zwei bis drei Wochen erfolgen.

Ein besonderes Augenmerk bei der Fütterung von Sportpferden sollte auf einer ausreichenden Wasser- und Elektrolytversorgung nach höheren Schwitzverlusten liegen. Während die Kaliumverluste über den Schweiß durch das Grünfutter ausgeglichen werden können, müssen Natrium und Chlorid in Form von Salz supplementiert werden (pro Liter Schweiß gehen ~ 8,5 g Natriumchlorid verloren). Während es bei Pferden mit leichter Arbeit meist genügt, einen Salzleckstein anzubieten, ist dies ab einer mittleren Arbeitsintensität nicht mehr möglich. Hier sollte Salz in kristalliner Form dem Krippenfutter zugegeben werden. Gerade bei Distanzritten, auf welchen die Tiere in den Pausen in kurzer Zeit ausreichend Salz und Wasser aufnehmen sollen, kann es auch sinnvoll sein, das Salz in Form schmackhafter Pasten oder in Snackform (spezielle konfektionierte Riegel o.ä.) anzubieten. Hierbei muss unbedingt parallel dazu immer ausreichend Tränkwasser bereitstehen, da zum einen die schwitzbedingten Wasserverluste berücksichtigt werden müssen wie auch die Salzzulage ein zusätzliches Durstgefühl induziert. Dies ist von immenser Bedeutung, da Pferde durch den Verlust hypertonen Schweißes kein Durstgefühl nach starkem Schwitzen verspüren (Plasmaosmolarität bleibt unverändert). Zudem sollten auf Distanz- und Wanderritten die Pausen so lang gestaltet sein (mind. 30 Min), dass die Pferde in dieser Zeit ausreichend Wasser aufnehmen können.

Haben Sie Fragen zur Fütterung Ihres Sportpferdes? Dann wenden Sie sich gern an:

Dr. Cornelia Rückert Tel.: 037206 87165 Cornelia.Rueckert@lks-mbh.com

Lisa-Marie Hänsch Tel.: 037206 87161 Lisa-Marie.Haensch@lks-mbh.com

 

Stand Februar 2022

 

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